Neckar-Bergstraße - Wie Freiwillige und Kommunen in der Region den Senioren zur Impfung verhelfen / Wartelisten könnten Erleichterung bringen Terminsuche soll kein Glücksspiel sein

Von 
Peter Jaschke
Lesedauer: 

Immer noch beschleicht ältere Menschen, die zur höchsten Corona-Risikogruppe zählen, das Gefühl: Man bekommt einfach keine Impftermine. Nach wie vor erscheint ihnen die Vergabe wie ein Glücksspiel. Zu oft scheitern Versuche, sich über die zentrale Telefonnummer 116 117 anzumelden. Und nicht alle aus der Seniorengruppe der über 80-Jährigen finden Möglichkeiten, über das Internet Termine zu buchen (www.impfterminservice.de). Einer der Gründe: Impfstoff ist knapp. Im Kampf um freie Kapazitäten kommen ehrenamtliche Hilfe und Unterstützung aus Rathäusern wie gerufen.

Isolde Müller (l.) aus Ladenburg mit Stadträtin Gudrun Ruster. © Peter Jaschke
AdUnit urban-intext1

Beispielsweise gibt es das Angebot, Impftermine zu buchen, wie in Ilvesheim. In Ladenburg und Schriesheim lassen sich zusätzlich kostenfreie Fahrten zu einem der vier Impfzentren in Mannheim, Heidelberg und Weinheim anmelden. „Darauf alle 1085 Impfberechtigten über 80 in einem persönlichen Schreiben hinzuweisen, war mir ein großes Anliegen“, teilt Ladenburgs Bürgermeister Stefan Schmutz auf Anfrage mit. „Ich bin froh über dieses Angebot“, sagt etwa Isolde Müller aus der Südstadt.

Der Impfterminservice in den Kommunen ist in den vergangenen ...



Der Impfterminservice in den Kommunen ist in den vergangenen Tagen weiter ausgebaut worden. Neben den Verwaltungen sind auch sehr viele ehrenamtliche Helfer und Organisationen im Einsatz. Ein Überblick:

Edingen-Neckarhausen

Im Sozialamt der Doppelgemeinde ist Marita Kuxmann telefonisch (06203/808 235) erreichbar und vermittelt Unterstützung.

Heddesheim

Wer Hilfe braucht, kann sich unter 06203/10 12 42 bei Gemeindesozialarbeiter Andreas Böhm melden. Die Hilfsinitiative Heddesheim ist erreichbar unter Telefon 06203/673 18 69 oder per WhatsApp an 0163/312 09 89. Neben der Vermittlung einer Fahrt/ Begleitung zum Impfzentrum gibt es hier auch Unterstützung bei der Terminvereinbarung.

Hirschberg

Rathausmitarbeiterin Claudia Werheid steht unter Telefon 0151/23 43 97 69 auch für die Terminfindung zur Verfügung. Dieses Angebot richtet sich an die jeweils berechtigte Risikogruppe. Infos bietet auch die Gemeindeseite im Internet (www.hirschberg-bergstrasse.de).

Ilvesheim

Impf-Berechtigte können sich entweder an die Rufnummer der Ilvesheimer Nachbarschaftshilfe (0621/18 06 56 02) oder an die Gemeinde (0621/49660-103) wenden. Die von der örtlichen SPD koordinierte Hilfe ist „nahezu 24 Stunden an sieben Tagen die Woche erreichbar“ (Torsten Walther) und hat schon zahlreiche Termine organisiert. Es werden auch Taxifahrten sowie Bus- und Bahnverbindungen vermittelt.

Ladenburg

Seit 19. Januar besteht das städtische Angebot, Impfberechtigte bei Terminvergabe und Fahrt zu unterstützen. Zwischen neun und zwölf Uhr ist dafür im Rathaus werktäglich die Rathausnummer 06203/70 168 erreichbar. Unter dieser Nummer können sich weitere Ehrenamtliche zum Fahrdienst melden (Mail: info@ladenburg.de).

Schriesheim

Ehrenamtliche von „Schriesheim hilft“ kümmern sich sowohl um Terminvereinbarung als auch Beförderung. Wer Hilfe benötigt oder anbieten möchte, der wende sich an Stadträtin Lissy Breitenreicher (Handynummer 0170/ 483 99 66; Mail: lissyhilft@online.de) oder an die Stadtverwaltung (06203/602-124, Mail: hilfe@schriesheim.de).

Seckenheim/Friedrichsfeld

Die Stadt Mannheim hat Schreiben an alle Bürgerinnen und Bürger verschickt, die über 80 Jahre alt sind. Die Schreiben sollen denjenigen, die über die Telefonnummer 116117 keinen Termin erhalten haben, die Möglichkeit geben, einen Impftermin zu vereinbaren. Das Schreiben beinhaltet eine spezielle Telefonnummer und eine individualisierte Zugangsnummer. pj

Große Resonanz

Die Resonanz ist groß: Seit dem Startschuss der Aktion wurden insgesamt rund 130 Anrufer registriert und möglichst für jeweils beide Impfungen angemeldet. 45 Fahrten gab es dafür schon.

Die Initiative geht zurück auf Freie-Wähler-Stadträtin Gudrun Ruster: Sie hatte Anfang des Jahres den damals noch heißen Tipp bekommen, dass um Mitternacht herum Impfplätze freigeschaltet wurden und danach für kurze Zeit zu buchen waren. Darum kümmern sich – auf Anregung von Ruster – seit Mitte Januar auch zwei Rathausmitarbeiterinnen zu nächtlicher Stunde, wenn es sein muss.

AdUnit urban-intext2

„Denn keine Stadt hat Sonderrechte oder etwa Extra-Kontingente“,betont Stadtsprecherin Nicole Hoffmann. Inzwischen sollen zumindest für das Mannheimer Impfzentrum auf dem Maimarktgelände kurz nach 17 Uhr neue Termine ins System eingepflegt werden, wie von Impfärzten zu hören ist.

„Auch wenn es inzwischen Wartelisten gibt, die Abhilfe versprechen, halten wir das Angebot auch für die Über-70-Jährigen aufrecht“, schreibt Schmutz, wobei noch kein Zeitpunkt bekannt sei, ab wann diese Gruppe geimpft werden könne. Am Steuer von bislang zwölf privaten Transportfahrzeugen sind neben Ruster weitere Mitglieder des Römerstadt-Gemeinderats sowie Ehrenamtliche im Einsatz. Weitere sind willkommen.

Dankbar für Unterstützung

AdUnit urban-intext3

In der Nachbarstadt Schriesheim sind die Leute ebenso „sehr dankbar für die Hilfe“, sagt Stadträtin Lissy Breitenreicher (Bürgergemeinschaft) als Initiatorin. Ihr Team von „Schriesheim hilft“ habe bisher 42 Termine vereinbart. Doch warteten derzeit „mindestens genauso viele“ noch auf Plätze. „Das gestaltet sich dermaßen schwierig, das gibt’s gar nicht“, kritisiert sie das Vergabesystem. Dabei verwende sie drei Mailkonten. Dennoch bekomme sie kaum Plätze. „Denn nach drei neuen Vermittlungscodes habe ich schon das Anfragelimit erreicht, was uns die Terminvereinbarung erschwert“, erklärt sie. Telefonisch durchzukommen habe sie nach zahllosen vergeblichen Stunden am Hörer „total aufgegeben“.

AdUnit urban-intext4

Erstaunlich ist, dass die Schriesheimer Helfer erst fünf Personen fahren mussten: „Meistens haben die Älteren hilfsbereite Nachbarn, Bekannte und Verwandte, oder fahren selbst“, erklärt Breitenreicher. Wenn sie über 80-Jährige auf das Hilfsangebot zum Impfen anspricht, fallen die Reaktion durchaus unterschiedlich aus: Die Palette reicht von Freude bis hin zu Aussagen wie: „Ich bin im Kopf noch nicht soweit“ und „Jetzt schon impfen? Das ist mir zu früh.“

In Ilvesheim besteht das Hilfsangebot seit Anfang Januar. Bisher riefen rund 150 Personen mit Impfwunsch eine der beiden lokalen Service-Nummern an. „Fast allen konnten wir Erst- und Zweittermin vermitteln“, teilt Torsten Walther von der Nachbarschaftshilfe mit.

Die von der örtlichen SPD koordinierten Helfer vermitteln auch Taxifahrten und die besten Nahverkehrsverbindungen. Laut Walther hat Bürgermeister Andreas Metz die Initiative früh um Unterstützung gebeten und alle 677 Über-80-Jährigen informiert. „Die Rückmeldungen sind positiv und wertschätzend“, zieht Walther Bilanz. Die Ilvesheimerin Waltraud Keller ist jedenfalls begeistert, wie gut alles laufe, sobald man einen Termin habe und lobt, „wie toll die Organisation im Impfzentrum selbst ist“.

Freie Autorenschaft Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.