Ilvesheim: Verwaltungsausschuss tagt erstmals online

Von 
Torsten Gertkemper
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Bürgermeister Andreas Metz (l.) im Gespräch mit den Gemeinderäten, rechts ist Hauptamtsleiter Marc Schneider zu sehen, hinten sitzen die Zuschauer. © Torsten Gertkemper

Die Stühle, auf denen sonst die Gemeinderäte Platz nehmen, blieben an diesem Abend leer. Nur Bürgermeister Andreas Metz, Hauptamtsleiter Marc Schneider und fünf Zuschauer hatten sich am Donnerstag im Sitzungssaal des Ilvesheimer Rathauses eingefunden - zweifellos zu einer außergewöhnlichen Sitzung.

  • In der Region gibt es bereits seit mehreren Jahren Helfer-vor-Ort-Systeme (HvO), unter anderem in
  • Schriesheim und Weinheim.
  • Laut Experten haben sie aufgrund ihrer Lage vor Ort einen erheblichen Zeitvorteil gegenüber dem regulären Rettungsdienst.
  • Die Voraussetzungen und Vorgaben für solche Systeme sind im Rettungsdienstgesetz des Landes und in einer speziellen Verordnung des Innenministeriums geregelt.
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Denn der Verwaltungsausschuss des Gemeinderates tagte zum ersten Mal online. Die Gemeinderäte waren von zuhause aus über das Internet zugeschaltet - für die Gäste im Saal sichtbar auf der Leinwand, für den Bürgermeister auf einem großen, im Raum stehenden, Monitor. Auf eine Übertragung ins Internet (die Gäste hätten auf diese Weise von daheim aus dabei sein können) habe man unter anderem aus datenschutz- und rundfunkrechtlichen Gründen verzichtet, so Metz.

Keine Beschlüsse gefällt

Beschlüsse wurden an diesem Abend nicht gefällt. Auf der Tagesordnung stand lediglich ein Punkt, die Information über ein sogenanntes Helfer-vor-Ort-System (HvO), das es in Ilvesheim noch nicht gibt. Dazu hatte die Verwaltung einen sachkundigen Ilvesheimer eingeladen: den Arzt und Notfallmediziner Eric Henn. Bis 2017 saß er für die CDU im Ilvesheimer Gemeinderat. „Da demnächst die Haushaltsberatungen anstehen und dieses System Kosten mit sich bringt, haben wir uns entschieden, bereits jetzt dieses Thema an die Öffentlichkeit zu bringen“, sagte Bürgermeister Andreas Metz. Im folgenden ausführlichen Vortrag erklärte Mediziner Henn, wie ein HvO funktioniert.

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Eine Ergänzung, kein Ersatz

Das System ist als Ergänzung zum regulären Rettungsdienst gedacht. Ziel ist es, innerhalb weniger Minuten vor Ort zu sein, um dem Patienten in einer lebensbedrohlichen Lage schnell helfen zu können - bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes. Aktuell erreichen 90 Prozent der Rettungsfahrzeuge ihr Ilvesheimer Ziel innerhalb von 15 Minuten. „Das ist eine sehr schlechte Wert“, so Henn.

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Wenn der Krankenwagen und Notarzt angekommen sind, übergeben die Helfer den Patienten an die Rettungskräfte. Für ein HvO würden ausgebildete Ilvesheimer Bürger in einer Art Bereitschaftsdienst zur Verfügung stehen. Voraussetzung dafür: Sie müssen bereits Mitglied einer Katastrophenschutzorganisation (zum Beispiel Feuerwehr, Rotes Kreuz oder DLRG) sein. Den Helfern müssen neben einer Zusatzqualifikation auch Ausrüstung und Autos zur Verfügung gestellt werden.

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Experte stellt Rechnung auf

Henn hatte in seinem Vortrag bereits eine Rechnung aufgestellt. Einmalig könnten auf die Gemeinde Kosten zwischen 18 500 und 22 700 Euro zukommen. Zudem würde das HvO jährlich gut 10 000 Euro kosten. Henn betonte, darüber hinaus, dass für das System ausreichend Leute zur Verfügung stehen müssten, die bereit sind, sich zu engagieren: „Meine Prognose für Ilvesheim ist, dass es jeden zweiten Tag einen Einsatz geben könnte.“

Bei den Gemeinderäten stieß die Idee für das HvO auf ein positives Echo. „Das System kann ein Gewinn sein“, sagte Peter Riemensperger (Freie Wähler). Die Kosten sah der Fraktionsvorsitzende als das kleinere Problem. „Die Frage ist viel eher, ob wir Leute dafür finden.“ Auch Grünen-Fraktionschef Michael Haug äußerte sich positiv. „Wenn das der Kostenrahmen ist, befürworten wir das.“ Dagmar Klopsch-Güntner (SPD) und Katharina Kohlbrenner (CDU) befürworteten, dass die Gemeinde wegen eines HvO auf die Rettungsorganisationen zugeht.

Verwaltung braucht den Auftrag

Die Kommune selbst kann ein solches System nicht auf die Beine stellen, dafür braucht es eine Katastrophenschutzorganisation. Wenn der Gemeinderat in einer der kommenden Sitzungen die Verwaltung beauftragt, kann das Rathaus auf die Organisationen zugehen und Möglichkeiten ausloten. Der Vertreter eines möglichen Ansprechpartners war bei der Sitzung bereits dabei: Feuerwehrkommandant Elmar Bourdon. „Eine Antwort auf die Frage, ob und wie die Feuerwehr das stemmen könnte, wäre noch zu früh“, sagte er auf Nachfrage dieser Redaktion.

Redaktion Redaktion Neckar-Bergstraße, zuständig für Ilvesheim und Friedrichsfeld