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Stolpersteine - Rita Althausen bei Verlegung vor dem Haus ihrer Großeltern in der Kaiserstraße dabei

Erinnern an Schrecken der NS-Zeit

Von 
Rosi Israel
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Gunter Demnig (rechts) beim Verlegen der Stolpersteine in der Kaiserstraße. Er erhielt Unterstützung von Hans Gahn (links). © Rosi Israel

Lampertheim. Gunter Demnig greift zur Wasserwaage. Damit kann er die acht Stolpersteine am besten ausrichten. Die finden sich vor dem Wohn- und Geschäftshaus der Familie Hans-Peter Horlé und tragen die Namen der jüdischen Familie Althausen, die unter den Gräueltaten des Nationalsozialismus litt und in Konzentrationslager deportiert wurde. Kurt Max Levi, der in die Familie Althausen eingeheiratet hatte, wurde im Vernichtungslager Lublin-Majdanek von der SS ermordet.

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Auf der Kaiserstraße muss die Verlegung der Steine mit den Messingplatten auf der Oberseite schnell gehen, denn der Ruck-Zuck-Beton ist bereits mit Wasser im Kübel angerührt worden. Eine Hilfestellung erhält der Künstler von Hans Gahn, dem Mitarbeiter der Technischen Betriebsdienste. Mit dem Fertigbeton wird schlussendlich noch gefugt und der Überschuss feucht abgewischt. Behutsam säubern Demnig und Gahn die Stolpersteine, damit sie wieder glänzen und nicht übersehen werden.

Der Künstler hat sich wegen der großen Nachfrage an der Verlegung von Mahnsteinen ein Team geschaffen. „Wir haben bisher rund 80 000 Stolpersteine in 27 europäischen Ländern gelegt“, erklärt Demnig. Trotz erfolgreicher Teamarbeit kommt der Künstler nach Lampertheim persönlich. Das freut auch Bürgermeister Gottfried Störmer. Der Verwaltungschef, der Erste Stadtrat Marius Schmidt und die Vertreter des Magistrats, der Stadtverordnetenversammlung und der Parteien gedenken in einer Schweigeminute der Verfolgung und dem Massenmord jüdischer Bürger durch die Nationalsozialisten und legen weiße Rosen auf den Mahnmalen nieder. Zur Verlegung der Stolpersteine ist auch Rita Althausen, die Vorsitzende der jüdischen Gemeinde in Mannheim, gekommen. Ihre Großeltern waren Jakob und Priwa Althausen, die 1940 aus dem Nazi-Deutschland in das französische Internierungslager Gurs deportiert worden. Sie konnten befreit werden und überlebten. Auch ihr Vater Oskar Althausen wurde von den Nazis nach Gurs gebracht. Ihm gelang die Flucht aus dem Lager nach Spanien und später nach Palästina.

Die Stolpersteine werden vor den Häusern verlegt, in denen die jüdischen Bürger lebten, sagte Bürgermeister Störmer. Das ehemalige Schmuckgeschäft trug die Hausnummer 11. Jetzt ist es die Nummer 19. Die Steine machten die Geschichte greifbar und mit dem Gedenken werde die Erinnerung an die Menschen lebendig, so Störmer.

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In Bezug auf die Bundestagswahl am 26. September sollten sich die Menschen gut überlegen, für wen sie sich entscheiden. Das Leid, das die Nationalsozialisten mit ihren Verbrechen verursachten, sollte man sich vor Augen führen und nicht in diese Richtung bei der Wahl gehen. „Jüdische Menschen sind ein Teil unserer Gesellschaft“, verdeutlichte der Rathauschef.

„Hinter jedem Stein steht ein Schicksal. Die Familie Althausen wurde verfolgt und gequält“, betonte auch der Erste Stadtrat Marius Schmidt. Er erinnert daran, dass die jüdischen Geschäfte ausgeraubt und zerstört wurden. Trotz der Dunkelheit habe es für die Familie aber auch Lichtblicke gegeben. Nämlich Nachbarn, von denen Althausens Zuwendung erhielten. Wie von der Familie Schmerker.

Es liege an jedem Einzelnen, dafür zu sorgen, dass sich die NS-Zeit und ihre Gewaltverbrechen nicht wiederholen, betonte Schmidt. Er dankte zudem Stadtarchivar Hubert Simon für das Zusammentragen der Informationen.

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