Neckar-Bergstraße - Landtag verabschiedet Ladenburger SPD-Abgeordneten Gerhard Kleinböck, der zur Neuwahl nicht mehr antritt „Kernig und streitbar“

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Konstantin Groß
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Starker Beifall für einen Kollegen, der stets engagierter Kämpfer für mehr Bildungsgerechtigkeit war: Die Abgeordneten danken Gerhard Kleinböck (Mitte). © Büro Kleinböck

Es ist nicht seine Art. Doch in der Fernsehübertragung ist zu sehen, dass er durchaus emotional bewegt ist. Etwas verlegen erhebt er sich von seinem Platz inmitten seiner Fraktion im Plenum, verbeugt sich, winkt. Mit lang anhaltendem Applaus verabschiedet der Landtag von Baden-Württemberg in seiner letzten regulären Sitzung vor der Neuwahl sein langjähriges Mitglied Gerhard Kleinböck. Zwölf Jahre wirkt der Sozialdemokrat aus Ladenburg in der Landeshauptstadt, nach der Wahl wird er nicht zurückkehren. Der 68-Jährige kandidiert nicht wieder.

Eindrucksvoller Lebensweg

Geboren am 8. September 1952 in Ladenburg als Sohn eines Polizisten.

Ausbildung: Volksschule/Mittlere Reife in Ladenburg, Ausbildung zum Industriekaufmann, 1974 Abitur auf dem zweiten Bildungsweg, Studium der Volkswirtschaft in Heidelberg und der Wirtschaftspädagogik in Mannheim, 1982 Zweites Staatsexamen.

Beruf: Studienrat in Darmstadt, 1995 bis 2016 Schulleiter der kaufmännisch-berufsbildenden Friedrich-List-Schule in Darmstadt.

Politik: 1982-1989 und 2004-2011 sowie erneut seit 2019 Stadtrat in Ladenburg. 1993 SPD-Bürgermeisterkandidat (Niederlage gegen Rolf Reble/CDU). 2001 Landtags-Zweitkandidat für Hans-Georg Junginger, 2009 Landtagsabgeordneter.

Familie: Verheiratet, zwei erwachsene Kinder, drei Enkel. -tin

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Dieser Tag ist angefüllt mit Ereignissen, die den Zusatz „zum letzten Mal“ tragen. Es ist die letzte reguläre Sitzung vor der Wahl. Auf der Tagesordnung steht ein Antrag der AfD zur Bildungspolitik. Für die SPD spricht Gerhard Kleinböck. Und hält mächtig dagegen. Gegen einen Antrag, „der das AfD-Weltbild zeigt“.

Für mehr Bildungsgerechtigkeit

„Bildungspolitik ist Ihnen ein echtes Herzensanliegen“, formuliert denn auch Landtagspräsidentin Muhterem Aras, als sie Kleinböck am Ende der Sitzung offiziell aus dem Landtag verabschiedet: „Und das hat man immer gespürt“, lobt sie. „Seit 2009 kämpfen Sie in diesem Parlament für bessere Bildung und soziale Gerechtigkeit“ – und das „kernig und streitbar“. Das ist natürlich als Kompliment gemeint, doch in der Fernsehübertragung sieht man ein leichtes Zucken in Kleinböcks Gesicht. Es weicht einem innere Bewegung zeigenden Ausdruck, als die Nummer zwei im staatlichen Protokoll von Baden-Württemberg Kleinböcks „Einsatz für unser Land“ würdigt.

Dann applaudiert das Plenum. Auch Timm Kern, der bildungspolitische Sprecher der FDP, der nach Kleinböck spricht, dankt ihm, obgleich Liberale und Sozialdemokraten gerade in der Bildungspolitik nicht viel gemein haben. „Es sind eben Freundschaften über Parteigrenzen entstanden“, betont Kleinböck. Mit einer Ausnahme: die AfD.

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Was von dieser Fraktion kommt und von denen, die sie inzwischen verlassen haben, aber nach wie vor ähnlichen Geistes sind, das ist für Kleinböck wie für jeden Demokraten zuweilen nur schwer zu ertragen. Jüngstes Beispiel: Just am Holocaust-Gedenktag, dem 27. Januar, bezeichnet der aus der AfD ausgetretene Abgeordnete Heinrich Fiechtner den Mund-Nasen-Schutz gegen Corona als den „Hitler-Gruß unserer Tage“. „Der kassiert Ordnungsrufe noch und nöcher, doch er macht einfach weiter“, schüttelt Kleinböck schlicht fassungslos den Kopf.

Dies zumindest bleibt ihm künftig erspart. Abgesehen davon hat er seine Arbeit jedoch „einfach gerne gemacht“, wie er in seiner letzten Rede betont: „Es war für mich immer ein besonderes Erlebnis, für den Wahlkreis und seine Bürgerinnen und Bürger zu arbeiten“, bekennt er.

Bis zum letzten Tag engagiert

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Doch noch ist er ja im Amt, und Kleinböck ist keiner, der es einfach so auströpfeln lässt. Bis zum letzten Tag nimmt er sein Mandat engagiert wahr, aktuell etwa beim Thema Lärm an der A 5, um das er sich stark kümmert. Als Mitglied im Verkehrsausschuss weiß er, worum es geht. Und nutzt die Möglichkeit, den Verkehrsminister, Winfried Hermann von den Grünen, persönlich darauf anzusprechen. Manche Erfahrungen teilt er jedoch mit den Bürgern vor Ort: „Auch ich habe noch keine Antwort auf meinen letzten Brief.“

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Und Wahlkampf? Für ihn selbst ist das ja nicht mehr notwendig, zum Nachfolger als Kandidat, Sebastian Cuny, ist das Verhältnis gespannt; der Generationswechsel verlief eben nicht ohne Reibungen. Doch Kleinböck ist Parteisoldat genug, um das Ganze nicht öffentlich breitzutreten. „Wenn ich gebraucht werde, komme ich“, versichert er. Aber wohin soll er kommen – in Zeiten von Corona?

Weiter in der Kommunalpolitik

Formal ist Kleinböck noch bis nach der Wahl vom 14. März im Amt, bis Anfang Mai. Erst dann konstituiert sich der neue Landtag. Dann wird er auch sein Wahlkreisbüro in der Ladenburger Altstadt auflösen. Sein Sohn Bastian, dem das Haus gehört, will den Platz für seine Familie um diese Räumlichkeiten erweitern.

Auch den Vorsitz des SPD-Ortsvereins Ladenburg gibt Kleinböck ab. „Das habe ich aber schon vor zwei Jahren gesagt, dass ich es nur noch für eine Legislaturperiode mache“, erläutert er. Im April soll ein neuer Vorstand gewählt werden.

Bleibt als letztes Amt das Mandat im Gemeinderat der Römerstadt. Also in der Kommunalpolitik, in der seine politische Laufbahn einst begann. So schließt sich der große Kreis eines erfüllten politischen Lebens.

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