Ladenburg - Programmchef Christian Steinbach hört bei der Kinderfasnacht von St. Gallus auf / Musikus-Nachfolger gesucht Sogar „Exportschlager“ in Rauenberg

Von 
Peter Jaschke
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Abschied vom St.-Gallus-Kinderfasching (v.r.): Christian Steinbach und Tochter Sophia hören auf. Das Bild von 2016 zeigt außerdem Annika und Charlotte. © Peter Jaschke

Die tollen Tage, die wegen Corona gar nicht so toll waren, sind vorerst vorüber. Doch der Ladenburger Christian Steinbach zieht jetzt dauerhaft einen Schlussstrich: Nach fast zehn Jahren hört er als Musiker und Macher des Bühnenprogramms der beliebten, aber krisenbedingt ausgefallenen Kinderfasnacht von St. Gallus auf. „Ich hätte es dieses Jahr zum Abschied gerne noch einmal gemacht, aber die Geschichte hat es anders gewollt, und jetzt ist es an der Zeit, dass frischer Wind reinkommt“, sagt Steinbach.

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Im Gespräch wird deutlich, wie viel Herzblut in seinem närrischen Engagement für die jüngsten Fasnachter steckt. Aber auch, wie viel Arbeit das gesamte Organisationsteam leistet. „Die Kinder haben immer so viel Spaß dabei gezeigt, dass ich es gerne gemacht habe“, so Steinbach. Inzwischen wird Tochter Sophia, die 2015 mit Veronika und Clarissa Hoffmann erstmals als Chorsängerinnen und Vortänzerinnen auf der Bühne mitgewirkt hatte, bald 14. Steinbach hat Verständnis dafür, dass sie sich aus dieser Rolle herausgewachsen fühlt. Und er ist dankbar: „Wahnsinn, wie alle Mädchen reingewachsen sind und Verantwortung übernommen haben.“ Nun habe Sophia als junge Geigerin der Schriesheimer Musikgruppe „Irish Tunes“ neue, eigene Ziele.

Unter anderem mit „Discosession“, Lichtshow und Nebelmaschine hatte Steinbach seinerzeit neue Elemente eingeführt. „Kannst Du Musik machen?“ Das hatte ihn der Ladenburger Musiker Joachim Junghans 2011 gefragt, als Steinbach beim Saalschmücken half. Das Angebot reizte ihn. Akkordeon und Schlagzeug beherrschte er. Autodidaktisch hatte er sich auch Griffe auf der Gitarre angeeignet.

Seit 2013 gefordert

„Als Grundschullehrer kommt man um das Thema nicht herum: Ich kann Akkorde klampfen“, beschreibt Steinbach, der auch das Gleitschirmfliegen liebt, seine instrumentalen Fähigkeiten.

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Dass er schon so bald darauf alleine segeln würde, hätte Steinbach nicht gedacht: Nach einem gemeinsamen Programm mit dem Vorgänger übernahm der heute an der Mannabergschule in Rauenberg tätige Pädagoge die Stimmungsmusik allein. 2013 stand er mit den tanzenden Mädchen Claudia und Christina Gries, Maria Ibach und Nikola Unland auf der Bühne. Doch im Jahr darauf strich das bisherige Orga-Team die Segel. Steinbach sah sich mangels Helfern überfordert. Der Kinderfasching fiel aus. Der Schock wirkte heilsam: Das Ehepaar Hoffmann und Familie Wolf übernahmen Verantwortung. Stephan Blümmel besorgte die Anlagentechnik.

„Ohne sie alle wäre es nicht gegangen“, sagt Steinbach. Wie als Verkörperung der Wiedergeburt der Veranstaltung erscheint ihm seine frühere Fallschirmlehrerin Susanne Böhme: Nach einem Sportunfall und einer inkompletten Querschnittslähmung wieder auf den Beinen, hatte sie einen Sohn geboren und mit ihm den Kinderfasching in ihrer früheren Heimatstadt besucht.

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Inzwischen ist Steinbachs Programm sogar ein Exportschlager: An seiner Rauenberger Grundschule schlug es 2019 erstmals ein „wie eine Bombe“. So kommt es doch weiter zur Aufführung: „Ich mache mit euch Fasnacht – und wenn es Sommer wird.“ Das hat er seiner Klasse vor dem Lockdown versprochen.

Freie Autorenschaft Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.