In der Blase gefangen

Uwe Rauschelbach über den aktuellen Wahlkampf

Von 
Uwe Rauschelbach
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Corona macht alles anders. Das gilt auch für den aktuellen Kommunalwahlkampf, der diesen Namen eigentlich nicht verdient. Denn die üblichen Instrumente der Parteien, mit denen sie um die Gunst ihrer Wählerschaft buhlen, bleiben in diesem Jahr stumpf. Keine Infostände, keine Versammlungen, keine öffentlichen Reden. Unsere Gesellschaft ähnelt allmählich einer Brühe, in der Blasen umeinander kreisen. In einer solchen Blase sind offenbar auch die Wahlkandidaten gefangen. Sie können nicht heraus, ihre Verlautbarungen bleiben stumm und ihre Positionen blass. Zum maskenbewehrten Lokaltermin irgendwo im Freien erscheint lediglich der Pressevertreter. Ansonsten spielt sich dieser „Wahlkampf“ in Video-Konferenzen ab, deren Realitätsbezug ebenso von minderer Qualität ist.

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Der Appell an die Wähler, besser nicht ins Wahllokal zu gehen, sondern die Entscheidung zu Hause zu treffen, steigert den Eindruck des Surrealen eher noch. Dass man in früheren Zeiten begründen musste, warum man per Brief wählen und nicht persönlich im Wahllokal vorstellig werden wollte, unterstreicht die prinzipiell hohe Bedeutung des Urnengangs. Er gilt als aktives Zeichen der Identifikation mit einem demokratischen Recht, das einst auch als Verpflichtung wahrgenommen wurde. Diese Verpflichtung ist nicht einfach ins Belieben zu stellen – sie gilt auch und gerade in Zeiten, in denen der virale Rückzug ins Private mancherorts mit einem Entzug vor Verantwortung einher gehen mag. Doch Corona ist keine Ausrede, am 14. März alle Fünfe gerade sein zu lassen. Eine Demokratie lebt von aktiver Teilhabe – nicht von Blasen, die einander stumm umkreisen.

Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).