Ladenburg - Drei Veranstaltungen für Ältere Ende Oktober / Senioren-AG wird im kommenden Jahr 25 / Verändertes Bild vom Alter Feiern mit Rock am Stock

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Stephanie Kuntermann
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Claudia Döhner (v.l.), Regina Dietrich und Thomas Pilz planen nicht nur das Filmfestival der Generationen, sondern auch andere Angebote für Senioren. © Kuntermann

Sie hat sich schick zurechtgemacht, posiert im kleinen Schwarzen, die Perlenkette um den Hals, die weißen Haare in feine Locken gedreht. Doch hat das Bild von der alten Frau so gar nichts von Würde und Altersweisheit, wie die Seniorin da steht, die eine Hand zur „Pommesgabel“ erhoben, in der anderen einen Martini balancierend. Die lebenslustige Omi ist das Motiv der Ü-70 Party, zu der die Stadt am Sonntag, 27. Oktober, ab 15 Uhr ins Café Antique einlädt.

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„Rock am Stock“ ist das stimmige Motto einer Party, die von der Stadt organisiert wird, wie Stadtmarketing-Beauftragte Claudia Döhner erklärt: „Bürgermeister Stefan Schmutz hat ein Versprechen aus dem Wahlkampf eingelöst, dass er ein Fest nur für die Älteren organisiert.“ Nun passe das, reihe sich ein in die Veranstaltungswoche, die mit dem Fest abgeschlossen wird: Am 23. und 25. Oktober kann man in der Römerstadt nämlich zwei Beiträge zum Europäischen Filmfestival der Generationen erleben.

Als „Altenring“ gegründet

Initiatoren sind auch hier wieder die Stadt, außerdem die AG Senioren, deren Sprecherin Regina Dietrich und einige Mitstreiter als „Diskutanten“ dabei sind beim ersten Filmbeitrag, dem schwedischen Spielfilm „Britt-Marie war hier.“.

Für die AG ist die Teilnahme am Festival nichts Neues, seit 2014 ist Ladenburg hier mit am Start. Sie feiert im kommenden Jahr, wie Dietrich erklärt, ihr 25-jähriges Bestehen. Nach dem Vorbild der Stadtjugendringe wurde im September 1995 nämlich der „Altenring“ ins Leben gerufen, ein Zusammenschluss aus 13 in der Seniorenarbeit und –betreuung tätigen Einrichtungen und Institutionen, darunter Altenheime, Kirchen, AWO und Volkshochschule (VHS) sowie das Seniorenbüro, das heute von Birgit Haltrich im Rathaus geleitet wird.

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„Bisher werkelte doch jeder irgendwie alleine vor sich hin“, war damals die Begründung von Josef Salinger, der sich für den Zusammenschluss stark machte. Thomas Pilz war ebenfalls mit an Bord; er sagte seinerzeit: „Gemeinsam kann man mit mehr Durchschlagskraft an die Öffentlichkeit treten.“ Ein Satz, den der Diakon der evangelischen Kirchengemeinde noch heute unterschreiben würde.

Gleich zwei Veranstaltungsreihen gingen aus der Kooperation hervor; neben dem Festival gibt es noch die Reihe „Fit im Alter“, die sich aus anfänglichen Seniorengymnastik-Stunden zu einem Unterhaltungsprogramm im Glashaus entwickelte. Daneben beschäftigen sich immer wieder Info-Abende mit der Situation der Älteren vor Ort, unter anderen war auch einmal Franz Müntefering zu Gast.

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Alle zwei Monate bringt die AG ein Flugblatt mit dem Titel „Seniorenangebote in Ladenburg“ heraus, das man im Rathaus, bei der Stadtinformation und anderen Teilnehmern bekommt. Für die Monate September und Oktober enthält es mehr als zwei Seiten: Vorträge, Frühschoppen, Gesprächsrunden, Spaziergänge und Kaffeenachmittage sind aufgelistet, war es doch erklärtes Ziel der AG, das alles terminlich zu koordinieren.

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Ein weiteres Projekt war der Stadtentwicklungsplan, berichtet Dietrich: „Aber der ruht derzeit.“ Und ruht auch wieder nicht, denn Fragen wie Barrierefreiheit oder Mehrgenerationen-Wohnen seien aktueller denn je. Ebenso wie die Suche nach Helfern, ergänzt Pilz: „Wir brauchen Menschen, die bereit sind, sich in ihrer Freizeit zu engagieren.“ Weil der Plan einer Ehrenamtsbörse mangels Resonanz wieder begraben wurde, sucht die AG nach anderen Wegen.

Mit 75 den Führerschein gemacht

Neu ist jetzt auch das AG-Logo, ein Werk von Joachim Junghans, das zwei Wellen in Rot- und Orangetönen zeigt. Es steht für ein neues Selbstverständnis der Älteren. „Wir haben heute neue Altersbilder“, sagt Pilz und meint, dass das Klischee vom gebrechlichen Greis heute nicht mehr passe, in Zeiten, wo die Menschen bis ins hohe Alter verreisen und aktiv seien: „Wir haben die ganze Palette, vom Pflegeheim bis zum Iron Man mit 84 Jahren.“

Was nun wieder zur feiernden Großmutter passt. Dietrich kennt viele Beispiele von Neuanfängen im Alter: Eine Frau machte mit 75 noch den Führerschein, eine Freundin lernte mit 70 Jahren Klarinettespielen, und ein älterer Mann fing an mit Ölmalerei.

Daraus spreche viel Lebenslust, sagt Pilz, der an den Satz einer Seniorin bei der letzten Stadtkonferenz denkt: „Sie sagte ’ich hätte einfach mal wieder Lust, zu tanzen.’“ Was sie ja bald kann: Denn zur Seniorenparty gibt es Livemusik mit der Freddy Wonder-Combo, dazu Kaffee, Kuchen und Cocktails. Wer nicht mehr mobil ist, muss trotzdem nicht aufs Tanzvergnügen verzichten, denn es wird ein Shuttleservice angeboten.