Ladenburg - Weniger Verkehrsunfälle und Einbrüche in Zeiten von Corona / Mehr Enkeltrick-Anrufe / Oechsler: „Rechnen mit Zunahme häuslicher Gewalt“ Neun Betrugsversuche in 24 Stunden

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Stephanie Kuntermann
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Symbolbild. © dpa

Er rufe vom Amtsgericht aus an, befinde sich in einer Notlage, die mit dem Coronavirus in Zusammenhang stehe und brauche dringend Geld. Diese Geschichte erzählte jetzt ein unbekannter Anrufer einem älteren Menschen in Seckenheim. Sie ist in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Erstens ist sie frei erfunden, zweitens ist sie eine zeitgemäße Variante des bekannten Enkeltricks.

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„Diese Masche ist neu, und auch, dass das Stichwort Corona benutzt wird“, sagt Peter Oechsler: „Dieses Wort sorgt gerade bei Älteren für Ängste und Verunsicherung.“ Der Leiter des Ladenburger Polizeireviers hat in der letzten Zeit eine starke Zunahme dieser Betrügereien festgestellt. Allein in den vergangenen 24 Stunden seien neun Fälle angezeigt worden, sagte Oechsler am Dienstag.: drei in Mannheim-Hochstätt, einer in Heddesheim, zwei in Ladenburg und einer in Edingen-Neckarhausen. Die beiden anderen Fälle seien derzeit noch in Bearbeitung und gingen erst kürzlich ein.

Senioren sind sensibilisiert

Nicht immer geht es dieser Tage um das Virus; auch der Trick mit dem Enkelkind, das sich bei der Großmutter meldet, kam vor. Allerdings sei er ganz schnell aufgeflogen: „Da rief jemand an und sagte ,Hallo, Oma’. Die Geschädigte ist aber kinderlos und hat ganz schnell aufgelegt.“ In allen Fällen ging es gut aus für die Senioren, sie beendeten die Telefonate nach wenigen Sätzen und ließen sich nicht auf Gespräche ein. Oechsler führt das auf Präventionsarbeit und auf zahlreiche Berichte in den Medien zurück: „Die Leute sind mittlerweile sensibilisiert für das Thema.“

Noch immer aktuell ist das Vorgehen der falschen Polizeibeamten. So geschehen in Edingen, wo eine angebliche Polizistin von einem Einbruch in der Nachbarschaft berichtete und der Angerufenen riet, Papiere und Wertgegenstände bereitzuhalten. Auch die Formulierung „Inverwahrungnahme“ sei verwendet worden, berichtet Oechsler von einem amtlichen Tonfall, den die Täter anschlagen: „Die machen das gut und bauen dann richtig Druck auf.“ Oftmals werde dem nachgegeben, auch aus einem gewissen Respekt gegenüber Amtspersonen: „Das nutzen die Täter aus.“ Er ist erleichtert, dass niemand zu Schaden kam, weiß aber auch: „Das ist ein Massengeschäft. Wenn hundert Leute angerufen werden und zehn auf den Trick reinfallen, kann der Schaden noch immer in die Hunderttausende gehen.“

Platzverweise werden schwierig

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Anderswo ist es derzeit aber ruhiger: Wegen der Corona-Pandemie würden weniger Menschen auf die Straßen gehen und weniger Autofahren. Mit dem Ergebnis, dass die Beamten nun deutlich seltener zu Verkehrsunfällen gerufen werden. Auch in puncto Wohnungseinbrüche sei es seit etwa zwei Wochen viel ruhiger: „Die Leute sind eben deutlich mehr daheim, und ein Einbrecher will ungestört sein.“ Das Daheimbleiben hat auch seine Schattenseiten: Schon jetzt bereiten sich die Beamten auf einen Anstieg häuslicher Gewalt vor, wie er in Städten mit Ausgangsbeschränkungen bereits verzeichnet wurde. „Wir haben aktuell noch keine Zunahme, aber wir rechnen damit“, sagt Oechsler.

Wegen des Coronavirus könne man nicht mehr einfach Platzverweise erteilen, schon gar nicht, wenn eine Familie unter Quarantäne stehe und die Wohnung nicht verlassen dürfe. Deshalb werde überlegt, spezielle Wohnungen für diese Fälle vorzuhalten: „Wir sind derzeit mit den Städten und Gemeinden darüber im Gespräch.“