Umwelt

Lampertheimer Hobbygärtner können Bienen helfen

Von 
Rosi Israel
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Sandbienen im Anflug auf ein Wildbienenhotel. Die Lehmlöcher, Ziegelhohlräume oder Holunderstöckchen dienen als Brutzelle für ihre Eier. © dpa

Lampertheim. Trotz des aktuell kühlen Aprilwetters ist es nicht zu leugnen: Der Frühling hält Einzug. Auch wenn milde Temperaturen und Sonnenschein noch ein wenig ausgebremst werden, sind die Tiere aus dem Winterschlaf erwacht und die Pflanzen entwickeln sich.

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Zahlreiche Informationen, wie der eigene Garten ...

Zahlreiche Informationen, wie der eigene Garten insektenfreundlich gestaltet werden kann, und eine Bauanleitung für ein Insektenho tel hat der Naturschutzbund auf seiner Homepage unter www.na bu.de/Insektengarten zusammen

Als Frühlingsboten waren in den Tagen vor Ostern beispielsweise Zitronenfalter, Bienen und Hummeln zu entdecken, die durch die Luft schwirrten und an den Blühpflanzen naschten. Sie sind wichtige Nahrungsquellen für die Insekten, die deren Nektar heraussaugen. Dabei bleiben die Blütenpollen an den Körpern der Tiere haften, und diese transportieren sie so zur nächsten Blüte und bestäubt diese.

Zahlreiche heimische Blühpflanzenarten seien auf die Bestäubung durch Nützlinge wie Honig- und Wildbienen angewiesen, erklärt Anke Diehlmann von der Lampertheimer Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). Allerdings sehe man dieses sommerliche Bild emsig sammelnder Insekten immer weniger, da ein Rückgang der Nützlinge zu verzeichnen sei. „Untersuchungen von Forschern aus Krefeld haben einen Rückgang der Insekten von mehr als 70 Prozent in den vergangenen 30 Jahren gezeigt“, bedauert Diehlmann. Gründe seien fehlende Blühstreifen und flächendeckende Plastikplanen in der Landschaft. Damit würde vielen Insekten die Nahrungsgrundlage entzogen.

Deshalb sei es nicht verwunderlich, dass Insekten Einzug in die Städte hielten. Jeder könne den Insekten beim Überleben helfen, indem er seinen Garten naturnaher gestaltet. „Die einfachste Maßnahme ist es, eine wilde Ecke im Garten stehen zu lassen, die weder betreten noch gemäht wird. Hier dürfen Brennnesseln und andere Wildkräuter wachsen – als Futterpflanzen für Schmetterlingsraupen und weitere Insektenarten“, empfiehlt die Naturschützerin. Am besten sei eine Kombination aus Stauden und Sträuchern, damit das ganze Jahr über Nahrung für Insekten zur Verfügung steht. Diehlmann rät, sich bei Wild-staudengärtnereien über geeignete Pflanzen zu informieren.

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Ideale Zeit für Umgestaltung

Laut Nabu Hessen ist jetzt die ideale Zeit, den Garten insektenfreundlicher zu gestalten und somit etwas für die Artenvielfalt vor der eigenen Haustür zu tun. Die Wildbienen seien unterwegs und mit einer geeigneten Nisthilfe könne der Insektenfreund einige der Wildbienenarten unterstützen, ihre Eier abzulegen. Laut dem Nabu-Landesvorsitzenden Gerhard Eppler aus Heppenheim gibt es in Deutschland rund 580 Wildbienenarten. Mehr als die Hälfte stehen als gefährdet auf der Roten Liste.

„Die meisten Insektenhotels aus Baumärkten sind leider eher dekorativ als artgerecht und werden von den Insekten nicht angenommen“, sagt Eppler. Hobbygärtner sollten deshalb für natürliche Nistplätze sorgen oder ein Insektenhotel selbst bauen. „Als Brutröhren für Wildbienen können beispielsweise Staudenknöterich oder im Baumarkt erhältlicher Bambus dienen. Diese Röhren werden auf eine Länge von zehn bis 15 Zentimeter gekürzt. Dabei sollten die vorkommenden Knoten das Ende der Röhrchen von hinten verschließen, damit die Brutkammern nach hinten hin bereits sicher verschlossen sind“, erklärt der Biologe. Auch Hartholz sei als Material für ein Wildbienenhotel gut geeignet.

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Die Brutgänge sollten hierbei immer in Längsrichtung gebohrt werden, um Risse und das Aufquellen von Splinten zu vermeiden. „Die Bohrungen müssen absolut sauber und sorgfältig geglättet sein. Wildbienen nehmen diese sonst nicht an, weil sie sich ihre Flügel verletzen würden“, rät Eppler. Unterschiedlich breite Löcher würden von verschiedenen Wildbienenarten angenommen. Das fertige Wildbienenhotel sollte an einem sonnigen, wettergeschützten Platz aufgestellt werden, an dem der Hobbygärtner den Einzug der ersten Wildbienen beobachten kann.

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Bei der Arbeit beobachten

„Besonders spannend ist es, die Bienen bei ihrer Arbeit zu beobachten. Das ist gefahrlos möglich, denn Wildbienen sind friedlich. Von einem ruhigen Platz aus kann man zuschauen, wenn sie Baumaterial und Brutnahrung zu ihrer Niströhre bringen“, erklärt Eppler. Solche Insektenhotels böten generell für nur ungefähr 30 Wildbienenarten einen Brutplatz. Der Großteil brüte in unbewachsenen Sandflächen. „Mit offenen Sandstellen oder einer kleinen Sandkiste lässt sich wertvoller Lebensraum schaffen“, so Eppler. Wichtig sei, ungewaschenen Sand zu verwenden, damit die Brutröhren nicht zusammenbrechen.

Saubere Wasserstellen

Auch eine regelmäßig gereinigte Wasserstelle im Garten unterstützt die fleißigen Bienchen. „Aufgrund der Klimakrise hatten wir einige sehr trockene und heiße Sommer und auch die Insekten haben unter dem Wassermangel gelitten“, erklärt der Nabu-Landesvorsitzende. Perfekt sei eine flache Schale mit täglich frischem Wasser sowie Steinen, leeren Schneckenhäusern oder Moos, auf dem die Insekten landen können.