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Rosengarten

Bürgerversammlung zur Entwicklung des „Kaufland“-Geländes

Von 
Uwe Rauschelbach
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Wünschenswertes und Machbares müssen am „Kaufland“-Gelände in Rosengarten gegeneinander abgewogen werden. © Berno Nix

Lampertheim. Was aus dem Gelände nach Abzug des „Kaufland“-Betreibers in Rosengarten werden wird, steht auch nach der Bürgerversammlung am Donnerstagabend in den Sternen. Die Vertreter der Stadtverwaltung und des Projektentwicklers bekamen durch die Bewohner des Stadtteils aber immerhin eine Position vermittelt: Die Ansiedlung von Gewerbe ist für das Areal Auf der Laubwiese unerwünscht.

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Damit bekunden die Rosengärtner gegenüber der Absicht des Investors unmissverständlich Widerstand. Zwar handelt es sich bei dem „Kaufland“-Gelände um eine Fläche im Privateigentum; doch die Stadt kann über baurechtliche Entscheidungen ihren Einfluss auf die Planungen ausüben. Bürgermeister Gottfried Störmer machte vor der Versammlung in der Lampertheimer Hans-Pfeiffer-Halle deutlich, dass derzeit noch eine baurechtliche Grundlage für großflächigen Einzelhandel bestehe. Die Stadt sei aber „nicht festgelegt“, was Alternativen betrifft. Einer gewerblichen Nutzung stehe sie zumindest aufgeschlossen gegenüber, da das Gewerbegebiet an der Wormser Landstraße an Grenzen stoße.

Störmer wies auch auf Dokumente hin, die eine mehrfache Belastung des Geländes durch Altlasten bezeugten, etwa durch eine Ziegelei und eine Ledergerberei. „Wir wissen nicht, was da tatsächlich drin ist“, räumte der Bürgermeister ein. Die Verantwortung für den Umgang mit diesen Altlasten liege aber nicht bei der Stadt, sondern beim Eigentümer der Grundstücke. Auch die Entscheidung über eine Rekultivierung der Fläche trage der Investor. „Glasklar“ sei allenfalls, dass die Stadt qua Parlamentsbeschluss jede Ansiedlung von Logistikunternehmen aufgrund der damit verbundenen Belastungen durch Schwerlastverkehr unterbunden habe. Dies gelte aber nicht für produzierendes Gewerbe oder Handwerksbetriebe.

Zielabweichung für Gewerbe

Stadtplaner Christoph Pagelkopf vom Fachbereich Bauen und Umwelt der Lampertheimer Stadtverwaltung machte deutlich, dass eine gewerbliche Nutzung des Geländes nur über ein Abweichungsverfahren vom Regionalplan realisiert werden könnte. Darüber zu entscheiden hätten die politischen Vertreter in der Regionalversammlung Südhessen. Mögliche Immissions- und Verkehrskonflikte mit dem benachbarten Wohngebiet seien ebenso zu bedenken.

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Die Erschließung des Geländes für eine Wohnbebauung erscheint aus Verwaltungssicht in mehrfacher Hinsicht problematisch, wie Pagelkopf unterstrich. Dabei führte er den Bedarf an landwirtschaftlich genutzten Flächen in einem Umfang von 10,7 Hektar an. Rosengarten würde sich durch ein neues Wohngebiet geradezu „verdoppeln“, wies der Fachdienstleiter auch auf die sozialen Herausforderungen hin, die mit der Integration vieler Neubürger auf den Stadtteil zukäme.

Der Vertreter des Projektentwicklers Scannell, Heiko Richter, sah sich durch die anschließenden Wortmeldungen von Bürgern des Stadtteils mehrfach unter Druck gesetzt. Er betonte deshalb: „Wir möchten hier keinen vor den Kopf stoßen.“ Absicht des Investors sei es, die Einstellungen der Bürger zu berücksichtigen. „Wir sind für alles offen“, so Richter, „und wir sind vor allem ein fairer Partner“. Die bislang vorgestellten Optionen seien lediglich Denkmodelle. Nun müsse sich herausstellen, „was geht und was geht nicht“.

Unter den Bürgern Rosengartens herrschte dennoch Skepsis. Eine Bewohnerin äußerte „Angst, es könnte über unsere Köpfe hinweg entschieden werden“. Eine andere Sprecherin vertrat die Auffassung, die Verwaltung nutze den Hinweis auf mögliche Altlasten als „Totschlagargument“, um eine Entwicklung des Geländes als Wohngebiet zu blockieren. „Wir müssen wissen, was da drin ist“, hieß es.

Scannell-Vertreter Richter bestätigte, die Altlasten seien „Dreh- und Angelpunkt“ im Konzept. Diese seien am wenigsten „beherrschbar“, sollte das Gelände für ein Neubaugebiet erschlossen werden. Die Bewohner sollten deshalb in erster Linie daran interessiert sein, eine „Bauruine“ in ihrem Stadtteil zu verhindern, anstatt unrealistische Erwartungen zu hegen.

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Störmer: Eine Frage des Geldes

Unterdessen wies Bürgermeister Gottfried Störmer auf den Kostenaufwand hin, der mit dem infrastrukturellen Ausbau im Zusammenhang mit der Erschließung eines Wohngebiets einher ginge: „Das Geld muss irgendwo herkommen.“ Gleichwohl distanzierte sich ein Bewohner von dem Begriff der „Satellitensiedlung“ für ein solches Wohngebiet. Er übte auch Kritik an der Priorisierung der Kernstadt durch Verwaltung und Politik. Rosengarten sei aber kein „lästiges Anhängsel“ der Stadt.

Aus Sicht von Ortsvorsteher Oliver Schmitt ist mit der aktuellen Diskussion noch „Zeit für Visionen“ gegeben. Diese müssten sich jedoch alsbald realen Gegebenheiten stellen. Dazu zählte Schmitt die Absicht der Stadt, den Flächenverbrauch zu senken. Diesbezüglich wäre auch die Option einer Renaturierung des „Kaufland“-Geländes zu prüfen.

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Uwe Rauschelbach
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Redaktion Zuständig für Lokales in Lampertheim (Kommunalpolitik, Kultur), Mitarbeit im Kulturressort des Mannheimer Morgen (Musikkritik, CD- und Bücher-Rezensionen).

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