Bildung - Erster Tag im Präsenzunterricht für alle / LGL benötigt mehr als 1000 Selbsttests / Schüler müssen sich von der Kleingruppe wieder an große Klassen gewöhnen

Aufbruchstimmung nach schwerer Zeit

Von 
Kevin Schollmaier
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Für alle Schüler findet der Unterricht zwar mit Maske, aber doch wieder in der Schule und von Angesicht zu Angesicht statt – zumindest bis auf Weiteres. © dpa

Lampertheim. Erst sollten sie die Letzten sein, die zuhause bleiben müssen. Dann die Ersten, die wieder kommen dürfen. Und doch mussten Schüler während der Corona-Pandemie viel erdulden. Ein Großteil verbrachte das vergangene Halbjahr mehr im Wohn- als im Klassenzimmer. Erst vor drei Wochen kehrten die älteren Jahrgänge nach fast sechs Monaten in halber Klassenstärke in den wochenweisen Wechselunterricht zurück. Schulen und Kinder tragen weiterhin eine Hauptlast der Pandemie. Nun kehrten in Lampertheim erstmals wieder alle Schüler zurück in den Präsenzunterricht.

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Über 1000 Selbsttests – so viele hat das Lampertheimer Lessing-Gymnasium am Montagmorgen gebraucht. Damit sind tatsächlich fast alle Jungen und Mädchen im Unterricht, sehen alle Klassenkameraden und Lehrer wieder von Angesicht zu Angesicht. Es fehlen nur noch ganz wenige, die sich nicht testen lassen wollen oder in besonderen gesundheitlichen Situationen leben.

Ungewohnte Situation

Ein bisschen ungewohnt war es für Schulleiterin Silke Weimar-Ekdur schon, am Morgen per Lautsprecher zu all ihren Schülern zu sprechen. Die Durchsagen an sich ist die Rektorin zwar schon gewohnt – praktisch jeden Montag gab es neue Regeln zu verkünden, die Woche drauf dann für den anderen Klassenteil. Die Rückkehr zum „Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen“ ist insofern ein besonderer Moment für die Schulen. Möglich gemacht hat das die kreisweite 7-Tage-Inzidenz, die nun zum fünften Mal infolge den Schwellenwert von 50 unterschritten hatte. Vom „echten Regelbetrieb“ der Vor-Corona-Ära sind die Einrichtungen aber praktisch noch weit entfernt. „Es ist eher ein pandemiekonformer Regelbetrieb mit besonderen Hygienevorschriften“, betonte Weimar-Ekdur im Gespräch. Sie sagte: „Wir machen eigentlich da weiter, wo wir im Sommer zu Schuljahresbeginn angefangen haben.“

Dazwischen lagen für alle Beteiligten – Schüler, Lehrer, Mitarbeiter und Eltern – wechselhafte Monate, die besonders für das Kollegium und die Schüler zur mentalen Zerreißprobe wurden.

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Einige Klassen besonders belastet

„Die lange Zeit hat besonders die Schüler von der siebten Jahrgangsstufe bis zur Oberstufe sehr belastet“, berichtete die Rektorin, „für sie war es nun höchste Zeit, wieder zurückzukommen.“ Auch hinter der Schulleitung liegen keine einfachen Monate. Freie Wochenenden gab es zuletzt selten, das Schuljahr musste mehrfach neu geplant werden. Weil die Änderungen diesmal absehbar waren, hatte sich das LGL schon freitags vorbereitet: Alle Eltern, Schüler und Lehrer informieren, dann abwarten – nach der offiziellen Meldung des Schulamts am Sonntag das gleiche Spiel noch mal.

„Unsere Informationsplattform funktioniert dafür zum Glück perfekt“, sagte Weimar-Ekdur. Der Schule kommt zugute, dass die elektronische Plattform „itslearning“ schon Jahre vor der Pandemie eingeführt wurde – so war die direkte Schülerinformation kein gänzliches Neuland.

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Zuversicht statt Naivität

Immerhin eine Erleichterung hat das LGL: Weil es wegen der Umstellung von G8 und G9 in diesem Jahr mit dem „Null-Jahrgang“ keine Abiturienten gibt, entfällt dessen aufwendige Organisation unter Pandemiebedingungen.

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Zwar herrschte an der Europaschule am Montag eine gewisse Aufbruchsstimmung – von Euphorie war aber noch keine Spur. „Zuversicht ja, Naivität nein“, betonte die Schulleiterin. Lehrer und Schüler hätten schließlich oft genug erlebt, wie fragil das Gebilde sein kann. „Jeder in der Gesellschaft hat dazu beigetragen, dass das nun möglich ist. Die Schüler freuen sich zwar“, sagte sie mit Blick auf den Hof, „sind aber sehr sensibel. Sie wissen, dass es keine absolute Sicherheit gibt – und, dass sie weiterhin vorsichtig sein müssen. Und das sind sie auch.“ Es gelte weiterhin, den Sinn für Abstand beizubehalten, wo es geht.

Für die Schüler heißt der Regelbetrieb, sich nun wieder von Kleingruppen auf den großen Klassenverband umzustellen. „Das hatte natürlich auch seinen Reiz“, betonte Weimar-Ekdur – und sei rein pädagogisch eigentlich sehr wertvoll.