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Gesammelte Gutscheine

Von 
Bärbel Jakob
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Ich liebe Gutscheine. Weniger die gekauften, sondern vor allem die selbst gebastelten, die ich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte zu verschiedenen Anlässen, vor allem aber zum Muttertag erhalten habe.

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Und zwar nicht nur ich, sondern wahrscheinlich alle Mütter. Käme manche von ihnen auf die Idee, sie alle auf einmal einzulösen, müssten die Kinder ihren Jahresurlaub dafür nehmen, um die versprochenen Arbeiten zu verrichten.

Ich habe bisher die schnuckeligen Briefchen mit Herzchen, Sonnen und Blümchen auch noch nie eingelöst. Vor allem aus praktischen Erwägungen.

Die Umsetzung des bedrohlichen Gutscheins „Ich koche dir alleine ein Mittagessen“ eines Vierjährigen hätte wahrscheinlich die Komplettrenovierung der Küche nach sich gezogen.

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Dass ich mich darum nicht gerissen habe, mag kinderpsychologisch falsch sein, aber man muss ja auch an sich denken. Auch Gutscheine, die sich in irgendeiner Form mit Wasser befassen, hätten wahrscheinlich Noah mit seiner Arche besorgt vorbeifahren lassen.

Doch das Schöne an diesen Gutscheinen ist, dass sie kein Verfallsdatum haben. Und jetzt ist ihre Zeit gekommen! Beim Aufräumen habe ich nämlich einen erklecklichen Packen in einer Schublade gefunden. Jetzt kommen die ganzen Gutscheine zurück wie ein Bumerang an die Verschenker, die wahrscheinlich längst nicht mehr daran denken, dass diese Dinger überhaupt noch existieren.

Inzwischen können die diversen Essensgutscheine durchaus zum Einsatz kommen. Ich lasse mir die Kochkünste und kulinarischen Vorlieben meines Nachwuchses durch den Kopf gehen. Worauf hätte ich Appetit? Gegrilltes, Vegetarisches, Asiatisches oder leckere Maultaschen?

Zum Nachtisch werden die Gutscheine „Ich räume freiwillig die Spülmaschine ein“ und „Ich spüle für dich“ eingelöst. Beim Nachmittagskaffee habe ich die Auswahl zwischen mehreren selbst gebackenen Kuchen.

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Und auch für das Rahmenprogramm ist gesorgt. Schließlich habe ich Gutscheine für „Ich jäte Unkraut“, „Ich mähe den Rasen“, „Einmal Straßenkehren“ und „Gutschein über eine Autowäsche“. Wobei es auch völlig in Ordnung wäre, wenn derjenige auf eigene Kosten die Familienkutsche durch die Waschstraße fahren würde. Ich bin da nicht kleinlich.

Und was ist das? Ein Gutschein für „Irgendwas“. Oh, auf dieses Schätzchen muss ich wie ein Luchs aufpassen. Nicht dass ich ihn, wie die Dummköpfe mit den drei Wünschen in den Märchen, für irgendetwas Banales verschwende. Der kommt für etwas ganz Besonderes zum Einsatz. Keller aufräumen oder andere Dinge dieser Art zum Beispiel, die bei uns allen besonders „beliebt“ sind.

Ich freue mich jedenfalls auf das nächste Familientreffen. Und das Beste daran ist: Ich habe immer noch zwei Packen Gutscheine in der Hinterhand. Und wenn die auch aufgebraucht sind, male ich mir einfach selbst noch welche, in krakeliger Kinderschrift mit reichlich Herzchen und Blümchen. Das merkt doch bestimmt keiner!

Freie Autorin

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