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Kultur - Akteure der Lampertheimer Theatergruppe HerbstZeitLosen führen Briefroman aus der NS-Zeit szenisch in der Domkirche auf

Lesung über das Ende einer Freundschaft

Von 
Rosi Israel
Lesedauer: 
Heiner Kraft (rechts), Ute Brozio und Andreas Kirsch bei einer Probe für ihr neues Stück. © Rosi Israel

Lampertheim. Dieses Mal haben die Darsteller der Gruppe „HerbstZeitLosen“ eine besonders harte Nuss zu knacken. Das Amateurtheater probt derzeit „Empfänger unbekannt“ – eine anspruchsvolle, aufwühlende Lesung unter der Leitung von Heiner Kraft.

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Das Original, ein Briefroman aus dem Jahr 1938, heißt „Adressat unbekannt“ und stammt aus der Feder der Schriftstellerin Kathrine Kressmann Taylor. In diesem Werk schildert die Autorin das Ende der Freundschaft zweier Geschäftsleute zum Anfang des Nationalsozialismus. Heiner Kraft liest den amerikanischen Max Eisenstein jüdischen Glaubens, Andreas Kirsch den deutschen Martin Schulse.

Die Theatergruppe

Die „HerbstZeitLosen“ ist eine Arbeitsgemeinschaft der Volkshochschule Lampertheim.

Die Gruppe konnte im vhs-Online-Netzwerkauch während der Corona-Pandemie weiterarbeiten.

Der Eintritt zu den szenischen Lesungen „Empfänger unbekannt“ ist frei.

2014 wurde Heiner Kraft vom Bund Deutscher Amateurtheater Berlin mit der Goldenen Ehrennadel ausgezeichnet. 2017 folgte der Hessische Landesehrenbrief.

Andreas Kirsch ist durch seine Auftritte beim Carnevals-Gremium im Turnverein und der Volksbühne Lampertheim bekannt. roi

Beide Protagonisten betreiben zusammen eine bekannte Kunstgalerie in San Francisco. „Im Jahre 1932 zieht Schulse mit seiner Familie von Kalifornien nach München zurück und wird dort mit dem Nationalsozialismus konfrontiert“, erklärt Kraft und fügt hinzu: „Eigentlich war dieser von Hause aus ein Liberaler, doch immer mehr wird er zum bekennenden Nationalsozialisten.“ Vorerst sind Eisenstein und Schulse noch Freunde, aber Schulses Leidenschaft für die Nazis führt dazu, dass er sich nach und nach von seinem jüdischen Freund distanziert.

Beide halten nach der Rückkehr von Schulse weiter brieflichen Kontakt. Und diese Briefe lesen Heiner Kraft und Andreas Kirsch szenisch vor. Eisenstein führt die Kunstgalerie in den USA weiter. Was der Zuhörer dennoch hier schon ahnt, verrät Heiner Kraft: „Die Geschichte nimmt ein trauriges Ende.“

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Wer dem dramatischen Briefroman lauschen will, kann am Donnerstag, 29. Juli, 19 Uhr, in der Domkirche zuhören. Das ist die erste Station der Lesenden. Heiner Kraft allerdings hat verschiedene Kirchengemeinden und Institutionen angeschrieben, denn er möchte die Geschichte in die Öffentlichkeit tragen und einem größeren Kreis vorstellen.

Für die Akteure ist der Auftritt in einem Gotteshaus eine Herausforderung. „Es muss langsamer und deutlicher gesprochen werden, da der Widerhall in Kirchen nicht zu unterschätzen ist“, erläutert Kraft bei einer Probe. Und damit das Vorgetragene glaubwürdig klingt und unter die Haut geht, müsse der Inhalt mit hör-und sichtbaren Emotionen gesprochen werden. „Obendrein arbeiten wir mit Lichteffekten, die Margit Kühn übernimmt. Die Mikrofone erhalten wir freundlicherweise von der Lukasgemeinde“, berichtet Regisseur Kraft.

Das Vorwort zu der anspruchsvollen Literatur, die Überleitungen und das Nachwort liest Ute Brozio aus Ludwigshafen. Das in Auszügen gelesene Nachwort stammt von Schriftstellerin Elke Heidenreich. Mit ihren Auftritten wollen die Akteure ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen. „Wir brauchen doch nur die Nachrichten in den Medien verfolgen, dann hören, sehen oder lesen wir etwas über feindliche Einstellungen gegenüber Juden“, fügt er hinzu.

Kraft habe sich für den Briefroman entschieden, weil dieser für die Zuhörer spannend vorzutragen ist. Außerdem sei es den Schauspielern wichtig, dass das Thema nicht in Vergessenheit gerät.

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