Kommunalpolitik - Bei Diskussion über Kinderkrippe in Ausschuss geraten Bürgermeister und Politiker hart aneinander Maier über CDU: "Katastrophal!"

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Uwe Rauschelbach
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Auf einem Grundstück neben der Kindertagesstätte Neuschloß wird die neue Kinderkrippe voraussichtlich errichtet. Die CDU hat sich klar gegen diesen Standort ausgesprochen. Die anderen Fraktionen sind zumindest mehrheitlich dafür.

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Lampertheim. Gegen den Bau einer neuen Kinderkrippe weiß in den parlamentarischen Gremien niemand etwas vorzubringen. Sie sei eine "zwingende Notwendigkeit", hatte Bürgermeister Erich Maier die Debatte in einer gemeinsamen Tagung von Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschuss sowie des Ausschusses für Familien, Jugend und Senioren eröffnet. Doch bei der Frage nach dem künftigen Standort schieden sich auch innerhalb der einzelnen Fraktionen die Geister.

Lampertheim muss eine neue Kinderkrippe bauen

Lampertheim muss ab Mitte 2013 einen Rechtsanspruch erfüllen, 35 Prozent des Bedarfs an Krippenplätzen für Kinder unter drei Jahren abzudecken.

Momentan fehlen dazu noch 45 Plätze bei Tagespflegepersonen und 67 Plätze in Einrichtungen.

Mit konfessionellen Trägern in Hofheim und Hüttenfeld sind 16 weitere Plätze in Planung.

Die 50 Plätze in der Kinderkrippe "Zauberwald" im Rosenstock sind ab April 2013 voll belegt.

Geplant ist eine neue Kinderkrippe für fünf Gruppen mit mindestens jeweils zehn Kindern.

Verwaltung und Ausschüsse haben sich auf eine modulare (im Werk vorgefertigte) Bauweise ausgesprochen.

Die Kosten werden mit 1,2 Millionen Euro beziffert. Hierfür steht ein Landeszuschuss in Höhe von 750 000 Euro in Aussicht.

SPD, Grüne und FDP folgten dem Verwaltungsvorschlag, die neue Krippe auf dem Freigelände neben der Kindertagesstätte Neuschloß zu errichten.

Die CDU bevorzugt ein Grundstück auf dem Lutherplatz, weil sie Familien mit kleinen Kindern lange Wege ersparen möchte.

Für Neuschloß spricht der geringere Verkaufswert des von Altlasten sanierten Geländes. urs

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Die Mehrheit in beiden Ausschüssen votierte - gegen die Stimmen der CDU und eine Enthaltung der Grünen - für den Bau einer Krippe in Modularbauweise auf dem Gelände in Nachbarschaft zur Kindertagesstätte in Neuschloß. Alternativstandorte seien geprüft, aber nicht für realisierbar befunden worden, gab Lampertheims Bauamtsleiter Raimund Rinder zu Protokoll. Die Christdemokraten hielten dennoch an ihrer Auffassung fest, dass eine Krippe im Zentrum Lampertheims dem tatsächlichen Bedarf eher entspräche.

CDU-Fraktionsmitglied Werner Hofmann äußerte zudem schwere Bedenken, eine Herberge für Kleinkinder ausgerechnet auf saniertem Altlastengelände zu errichten. Er selbst mochte sich nicht vorstellen, dereinst eigene Enkel in einer solchen Krippe beaufsichtigt zu wissen. Mit dieser Aussage löste er beim Bürgermeister heftigen Protest aus. Hofmanns Aussage sei "unglaublich" und "geradezu katastrophal". Damit setze die CDU einen ganzen Stadtteil in Misskredit, der für die Summe von 80 Millionen Euro saniert worden sei. "Das kann's eigentlich nicht sein", zeigte sich Maier nachhaltig irritiert. Er sei deswegen "vollkommen von der Rolle".

Fünf Gruppen à zehn Kinder

Die geplante Kinderkrippe soll Platz für fünf Gruppen mit jeweils zehn Kindern bieten. Womöglich könne es aufgrund gesetzlicher Änderungen sein, dass die Gruppen jeweils bis zu 13 Kinder aufnehmen können, informierte Maier. Außerdem erwarte die Stadt noch eine Überweisung vom Land in Höhe von 246 000 Euro, die Wiesbaden aufgrund der zuletzt geänderten Grundvoraussetzungen für die Kinderbetreuung nachzuzahlen habe.

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Die Verwaltung ist nach Maiers Ausführungen zu dem Schluss gekommen, den Lampertheimer Lutherplatz als Alternativstandort auszuschließen. Er sei "wirtschaftlich viel besser zu vermarkten" als das Grundstück in Neuschloß. Den finanziellen Vorteil bezifferte Maier auf rund 300 000 Euro.

Die SPD folgte den Vorschlägen der Verwaltung weitgehend. Fraktionsvorsitzender Hans Hahn wollte sich allerdings nicht mit einer zweigeschossigen Bauweise anfreunden, die eine Einrichtung für insgesamt 50 Kinder erfordere. Laut Bürgermeister Maier lässt die katholische Pfarrei St. Andreas als Eigentümerin des Grundstücks aber keine Bereitschaft erkennen, einen Streifen des Geländes der Stadt zu übertreten, damit die Krippe großflächiger konzipiert werden kann.

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Hahns Parteifreund Peter Hensel ließ im Unterschied zu seinen Genossen hingegen erkennen, dass er den Lampertheimer Lutherplatz für den geeigneteren Standort hielt. Dagegen sprach sich FDP-Fraktionsmitglied Fritz Röhrenbeck mit Blick auf viele junge Familien im Neubaugebiet Rosenstock sowie im Wohngebiet Europaring für Neuschloß aus.

Grüne: passiv und eingeschossig

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Die Grünen äußerten unterdessen Bedenken über eine zweigeschossige Bauweise (Helmut Rinkel) und regten die Entscheidung für eine Passivhaus-Bauweise an (Carmen Kunz). Bauamtsleiter Rinder führte unterdessen aus, der Passivhaus-Ausbau würde bis zu 50 Prozent höhere Kosten verursachen. Dieser Aussage widersprach Sozialdemokrat Hensel, der von einer Verteuerung um lediglich 15 Prozent ausging.

Während sich die Lampertheimer Fraktionen die Entscheidung für den Standort der künftigen Krippe denkbar schwer machten, ließ sich in der Ausschusssitzung die Leiterin der Kinderkrippe "Zauberwald" im Rosenstock, Melanie Reipa, vernehmen. Sie hielt die Nähe der Einrichtung zum Neuschlösser Wald für besonders attraktiv. Auch eine zweigeschossige Bauweise sei für Kinder dieses Alters, die sich zu Hause ebenso ans Treppensteigen gewöhnen müssten, kein Problem.

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Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).