Ladenburg - Marodes evangelisches Gemeindehaus steht nicht länger zur Verfügung / Heizungsanlage defekt Ladenburg: Geflüchtete brauchen neue Wohnungen

Von 
Peter Jaschke
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Das Grundstück mit dem Gebäudekomplex um das evangelische Gemeindehaus in der Realschulstraße. © Peter Jaschke

Die geplanten Veränderungen auf dem Grundstück der evangelischen Kirchengemeinde Ladenburg (wir berichteten) werfen ihre Schatten voraus: Dass die Stadtverwaltung jetzt zwölf Personen notfallmäßig umquartieren musste, zeigt den Handlungsbedarf. Es handelt sich um eine fünfköpfige Familie und sieben Einzelpersonen, die bislang in den Wohnungen im Gebäudekomplex rund um das Gemeindehaus an der Realschulstraße untergebracht waren. Von der ungewöhnlich rasch umgesetzten Maßnahme fühlen sich Helfer des Vereins „Int.akt“ überrumpelt: „Wir hätten dabei geholfen, es sensibler abzuwickeln, wenn wir davon gewusst hätten“, sagt Sprecherin Sabine Weil am Dienstag auf Anfrage.

Ohne warmes Wasser

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„Vom Auszug der Menschen waren auch wir völlig überrascht, allerdings bestand seitens der Stadt dringender Handlungsbedarf“, erklärt Pfarrer David Reichert. Grund: Die seit Jahren marode Heizungsanlage ist erneut ausgefallen. Und das bei Minus-Temperaturen. Diesmal hätte ein Kessel erneuert werden müssen. „Als Gemeinde können und dürfen wir in das bald abgängige Gebäude nicht mehr groß investieren, was der Stadt bekannt war“, erhellt Reichert den Hintergrund.

Wie berichtet, trennt sich der Kirchengemeinderat nach dem Beschluss einer Investorenlösung in absehbarer Zeit von den Gebäuden, um Mieter auf dem eigenen Grundstück zu werden. Reichert weiß, dass die Verwaltung handeln musste. Dennoch sei wegen der mangelnden Kommunikation die Enttäuschung groß gewesen. „Unsere Gemeinde bedauert es, dass das Wohnverhältnis für die Menschen so abrupt beendet werden musste“, nimmt Reichert Stellung.

Die Dringlichkeit verdeutlicht Rathaussprecherin Nicole Hoffmann: „Aufgrund der Außentemperaturen konnten die Räume nur notdürftig mit Elektrostrahlern beheizt werden, warmes Wasser war nicht verfügbar.“ Die evangelische Kirche stelle die Räume seit 2016 kostenlos zur Verfügung, habe aber klar kommuniziert, dass die Option für die Stadt, dort Geflüchtete unterzubringen, im Zuge des anstehenden Neubaus des Gemeindehauses ende. So habe die Verwaltung Anfang vergangener Woche entschieden, kurzfristig Alternativen zu prüfen. „Wir konnten alle Personen in eine adäquate Unterkunft versetzen“, zieht Hoffmann Bilanz.

Runder Tisch zugesagt

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Da sich eine Person mit dem Angebot nicht einverstanden gezeigt habe, sei eine Ausweichunterkunft gefunden worden, damit die Person weiter alleine leben könne. „Es handelt sich um eine erkrankte Person mit entsprechenden Bedürfnissen“, erklärt „Int.akt“-Sprecherin Weil.

Bei allem Verständnis für die Umstände sei zu kritisieren, dass ehrenamtliche Helfer erst vom selbst völlig überraschten Kirchendiakon erfahren hätten, dass Umzugskartons in großer Zahl das Haus verließen. Weil sieht ein „Kommunikationsproblem“. Darauf angesprochen, habe ihr Bürgermeister Stefan Schmutz einen runden Tisch zugesagt. „Die Stadt hat zu wenige und schlechte Unterkünfte“, sagt Weil.

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Inzwischen ruft die Stadt über die Bürger-App dazu auf, freie Wohnungen an die Stadt zu vermieten. Sämtliche verfügbaren Plätze seien belegt. „Wir könnten derzeit keine weiteren geflüchteten Menschen aufnehmen“, sagt Hoffmann. Die durch das Landratsamt 2020 zugewiesenen 25 zusätzlichen Personen habe man noch untergebracht. Zahlen für weitere Aufnahmen in diesem Jahr seien bisher nicht bekannt.

Freier Autor Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.