Bildung - Heidelberg will Grundschüler nach dem Unterricht auf Kosten der Verwaltung betreuen lassen / Kitas erweitern Notbetrieb Stadt geht ihren eigenen Weg

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Simone Jakob
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Wenn die Schule vorbei ist, sollen Kräfte des Vereins „päd-aktiv“ die Lücke füllen. © dpa

Heidelberg. Die Heidelberger Viertklässler durften am Montag zum ersten Mal seit dem Shutdown wieder in die Schule. Wie es jetzt weitergeht, hat Oberbürgermeister Eckart Würzner im Rathaus erläutert. So will die Stadt bei der Betreuung von Grundschulkindern ihren eigenen Weg gehen: „Alles andere kann man den Eltern nicht mehr zumuten. Sie müssen in der Lage sein, ihrem Beruf nachzugehen“, sagt der Stadt-Chef mit einem Seitenhieb auf Stuttgart: „Das Land hat viele Eltern von Viertklässlern in eine untragbare Situation gebracht. Zwei Stunden Schule am Tag sind das Gegenteil von verlässlicher Grundschule.

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Wir springen als Stadt jetzt für das Land in die Bresche und stellen sicher, dass ab kommenden Montag Viertklässler nach dem Unterricht bis 17 Uhr betreut werden können.“ Der Verein „päd-aktiv“, der seit Jahren die Nachmittagsbetreuung organisiert, werde die Lücke füllen: „Die Kinder können in ihren Kleingruppen bleiben und werden nach dem Unterricht von ,päd-aktiv‘-Kräften in ihrem Zimmer weiter betreut“, schildert Würzner den Plan. Er sei sicher, dass der Gemeinderat die nötigen Mittel dafür freigebe. Auch für die bevorstehenden Pfingstferien arbeite man an einer „Perspektive für die Familien“.

Vorgaben „schwer zu vermitteln“

Man wolle zudem versuchen, ein Angebot für jene Kinder zu schaffen, die mit dem Homeschooling nicht so gut zurecht gekommen sind. Anschließend würde auch in Heidelberg das rollierende System starten, bei dem sich die ersten und dritten sowie die zweiten und vierten Klassen wochenweise beim Präsenz-Unterricht abwechseln, um im Sinne des Infektionsschutzgesetzes genügend Räume und Lehrer zu haben.

Was die Kitas angeht, gibt es laut Würzner keine guten Nachrichten: „Ein Regelbetrieb in Kindertagesstätten ist weiterhin verboten – wir dürfen nur die Notbetreuung erweitern.“ Und damit fingen die Schwierigkeiten schon an. Die neuen Vorgaben – die man seit vergangenen Samstag um 17 Uhr kenne – seien sehr komplex. „Ich versuche das den Eltern der 6500 Kinder in den 120 Einrichtungen in der Stadt zu vermitteln, aber das ist nicht in ein bis zwei Sätzen zu machen. Dafür reichen auch 20 Sätze nicht, eigentlich kann man das den Familien überhaupt nicht mehr vermitteln“, wirkt der Stadtchef selbst etwas ratlos.

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Die Krux liege in der differenzierten Auswahl der bevorzugten Kinder. Wie die Leiterin des Kinder- und Jugendamts, Myriam Lasso, berichtet dürfen maximal 50 Prozent der Plätze in einer Kita vergeben werden. Zunächst – und das sei neu – werden Kinder aufgenommen, deren Wohl bei einer Betreuung zuhause gefährdet ist. „Aber das sind nicht sehr viele.“ Vorrang haben auch Kinder mit besonderem Förderbedarf und jene, deren Eltern in der kritischen Infrastruktur arbeiten. Wenn beide Elternteile eine „präsenzpflichtige Tätigkeit außerhalb der Wohnung ausüben“, habe der Nachwuchs ebenfalls ein Anrecht auf einen Platz.

„Neu ist, dass die Träger nun schwerwiegende Gründe festlegen dürfen, die eine Betreuung ebenfalls möglich machen. Wie die Pflege eines Verwandten“, schildert Lasso einen Fall. Erst wenn alle diese bevorzugten Kinder einen Platz haben, seien alle anderen an der Reihe. So gebe es nun mehr Spielraum für die Einrichtungen, die in begründeten Fällen auch Kinder von Eltern im Homeoffice oder Studierenden aufnehmen dürften.

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„Bisher konnten wir diesen Kindern keinen Platz gewähren, jetzt haben wir einen Ermessensspielraum – zum Beispiel kann jemand, der im Homeoffice arbeitet, aber festgelegte virtuelle Anwesenheitszeiten hat, keine Kleinkinder betreuen. Allerdings kann ich Ihnen jetzt schon sagen, dass da nicht viele Plätze übrig bleiben werden“, betont Lasso. Spätestens Anfang nächster Woche sollen alle verteilt sein. Würzner appellierte bei allem Verständnis für die Eltern: „Lassen Sie bitte ihren Frust nicht an den Kita-Leiterinnen aus.“

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