Rathaus - Erster Arbeitstag von Sozialdezernentin Stefanie Jansen / 80 Prozent der Verwaltungsmitarbeiter am Heimarbeitsplatz Videobotschaft statt Handschlag

Von 
Michaela Roßner
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Heidelberg. Das Büro wird noch gestrichen und die meisten Mitarbeiter sind daheim im Homeoffice: Unter besonderen Bedingungen hat die neue Heidelberger Sozialdezernentin Stefanie Jansen (53) am Montag im Heidelberger Rathaus ihren Dienst angetreten. Mit einer Videobotschaft stellte sie sich am Nachmittag ihrer Belegschaft vor. Ganz bald, hofft sie, werden persönliche Kontakte möglich sein.

Sozialdezernentin Stefanie Jansen hat ihren Dienst aufgenommen. © Philipp Rothe
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Fast 30 Jahre lang hat Jansen im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises gearbeitet – zuletzt als Sozialdezernentin mit Verantwortung für 540 Mitarbeiter und ein Budget von rund 280 Millionen Euro im Jahr. Nun ist sie – mit Unterstützung der SPD, der sie im Juni 2020 beitrat – die erste Frau auf einem Bürgermeistersessel nach Beate Weber-Schürholz, die von 1990 bis 2006 Oberbürgermeisterin war und ebenfalls der SPD angehört.

Im Urlaub durch Stadt gewandert

„Nahe dran zu sein an der Stadtgesellschaft“, darauf freut sich Jansen als Bürgermeisterin am meisten – und das habe ihr auch Mut gemacht, beruflich noch einmal ein neues Kapitel aufzuschlagen. Dass neben den Bereichen Soziales, Bildung und Familie auch die Chancengleichheit zu ihren Aufgabenbereichen im neu zugeschnittenen Dezernat gehört, findet sie „sehr stimmig“. Gerade Frauen möchte sie ermutigen, die eigene „Komfortzone“ zu verlassen und neue Herausforderungen anzunehmen – so wie sie selbst es vormacht.

Aus ihrer Arbeit im Rhein-Neckar-Kreis habe sie bereits viele Kontakte in die Stadtverwaltung und zu den Sozialträgern. Mit ihrer Tochter in der Weststadt lebend, kennt sie auch Heidelberg längst. „Bislang habe ich die Stadt eher als Bürgerin wahrgenommen, die Wahrnehmung als Bürgermeisterin muss ich mir noch erarbeiten“, sagt sie mit Augenzwinkern.

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Den Urlaub zwischen ihren beiden Verpflichtungen hat Jansen daher schon einmal für „Wanderungen in den Stadtteilen“ genutzt und dabei „einige Unterschiede“ gesehen, erzählt sie in einem gemeinsamen Pressegespräch mit Oberbürgermeister Eckart Würzner am Montag im Rathaus. Mit einem „Sozialraum-Monitoring“ soll dieser Blick in die Quartiere fortgesetzt werden. So könnten „kleinräumige soziale Problemlagen identifiziert“ werden und Gegensteuern ermöglichen, „damit sich alle in ihrem Viertel wohlfühlen“.

Um halb neun die erste Verwaltungskonferenz, danach die Bürgermeister-Runde, bei der es um die Corona-Situation und die finanziellen Auswirkungen für die Stadt ging, danach das Pressegespräch und später Laptop und Diensthandy entgegennehmen: Die neue Dezernentin ist gleich dicht „getaktet“.

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Dass sie viele ihrer Mitarbeiter nicht persönlich begrüßen kann – 80 Prozent der Beschäftigten im Büro sind im Homeoffice – schmerze sie schon, sagt sie bedauernd. Ihr „Plan B“ ist eine Videobotschaft, die das „Hallo, ich bin jetzt da“ auf die Bildschirme daheim überträgt.

Schulleitungen kennenlernen

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Dennoch ersetze nichts das persönliche Gespräch und das Treffen am Arbeitsplatz, weiß Jansen. In den kommenden Wochen möchte sie daher alle Schulleitungen kennenlernen und – sobald die Pandemie es zulässt – auch die Erzieherinnen in den Kindertagesstätten besuchen und bei der Arbeit begleiten. Die Bürgermeisterin als „Praktikantin?“ Dabei erhalte man den besten Eindruck von den Sorgen und Nöten, aber auch den Freuden und Wünschen der Mitarbeiterinnen, versichert die neue Sozialdezernentin.

Schulen möchte sie gerne zu „Lebensorten“ entwickeln, „an denen sich jeder wohlfühlen kann“ und die Aufenthaltsqualität auch draußen im Blick haben. Bei der Kleinkindbetreuung sei die Stadt zwar schon spitze, „aber darauf darf man sich nicht ausruhen“, fordert Jansen „kurze Wege für die kleinen Menschen“.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg