Ladenburg - Ferienkurs für Kinder zum "Schnuppern" beim frisch fusionierten Pferdesportverein Bunte Vielfalt des Reitens erkundet

Von
Peter Jaschke
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Kutschentag beim Kinder-Ferienkurs des Pferdesportvereins Heidelberg-Ladenburg: Vor der gemeinsamen Ausfahrt im Zweispänner mit Manfred Birk vermittelt Michael Lehrian anhand von Fahrlehrgeräten und Pferdemodell "Otto" unter anderem, wie die Leine richtig zu halten ist und was es mit Aufschirren und Anspannen auf sich hat.

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"Ich mag Pferde", sagt Kira. Mit dieser Einstellung ist die elfjährige Merian-Realschülerin aus Ladenburg beim Pferdesportverein (PSV) in ihrer Heimatstadt genau an der richtigen Adresse. Beim Ferienkurs "Die bunte Vielfalt unseres Vereins" lernen Kira und elf weitere Kinder fünf Tage lang fast alles kennen, was der kürzlich mit einem früheren Heidelberger Klub verschmolzene Reiterverein der Römerstadt für junge Leute zu bieten hat.

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Wir sind an dem Tag zu Besuch, an dem "Kutsche fahren" auf dem Programm steht. Vor dem Aufschirren und Anspannen gibt's eine gründliche Einführung: An so genannten Fahrlehrgeräten aus Holz zeigt Michael Lehrian, wie man die Leinen richtig hält und so das Pferd dirigiert. An den pferdeähnlichen Holzgestellen, die mit Ekkehard Encke übrigens ein ehemaliger Entwicklungsingenieur von Mercedes-Benz und leidenschaftlicher Kutscher ersonnen hat, lässt sich das Fahren wirklichkeitsnah und effektiv simulieren. Außerdem dient das lebensgroße Pferdemodell "Otto" als vorzügliches Anschauungsobjekt.

Voltigieren näher gebracht

"Das ist schon ein bisschen komplizierter als Reiten", findet Charlotte. Die achtjährige Schriesheimerin nimmt bereits regelmäßig Reitstunden beim PSV. Ausdrücklich ist der jeweils ganztägige PSV-Kurs aber auch für Nichtmitglieder wie Kira und andere Teilnehmer gedacht. "Die Kinder sollen verstehen lernen, was es bedeutet, mit einem Pferd umzugehen", sagt Anne Sielski. Die PSV-Reitlehrerin führt vor und nach dem "Kutschentag" intensiv ins Reiten ein, während Nadja Frank den Teilnehmern einen Tag lang auch noch das Voltigieren näher bringt.

"Gefahren wird nach der Lehre von Benno von Achenbach, der das heute meistgelehrte Fahrsystem begründet hat", erklärt Kutscher Lehrian. So erhalten die Kinder Einblick in Grund- und Gebrauchshaltung der Leine, wie es im Fahrsport heißt. Die meisten Turniere bestehen aus Prüfungen in den Disziplinen Dressur, Geländefahren und Hindernisfahren. Am Ende wissen die kleinen Kutscherinnen und Teilnehmer Viktor auch über diese Sicherheitsregel Bescheid: "Der Fahrer geht als erster auf die Kutsche und als letzter von der Kutsche." Lehrian ist einer von zwei Anlagenwarten und teilt sich außerdem mit Petra Heckele, die seit fast 40 Jahren zu den Ladenburger Reitern gehört, auch das Amt des PSV-Fahrbeauftragten.

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"Wer hilft mit, die nächsten zwei aufschirren?", fragt Frau Heckele beim Praxisteil in die Runde, nachdem ihr Lebensgefährte Manfred Birk mit dem ersten Gespann und drei jungen Fahrschülern schon zur einer ersten Spritztour aufgebrochen ist. Mit ihren Fahrponys Gila, Newry, Dancer und Yucon nehmen Heckele und Birk regelmäßig erfolgreich an national hochklassigen Turnieren teil und belegen derzeit Rang 19 unter 49 Vierspänner-Fahrern auf diesem hohen Niveau.

Ihre Welsh-Mountain-Ponys der Größe B gelten als die "Ferraris" unter den Kleinpferden, weil sie so schnell sind. Zugleich sind die Tiere ebenso gutmütig wie geduldig und damit wie geschaffen für Kinderkurse. "Die genießen es auch, gestreichelt zu werden", weiß Frau Heckele, während sie allen zeigt, wie das Fahrgeschirr am Pferd angelegt wird. "Das ist hier das erste Mal, dass ich bei einem Pferdekurs richtig was lerne", freut sich Teilnehmerin Kira über ihren Zuwachs an Wissen und Erfahrung. Gelegenheit zum "hinein schnuppern" zu geben, ist freilich auch ein Ziel dieses Angebots.