Ausstellung: "Heidelberg im Barock" ab 15. März im Kurpfälzischen Museum Verlust von Pracht und Prunk

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Christel Heybrock

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Sie waren offenbar schon immer ein eigenwilliges Völkchen, die Bürger Heidelbergs. Soll man die Unerschrockenheit bewundern, mit der ein Häuflein Protestanten 1719 dem katholischen Kurfürsten Carl Philipp die Stirn bot - oder soll man ihre mangelnde Weitsicht beklagen? Denn Carl Philipp, dem es nicht gelang, die protestantische Heiliggeistkirche in katholische Dienste zu überführen, zog sich und seinen Hofstaat erbost von der widerborstigen Residenzstadt zurück und gründete 1720 das Mannheimer Schloss. Was wäre aus Heidelberg geworden, wenn er seine umwälzenden Pläne für den Wiederaufbau des zerstörten Schlosses und der Stadt verwirklicht hätte?

Die Ausstellung "Heidelberg im Barock. Der Wiederaufbau der Stadt nach den Zerstörungen von 1689 und 1693" widmet sich diesem Kapitel der Geschichte anhand von über 180 Exponaten im Kurpfälzischen Museum und im Museum für Sakrale Kunst und Liturgie. Wer historisch nicht schon bewandert ist, sollte nach dem Ausstellungsbesuch den Katalog (312 Seiten, Wunderhorn Verlag) studieren, bevor er ein zweites Mal hingeht oder das umfangreiche Rahmenprogramm genießt. Eine Kunstschau mit lauter Herrlichkeiten für die Augen ist hier nämlich nicht entstanden, sondern eher ein Anstoß für eigene Entdeckungen mit Zunftbüchern, Stadtplänen, Grundrissen, historischen Flugblättern und anderen Dokumenten.

Freilich gibt es eine Menge zu sehen, denn auch die Hofkünstler der Kurfürsten und der Einfluss der bildmächtigen Jesuiten nach den Zerstörungen 1689 und 1693 mussten ja dokumentiert werden - aber Zusammenhänge und ihr Fortwirken bis in die Gegenwart erkennbar zu machen, setzt Geduld und Neugier der Besucher voraus. Nachdem die Truppen Ludwigs XIV. in Heidelberg wie die Barbaren gehaust und zuletzt gar das Schloss gesprengt hatten, waren trotz aller Wiederbelebungsversuche Pracht und Prunk einer Residenzstadt für immer vorbei.

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Wiederaufbau und Katholisierung der Bürger Anfang des 18. Jahrhunderts verliefen zögernd, und es gehörte schon zu den Höhepunkten, als Carl Theodor (1724-1799) später das Karlstor und die Alte Brücke errichten ließ. Noch heute basiert die Bebauung Heidelbergs zum großen Teil auf dem mittelalterlichen Grundriss, denn die kurfürstlich befohlene Begradigung der alten Straßenzüge wurde von den Bürgern meist einfach ignoriert. Heidelberg im Barock - das ist eher die Geschichte eines dauerhaften Verlustes statt einer glanzvollen Zukunft.