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Soziales

Tanz als Ausdrucksmöglichkeit

Die Friederike-Lehrnickel-Stiftung will die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen fördern. Mit einer Gründungsfeier im opulenten Spiegelsaal des Palais Prinz Carl wurde dieser Anlass nun festlich begangen.  

Von 
Tanja Capuana-Parisi
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Heidelberg. Tanz und Musik bieten laut Friederike Lehrnickel weit mehr als Unterhaltung und Zerstreuung: „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass Kunst und Musik nicht nur das Leben angenehmer machen, sondern, dass Kultur gar nicht denkbar ist ohne Gestaltungskraft von Kunst und Musik“, sagt sie. Sie befähige den Menschen, sich für das Größere des Individuums zu öffnen und an ihm zu wachsen. Jetzt hat Lehrnickel eine Unterstiftung unter dem Dach der Bürgerstiftung Heidelberg gegründet.

Ziel der Stiftung ist es, die Persönlichkeitsentwicklung junger Menschen durch künstlerischen Ausdruck, besonders durch Tanz und tanzpädagogische Arbeit, zu fördern. Mit einer Gründungsfeier im opulenten Spiegelsaal des Palais Prinz Carl wurde dieser Anlass nun festlich begangen. Ein musikalisches und künstlerisches Programm umrahmte den Abend. Kulturbürgermeister Wolfgang Erichson lobte das Engagement von Friederike Lehrnickel.

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Lehrnickel erzählte den rund 70 Gästen gern, was sie bewogen hat, eine Stiftung ins Leben zu rufen. Inspiriert hat sie nicht zuletzt die Geschichte von Valentin Ostertag, einem Bad Dürkheimer aus bescheidenen Verhältnissen. Er verdankte einer einflussreichen Familie seine Schulbildung. Ostertag studierte Jura in Heidelberg und hatte eine erfolgreiche Karriere. Per Testament verfügte er die Gründung einer Stiftung zugunsten begabter mittelloser Schüler und bedürftige Eheleute.

Hilfe für junge Menschen

  • Die Friederike-Lehrnickel-Stiftung, die im Dezember 2021 als Treuhandstiftung unter dem Dach der Heidelberger Bürgerstiftung gegründet wurde, fördert die Musik- und Tanzerfahrung junger Menschen.
  • Gründerin Friedericke Lehrnickel hat sich ihren Klavierunterricht per Babysitting selbst finanziert. Sie möchte nun auch andere junge Menschen in ihrem Vorhaben unterstützen.
  • Explizit ist in der Satzung auch die musikalische Ausbildung junger Menschen, die einen künstlerischen Beruf anstreben, genannt.
  • Sie legt großen Wert darauf, dass aber nicht nur Menschen aus Heidelberg, sondern auch in Mannheim und im Rhein-Neckar-Raum gefördert werden.

 

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Klassische Musik und Tanz begleiten sie nicht nur bereits ihr ganzes Leben, sondern prägten darüber hinaus auch ihre persönliche Entwicklung. „Schon mit zwölf Jahren war meine Lieblingsschallplatte Mozarts Klavierkonzert d-Moll“, sagt sie. „Ich war und bin noch immer tief beeindruckt davon, wie man seelisches Empfinden durch Musik ausdrücken kann.“ Da die Familie kein Geld hatte, um ihr Klavierstunden zu finanzieren, arbeitete sie als Babysitterin, um den Unterricht selbst zu bezahlen. Später gab sie Nachhilfe, um sich ein eigenes Klavier leisten zu können.

Inspiration bei Berliner Projekt

Fasziniert ist sie davon, wenn Musik in Bewegung umgesetzt wird: Sie besuchte eine Ballettschule. Ihre Ehe blieb kinderlos, und als ihr Mann sehr früh starb, beschloss sie, Geld für eine mögliche Stiftung zur Förderung von musikalischer und ästhetischer Erziehung zurückzulegen. „Dafür, für die Stiftung, habe ich viel gearbeitet und genügsam gelebt“, sagte sie. „Das eine oder andere habe ich mir schon gegönnt.“

Konkret seien ihre Pläne geworden, als sie 2003 von dem Projekt Simon Rattles erfuhr, bei dem er mit Berliner Philharmonikern und dem Choreographen und Tanzpädagogen Ralston Maldoom mit Jugendlichen an einer Brennpunktschule in Berlin zusammenarbeitete. Das Projekt wird auch in dem Film „Rhythm is it“ gezeigt. Lehrnickel sammelte daraufhin Informationen über Stiftungen, erkannte aber, dass sie es allein nicht packt. Über einen Zeitungsartikel erfuhr sie von der Stiftung von Bülent Ceylan für bedürftige Kinder unter einem Stifter-Dach. Eine Unterstiftung war die Lösung für ihr Vorhaben. Und diese sollte in Heidelberg sein, wo Lehrnickel aufgewachsen ist und lange Jahre gelebt hat. Zudem besucht sie dort gern kulturelle Veranstaltungen.

Bei Switgard Feuerstein, der Vorsitzenden der Bürgerstiftung Heidelberg, rannte sie damit offene Türen ein. „Ich habe Friederike in der Bürgerstiftung kennengelernt, in der wir beide Gründungsstifter sind“, sagte sie.

Überraschung am Abend

Eine der Gruppen, die von der Stiftung bereits gefördert wurden, ist „Tanzen inklusiv“ im Jungen Tanztheaters Corinna Clack, und zwar ihr Stück „Sehr geehrte Zukunft“, das im März 2020 Premiere haben sollte. Schließlich wurde es im März 2022 im Zwinger aufgeführt. „Diese Aufführungen, beziehungsweise die Vorbereitungen dazu, wurden von der Friederike-Lehrnickel-Stiftung gefördert“, sagte Feuerstein.

Ein Ensemble zeigte an diesem Abend einen Ausschnitt aus dem Werk. Mit viel Körperbeherrschung und Leidenschaft begeisterten die Tänzerinnen das Publikum. Schließlich hatte Lehrnickel noch eine Überraschung für die Gruppe: Sie erhält weitere 5000 Euro als Unterstützung. Clack freute sich: „Wir sind sehr großzügig gefördert worden.

Freie Autorin Kulturredaktion, Lokalredaktion, Wochenende. Schwerpunkte: Bunte Themen, Reisereportagen, Interviews, Musik (von elektronischer Tanzmusik bis Pop), Comedy und Musicals

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