Ladenburg - Neue Stelen aus Cortenstahl informieren über Alltag und Werk des Erfinders im historischen Benzpark Schautafeln auf Edelrost lassen Familie Benz aufleben

Von 
Peter Jaschke
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Wir stehen vor der ältesten aus Stein gebauten Garage der Welt in Ladenburg: Unten, im Erdgeschoss, parkte der Autoerfinder Carl Benz einst seinen Lieblingswagen vom Typ „Victoria“, aus eigener Fabrikation, versteht sich. Oben im Studierzimmer tüftelte der Technikpionier an neuen Ideen und Plänen, wenn er nicht mit den Söhnen Karten spielte. War es Zeit zum Essen, blies Bertha Benz – als erste Frau am Steuer längst genauso bekannt wie ihr Mann – aus einem der Fenster der Familienvilla energisch in ein Signalhorn.

Die Tafeln sind über QR-Codes mit der städtischen Audioguide-App vernetzt, wodurch weitere Informationen abrufbar sind. © Peter Jaschke
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Solche Bilder aus längst vergangenen Tagen noch vor dem Ersten Weltkrieg werden im Benzpark nun wieder lebendiger. Denn die neuen Informationstafeln sind da (wir berichteten mehrfach von den Planungen). Sie befinden sich zwischen der ursprünglich als wehrturmartiges Gartenhaus geplanten Garage aus dem Jahr 1910 und großen Bäumen auf der Wiese hinter dem Wohnhaus, das heute die Daimler und Benz-Stiftung beherbergt.

Belebung des Benzparks

Eher selten gelang es bisher, den beim Grünprojekt 2005 umgestalteten Benzpark zu beleben, während die nahegelegene Bury-Skulptur am Neckarufer ebenso gerne besucht wird wie der Wasserturm, der jedoch derzeit eingerüstet ist.

In Regie des Automuseums Dr. Carl Benz und der Stadt fand 2015 ein nostalgisches Parkfest im früheren Garten der Autobauerfamilie statt.

Veranstalter Franz Kain brachte im selben Jahr Comedian Chako Habekost auf die Benzpark-Bühne.

Die beliebten Oldtimer-Picknicks der Motorsportler gelten als weitere Erfolge, nachdem deren früheres Benzpark-Fest nach mehreren Schlechtwetterpleiten in Folge aus wirtschaftlichen Gründen vor Jahren eingestellt worden war.

Inzwischen befindet sich im idyllischen Grün hinter der Benzvilla auch kein Kerwe-Standort mehr, wie bis 2018 jahrelang üblich. pj

Stationen des Lebens und Wirkens

Die Schautafeln lassen Stationen des Lebens und Wirkens der Familie Benz auf Deutsch und Englisch Revue passieren und geben Einblick in ihre Ladenburger Zeit. QR-Codes auf den Schautafeln ermöglichen übers Smartphone eine Verbindung zum städtischen Online-Stadtführer namens Audioguide-App, der weiteres Wissenswertes zum Standort in petto hat. Ladenburg ist damit um eine Sehenswürdigkeit reicher. Oder genauer: Die Stadt hebt eine attraktive Seite hervor, die bislang bei Besuchen oft links liegenblieb.

„Ziel ist es, den historischen Ort stärker ins Bewusstsein zu bringen und einen Bezug zwischen Wohnhaus, Garage und Park herzustellen.“ Dies hatte Rathaussprecherin Nicole Hoffmann vergangenen Juni dieser Redaktion erklärt. Der Gemeinderat bewilligte dafür 35 000 Euro. Die frei stehenden Platten aus Cortenstahl gehen zurück auf eine ehrenamtliche Initiative des Motor-Sport-Clubs (MSC) Dr. Carl Benz. Dieser hatte sich bereiterklärt, eng mit der Stadtverwaltung zusammenzuarbeiten. Sicher ist bald nach den Pfingstferien eine feierliche Eröffnung des kleinen Rundwegs mit insgesamt fünf MSC-Stelen und einer Station des Automuseums Dr. Carl Benz geplant. Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben bereits vor Wochen im Untergrund der Rasennarbe stabile Betonfundamente für den Parcours gesetzt.

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„Es geht darum, den Park aus seinem Dornröschenschlaf zu erwecken“, erklärte MSC-Vorstandsmitglied „Ecki“ Mayer das Vorhaben. Dazu gab es intensive Gespräche mit Bürgermeister Stefan Schmutz bereits Anfang vergangenen Jahres. Beim Oldtimer-Picknick der Classic-Abteilung des 1950 gegründeten Vereins im Mai 2019 waren mit historischen Schwarzweißfotos erste seltene Kostproben zu sehen, die das Publikum begeisterten. „Es gab nur positive Reaktionen“, freute sich Mayer, der für die Auswahl der historischen Fotos Archive durchforstet hatte. Auch für die erläuternden Texte zeichnet der Orchestermusiker und Oldtimerfan verantwortlich.

Touristisches Potenzial

Das Layout entwickelte Mayer zusammen mit Alexander Glowinski, der mit seinem Ladenburger Unternehmen Agus Media Network über das entsprechende Know-how verfügt. Glowinski fertigte die Schautafeln an, die speziell beschichtet sind, so dass es Graffitisprayer schwer haben sollten, Schäden anzurichten. Die Träger aus Edelroststahl hat ein befreundeter Schlosser, der namentlich nicht genannt werden will, bestellt, geschnitten und so behandelt, dass sie optisch geschichtlich wirken.

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Seit 1973 nutzt der MSC die Benzgarage als Vereinsheim. In den vergangenen Jahren fiel den Aktiven um MSC-Chef Klaus Kurz immer öfter auf, dass hier touristisches Potenzial brachliegt. Doch wie in den ersten Tagen bereits zu beobachten war, gelingt es dank der Infostelen, immer mehr Besucher hinunter auf die Wiese an der turmartigen Garage zu locken.

Freier Autor Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.