Ladenburg - Zwei Täter sprengen Geldautomat am Cornel-Serr-Platz und entkommen mit Beute / Hubschrauber im Einsatz Explosion am frühen Morgen: „Wir sind zu Tode erschrocken“

Von 
Peter Jaschke
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Der Bankraum im Erdgeschoss eines Mehrfamilienhauses in Ladenburg gleicht nach der Explosion am Samstagmorgen einem Trümmerfeld. © René Priebe

Nicht schon wieder! Das mag mancher im Ladenburger Wohngebiet Weihergärten denken, für den am Samstag gegen vier Uhr am Cornel-Serr-Platz die Nacht abrupt zu Ende ist: „Es hat richtig gerumst: Ich bin fast aus dem Bett geflogen“, berichtet Anwohner Thomas, der seinen vollen Namen nicht in den Medien lesen will. Ihm ist klar, dass das Explosionsgeräusch erneut aus dem Bankraum im Erdgeschoss seines Mehrfamilienwohnhauses gekommen sein muss. Diesmal sind zwei Täter aus ihrer verbrecherischen Sicht erfolgreicher als jener einzelne, dem ein solcher Sprengungsversuch vor fast genau einem Jahr an Ort und Stelle missglückt war. Inzwischen wird bundesweit von einer Welle solcher Fälle gesprochen.

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„Ich habe die Polizei gerufen, mir was angezogen und bin runter“, erzählt Thomas, der von seiner Wohnung aus keinen Blick auf den Bankraum hat. Polizei, Feuerwehr und später auch Technisches Hilfswerk (THW) sind da schon vor Ort. Denn mindestens ein Nachbar, der schon oder noch auf ist, bevor es knallt, hatte die Sicherheitskräfte noch schneller alarmiert. Dieser Anwohner ist einer der ersten, die den Beamten Hinweise geben können: Er habe das Auto mit laufendem Motor stehen sehen und einen Mann hinter dem Brunnen auf dem Platz bemerkt, erzählt man sich.

„Anwohner sahen, wie die Täter in einem Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit über den Hinteren Rindweg flüchteten“, heißt es im Polizeibericht. Einer der Unbekannten sei laut Zeugenaussagen schwarz maskiert gewesen und habe mit dem anderen in einer ausländischen Sprache geredet. Doch die „mit allen verfügbaren Kräften sofort eingeleitete Fahndung“ verläuft ohne Ergebnis. Daran ändert leider auch der Einsatz eines Polizeihubschraubers nichts.

Begünstigt Gaunerglück die Flucht? Gelte doch die Ausgangssperre bis fünf Uhr, und da müsse so ein Fahrzeug auffallen, meint Thomas. Doch sei es ja auch nicht weit zur stärker befahrenen Autobahn. Jedenfalls sitzt der Schrecken tief: Im Umkreis von mehreren hundert Metern sei die Detonation zu hören gewesen, weiß der Anwohner. Seine Frau erhält Nachricht von einer Freundin, die schreibt: „Wir sind zu Tode erschrocken.“ Auch die Freundin und deren Mann hätten „Leute rufen und ein Auto rasant wegfahren“ gehört.

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Die Räuber hinterlassen mit der auf noch ungeklärte Art und Weise erfolgten Explosion ein Bild der Verwüstung: „Da sind alle Scheiben des Bankraums rausgeflogen, und die massive Tür des Geldautomaten lag mehrere Meter weit weg“, schildert Thomas Eindrücke. Was er nicht verstehe: „Warum geht da nicht irgendwo schon ein Alarm los, wenn die Tür aufgebrochen wird?“ Der Raum sei doch nachts bis sechs Uhr zugeschlossen. In der Corona-bedingt abgesagten Eigentümerversammlung habe man nach dem ersten Überfall darüber sprechen wollen, ob der Service besser abgebaut werden solle.

Jetzt ist die Spurensicherung der Kriminalpolizeidirektion Heidelberg am Drücker. Der Sachschaden beläuft sich auf 50 000 Euro. Die Höhe der Beute steht am Sonntag laut Polizei noch nicht fest. Weitere Zeugen, die Hinweise zur Tat oder den Tätern geben können, werden gebeten, sich bei den Beamten der Kripo unter Telefon 0621/174 44 44 zu melden.

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Info: Fotostrecke und Video unter morgenweb.de/ladenburg

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Freie Autorenschaft Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.