Hirschberg

Kopps malerische Reise in die Kindheit

Der Großsachsener erinnert sich angesichts der Zerstörungen in der Ukraine an seine Erlebnisse in Mannheim

Von 
Hans-Peter Riethmüller
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Manfred Kopp hat seine Kindheit in Mannheim in Bildern festgehalten. © M. Schilling

Manfred Kopp malt für sein Leben gerne. Er bevorzugt Motive seiner Heimatgemeinde Großsachsen, von seinen Reisen, aber auch aus seiner Geburtsstadt Mannheim. Die Bilder hängen überall an den Wänden in seinem Haus. Ab und an sind sie bei Ausstellungen zu sehen, wie zuletzt im Hirschberger Rathaus.

Angesichts der täglichen Schreckensnachrichten aus der Ukraine überkommen den „Monnemer Bu“ immer wieder beklemmende Gefühle – Kindheitserinnerungen werden wach: „Ich leide mit der Ukraine und bin gerührt. Für mich ist es unvorstellbar, was Menschen anstellen können“, erzählt der 85-Jährige. Der Altgemeinderat und einstige Geschäftsführer bei Schütte-Lanz Holzwerke in Brühl wurde am 16. November 1937 in Mannheim geboren. Er wohnte im Quadrat T1 (in der Nähe des Kaufhauses Kanter, später Kaufhaus Anker) in der Breiten Straße. Beim Fliegerangriff im September 1943 wurde die Wohnung total zerstört. „Zum Glück wurden mein Bruder und meine Mutter nicht verletzt, da wir im Luftschutzkeller saßen“, erinnert sich der Großsachsener. Sein Mannheim lag allerdings in Trümmern. „Genau so sieht es auch in der Ukraine aus“, sagt Kopp zu seiner Frau Inge, als sie sich gemeinsam die Bilder vom Krieg in der Ukraine ansehen. Zur Sicherheit wurde der kleine Kopp 1943 zu seiner Oma ins Frankenland gebracht. Dort erlebte er den Einmarsch der Amerikaner. „Zum ersten Mal sahen wir farbige Soldaten auf den Militärfahrzeugen. Mein Bruder und ich organisierten dank unserer gymnasialen Englischkenntnisse Kaugummi und Blockschokolade.“

Schwimmen im Neckar

1947 kehrte Kopp zurück in die Quadratestadt. In einer „Ruinenwohnung“ fanden die Kopps als Untermieter eine Bleibe. Der heute 85-Jährige erinnert sich noch heute an die Speisung in der Volksschule. 1948 erlernte er das Schwimmen im Neckar. Auch der Fußball begeisterte ihn. 1947 wurde er Mitglied beim VfR Mannheim und jubelte 1949 bei dessen deutscher Meisterschaft: „Einmal saß ich sogar neben dem Fußballfan und Schlagersänger Gerhard Wendland.“ Kopps Trainer hieß Fips Rohr, der Vater von Gernot Rohr, ehemaliger Fußballprofi und Nationaltrainer in Afrika. Von seinem ersten verdienten Geld kaufte sich Kopp ein Rennrad. Gelegentlich unternahm er mit einer Gruppe Radtouren. Unter den Fahrern waren auch Willi und Rudi Altig. Bei den Bahnwettbewerben beim RRC „Endspurt“ Mannheim und auf der Bahn in Dudenhofen war er häufig als Fan dabei und verfolgte die Karriere von Rudi Altig bis zum Weltmeistertitel.

Als einen Höhepunkt seiner Mitgliedschaft bei der Jugendbühne des Nationaltheaters bezeichnete er die Aufführung in der ausgelagerten „Schauburg“ in der Breiten Straße. Damals wurde das Stück „Die Räuber“ in der Fassung des bekannten Regisseurs Erwin Piscator gezeigt. Vielleicht rührt daher auch Kopps spätere Tätigkeit als Regisseur der MGV-Theatergruppe.

Der Wiederaufbau des Nationaltheaters wurde übrigens 1959 abgeschlossen. Kopp fotografierte damals gerne und hielt diesen Wiederaufbau im Bild fest. 1956 fotografierte er sogar den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer. Denn Manfred Kopp war damals genau so wie der Bundespolitiker beim Deutschen Katholikentag in Köln.

Seine Hobbys bereiten ihm seit Jahrzehnten Freude. Der Großsachsener denkt dabei auch an andere Menschen. Bei seiner letzten Ausstellung im Rathaus waren 16 Bilder von ihm zu sehen.

Vier Bilder wurden verkauft, teilt Erster Bürgermeister-Stellvertreter und Freund Karlheinz Treiber mit. Rund 600 Euro kamen zusammen. Der Erlös soll für Lernmittel oder für die Ukraine-Hilfe gespendet werden.

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