Edingen/Ladenburg

Ladenburg: Seit 60 Jahren Priester

Von 
Peter Jaschke
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Als Bruno Bläß am 11. Juni vor 60 Jahren zum katholischen Priester geweiht wird, ist er 29. Sein Leben als Schneider liegt hinter und das des Seelsorgers damals noch vor ihm. „Sicher würde ich immer wieder Pfarrer werden wollen“, sagt Bläß, der an diesem Freitag Diamantenes Priesterjubiläum feiert. Seit 2014 lebt der 89-Jährige bei seiner verwitweten Schwester Roswitha Rannacher, die nach Edingen geheiratet hatte. Sie beide und vier weitere Geschwister wachsen aber in Ladenburg auf.

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Bruno Bläß ist bereits seit 60 Jahren Priester. © Peter Jaschke

Ihr Elternhaus ist das historische Gebäude des Antoniushospitals. Die fromme Schmiedsfamilie kennt eine Zeit lang nur ein Ziel: Der gescheite Bruno soll Theologie studieren können. „Ich bin bis heute dankbar, es ermöglicht bekommen zu haben“, sagt Bläß. Gezeichnete Ladenburg-Motive seines Bruders Albert hängen an der einen Zimmerwand. Vor der anderen steht die Figur des Stadtpatrons Antonius.

Ladenburg immer im Blick

Die Verbundenheit der Geschwister mit der alten Heimatstadt ist groß: Vom Balkon im sechsten Stock der Edinger Hochhauswohnung aus genießen sie den Ausblick – auch auf die St. Gallus-Kirche. Dort hatte Bläß Primiz gefeiert. Er beginnt seine Karriere im heutigen Lobbach. Seine letzte Stelle bekleidet er in Selbach (Gaggenau). Jetzt gratuliert Erzbischof Stephan Burger zum Jubiläum. Was Bläß sonst so von der katholischen Kirche hört, betrübt ihn, vor allem die Missbrauchsfälle. Und er fordert: „Der Pflichtzölibat gehört abgeschafft.

Bläß schreibt es seinem Elternhaus, aber auch dem gläubigen Schneidermeister Knieper als Lehrherr zu, dass er beim damaligen Pfarrer Otto Häußler Latein zu büffeln begonnen hatte. Im katholischen Spätberufenen-Seminar in Freising holt ihn seine Vorgeschichte ein: „Ich musste Hosen bügeln.“ Unbeirrt macht er Abitur und studiert. „Es war aber immer Gaudi bei uns zuhause“, stellt Roswitha Rannacher klar. Sie umsorgt ihren Bruder gern, seit die älteste Schwester Rita, die ebenso handwerklich begabt war, 2001 gestorben ist. Bläß ist zufrieden: „Es geht mir gut, nur das Laufen könnte besser sein.“

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Freier Autor Peter Jaschke ist freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr.