Ladenburg - Sanierung des Wasserturms soll Ende März komplett abgeschlossen sein Ladenburger Wasserturm: Außen und innen fast wie vor 118 Jahren

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Stefan Skolik
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Auch wenn es draußen beißend kalt ist, bei minus sieben Grad ein eisiger Wind weht und das hohe Stahlgerüst den Blick versperrt – man kann heute schon erahnen, dass der Ladenburger Wasserturm nach seiner Sanierung wieder zu einem echten Schmuckstück der Stadt werden wird. Seit rund einem Jahr laufen die Arbeiten nun, Ende März soll die Umhüllung weichen. Dann ist das große Kunststück gelungen: Der Wasserturm ist originalgetreu saniert, der Ursprungszustand von 1903 wieder hergestellt – aber mit den modernen Materialien des 21. Jahrhunderts. „Der Turm sieht aus, wie ein Turm aussieht“, fasst Ladenburgs Bürgermeister Stefan Schmutz die schwierigen Sanierungsarbeiten in einem einfachen Wortspiel zusammen.

Der Ladenburger Wasserturm soll Ende März/Anfang April nach rund zwölf Monaten wieder ohne Baugerüst dastehen. © Marcus Schwetasch
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Mit Gebäudemanager Götz Speyerer präsentiert Schmutz die Sanierungsfortschritte – und Speyerer kann dabei mit beeindruckenden Zahlen aufwarten. So wurden etwa die kompletten Fugen der Außenwand erneuert. Sie waren alle marode, wurden mit einem eigens farblich angepassten Fugenspeis neu gefüllt – Dauer fünf Monate, Fläche 600 Quadratmeter, Gesamt-Fugenlänge neun Kilometer.

Ladenburg Wasserturm bald saniert

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Statik geprüft, Risse beseitigt

Doch nicht nur die Fugen des Ladenburger Wahrzeichens an der Festwiese bröckelten, auch im Inneren des Turms wurde nach den Vorgaben von vor 118 Jahren alles komplett saniert und renoviert, erläutert Speyerer. Der Turm hatte Risse, die Statik musste überprüft werden. „Er ist lange nicht genutzt worden“, stellt Speyerer fest: Rostschäden mussten beseitigt werden, der Estrich wurde komplett neu gegossen – in der Art, wie es damals üblich war. „Auch sollte die Technik erhalten bleiben“, erklärte Speyerer und fügte hinzu: „Wir wollten nicht zuviel machen.“ Denn oberstes Ziel war immer, das originale Erscheinungsbild zu wahren und den Charakter des Baus – auch im Inneren – nicht zu verändern.

Denn: „Der Wasserturm soll als Industrie- und Kulturdenkmal offen für die Bürger sein“, betonte Bürgermeister Schmutz. Zwar sei bei der Konzeption keine Änderung geplant – eine Nutzung für Veranstaltungen ist wegen Brandschutzproblemen und fehlender Fluchtwege ausgeschlossen. Doch soll das Gebäude für interessierte Bürger und Schüler zugänglich sein und sein Originalbild offenbaren.

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„Wir wollen den Leuten weiterhin zeigen, wie ein Wasserturm funktioniert“, sagte Speyerer und verwies auf die vielen Details bei der Sanierung – so etwa Lichtschalter aus schwarzem Bakelit (der erste vollsynthetische Kunststoff), wie sie damals eingebaut wurden. Oder auf die Außenhaut im Kopfbereich, die zum besseren Schutz mit einer Carbon-Kunststoffhülle versehen wurde. Oder sämtliche erhaltenen Rohre und Leitungen – allesamt neu lackiert oder verkleidet. Sogar Nistkästen und entsprechende Öffnungen für Mauersegler, die sich am Wasserturm heimisch fühlen, sind eingeplant.

Schmutz: „Nichts bröckelt“

„Nichts bröckelt, es fällt einem nichts auf den Kopf“, war Schmutz zunächst hochzufrieden, dass das markante Zeichen im Ladenburger Stadtbild nun auf Jahre hinaus in einem technisch und optisch einwandfreien Zustand dasteht. „Ich spüre eine große Dankbarkeit und hoffe auf Vorfreude bei den Bürgern“, sagte Schmutz.

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Ende März soll das Gerüst entfernt werden, vorher stehen noch Arbeiten an der Elektrik an – ein ausgeklügeltes Beleuchtungssystem wird den Turm nachts in Szene setzen. Außerdem steht die neue Eingangstür schon bereit. Nicht zuletzt werden die Außenanlagen noch umgestaltet: Sitzgelegenheiten, vielleicht ein Brunnen, Neupflanzungen von Büschen – all dies soll den Wasserturm verschönern.

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Schmutz hofft nun auf eine Reaktion aus der Bürgerschaft. Sein Wunsch wäre, dass sich vielleicht ein Förderverein gründet, der sich mit der Technik und der Geschichte des Gebäudes beschäftigt und auch Führungen organisiert.

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/ladenburg

Rund ein Jahr dauernde Sanierung geht zu Ende

Im Zuge einer modernen öffentlichen Wasserversorgung baut die Stadt Ladenburg 1903 einen Wasserturm mit einer Höhe von 42 Metern.

Er bietet einen Wasservorrat von 250 Kubikmetern, bedient 400 Hausanschlüsse und 100 Hydranten über eine Hauptleitung von 9000 Metern.

Die Anlage wird bis 1991 betrieben, dann geht das Wasserwerk des Lobdengau-Wassergewinnungsverbands in Betrieb.

2003 kauft ihn der Architekt Karlheinz Erny zum symbolischen Preis von einem Euro von der Stadt, will den Wasserturm sanieren und darin ein Musikmuseum einrichten – das Projekt kommt aber nie zustande.

Zur kleinen Landesgartenschau (Grünprojekt) 2005 rückt der Turm in den Mittelpunkt. Als rot-weißer Leuchtturm wird er zum weithin sichtbaren Markenzeichen.

2019 kauft die Stadt den Turm für 35 000 Euro von Erny zurück, das denkmalgeschützte Wahrzeichen der Stadt an der Festwiese ist inzwischen stark sanierungsbedürftig.

Erny schätzt die Sanierungskosten schon damals auf über 500 000 Euro. Sie dürften inzwischen deutlich höher liegen.

Die Stadt muss für die Sanierung jedoch nichts bezahlen – die Kosten hat ein privater Stifter übernommen, der seinen Namen – noch – nicht nennen will.

Ende März soll die Sanierung beendet sein und das Gerüst entfernt werden – ob die Einweihung des bei den Bürgern beliebten Wasserturms mit einem großen Festakt gefeiert werden kann, ist aufgrund der Pandemielage noch fraglich. sko

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Redaktion Planer Neckar-Bergstraße / Redakteur Ladenburg