Domkirche - Musikalische Abendandacht mit Pianist und Sänger Matthias Karb / Pfarrerin: Nicht bitter werden

Emotionale Songs lassen Augen strahlen

Von 
Rosi Israel
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Lampertheim. Wer die musikalische Abendandacht in der Domkirche mit Pfarrerin Sabine Sauerwein und Musiker Matthias Karb erleben wollte, musste schnell sein und sich rechtzeitig auf der Homepage der Lukasgemeinde eintragen. 70 Personen hatten sich online angemeldet. „Die Andacht ist ein Gewinn“ und „So einen musikalischen Leckerbissen darf man sich nicht entgehen lassen“, waren nur einige Stimmen.

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Die Besucher lauschten den Texten von Pfarrerin Sabine Sauerwein und den Liedern von Matthias Karb, die der Sänger und Pianist sehr emotional vortrug. Mit rauer, maskuliner Stimme, mal zärtlich streichelnd und mal kraftvoll im Ton. Mit dem 19-Uhr-Geläut griff Karb in die Tasten und zog die Zuhörer in seinen Bann. Er interpretierte mit Leidenschaft und Hingabe, setzte Akzente und nahm sich bei den langsamen Werken die nötige Ruhe bei der Gestaltung. Bei den schnellen Passagen fuhren die Rhythmen in die Beine der Andachtsbesucher, so dass ihre Füße wie von alleine zu wippen anfingen. Auch bei der Lukaspfarrerin kam der Drang auf, sich im Takt zu bewegen. Sie hatte anfangs erklärt: „Diese Andacht liegt zwischen den beiden Sonntagen „Jubilate“ – dem dritten Sonntag nach Ostern – und „Kantate“, dem Singesonntag und Sonntag des Lobgesanges.

Neues Gemeindeformat

Matthias Karb bei der Abendandacht in der Domkirche. © Rosi Israel

Die Besucher durften zwar in keinen Lobgesang zu Gottes Ehre einstimmen. Dafür stand Matthias Karbs Musik im Mittelpunkt. Mit seinen Interpretationen zog rock- und popgeprägte Musik in die Lampertheimer Domkirche ein. Anlass ist das neue Format der Gemeinde, mit dem die Pfarrerin an jedem letzten Donnerstag im Monat Kunst- und Kulturschaffende einlädt, bei einer Andacht mitzuwirken.

„Träume sind erwacht“, sang Matthias Karb mit Peter Maffays Lied „Sonne in der Nacht“. „Ich sitze und warte, betrachtet ein Engel mein Schicksal?“, fragte er mit Robbie Williams „Angels“. Begeisterung machte sich auch bei Joe Cockers Version von „Unchain My Heart“ breit. Auch Stings Lied „Englishman In New York“ und „Wish You Were Here“ der britischen Rockband Pink Floyd sind Matthias Karb auf den Leib geschneidert. „Lachen und Weinen halten den Menschen am Leben. Und bewegen ihn auch, nicht aufzugeben. Nicht bitter zu werden. Erfinderisch zu sein“, rezitierte Pfarrerin Sauerwein den Kabarettisten Hanns Dieter Hüsch. Sie dankte dem Sänger und Instrumentalisten Matthias Karb, und die Andachtsbesucher honorierten dessen Beiträge mit stehendem Applaus.

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Es sei nicht so leicht, vor Leuten zu musizieren, die eine Maske tragen. Denn so könne der Musiker nicht die Mimik erkennen. „Aber das Strahlen der Augen ist bestimmt angekommen“, vermutete Sauerwein.