Holocaust-Überlebender - Ephraim Eisenmann erzählt via „Zoom“ dank der israelischen Partnerstadt Rehovot seine Geschichte Spontane Einladung nach Heidelberg

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Michaela Roßner
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Ephraim Eisenmann (76) erzählt aus seinem Wohnzimmer heraus. © Privat

Heidelberg/Rehovot. Der Referent des Abends sitzt daheim im Wohnzimmer in Jerusalem, der Vortrag wird vom 50 Kilometer entfernten Rehovot aus organisiert und die rund 160 Zuhörer lauschen in Heidelberg und anderen Teilen der Welt – und sind doch ganz nah dran: Zum Jahrestag der Befreiung von Auschwitz haben Heidelberg und die Partnerstadt in Israel einen Abend mit dem Holocaust-Überlebenden Ephraim Eisenmann organisiert, den viele sicher nicht so schnell vergessen werden. Die Video-Telefontechnik „Zoom“ machte es möglich.

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4000 Kilometer trennen die beiden Schwesterstädte, und doch wird die Distanz regelmäßig durch Besuche überwunden. Die Pandemie macht das allerdings zur Zeit unmöglich. Umso wertvoller sind Angebote wie „Memories in the Living Room (Erinnerungen im Wohnzimmer)“, betonen die beiden Rathauschefs Rahamim Malul und Eckart Würzner sowie Bürgermeister Yaniv Markowitz.

Ephraim Eisenmann wurde am 1. Mai 1944 in den Niederlanden geboren, während sich seine Eltern unter falschen Identitäten vor den Nationalsozialisten versteckt hielten. Die Familie lebte in Amsterdam. Seine drei älteren Geschwister – zwei Brüder und eine Schwester – wurden während des Krieges bei drei verschiedenen Familien versteckt.

Wie schwer es den Eltern, der jungen Mutter Mitte 20, wohl gefallen sein muss, ihre damals drei bis sechs Jahre alten Kinder Fremden anzuvertrauen – wohl wissend, dass die Familie gemeinsam keine Chance gehabt hätte, unterzutauchen? Eisenmanns Ehefrau Girda schaltet sich ein, blickt ihrem Mann über die Schulter in die Computerkamera, um diesen Aspekt zu unterstreichen – auch als Mutter. Drei Söhne und zehn Enkel gehören heute zur Familie, die 1970 nach Israel auswanderte. Ein großer Teil der weiteren Verwandtschaft wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Eisenmann zeigt traurig, aber ohne Verbitterung ein Schwarzweiß-Foto, das die Familie seiner Großmutter mütterlicherseits zu Beginn des 20. Jahrhunderts abbildet. „Von den zehn Kindern hat nur eines die Shoa (den nationalsozialistischen Völkermord an den Juden, Anmerkung der Redaktion) überlebt“, erklärt Eisenmann.

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Anders als viele jüdische Überlebenende des Holocaust meidet er das Nachkriegsdeutschland nicht, war als Experte für Finanzfragen auf Dienstreisen etwa in Frankfurt. „Wenn ich Menschen der Nazigeneration treffe, fällt es mir manchmal schwer. Bei Jüngeren geht es mir nicht so.“ Heidelberg hat Eisenmann noch nicht kennengelernt. Das kann sich noch ändern: Als Oberbürgermeister Würzner das nämlich hört, spricht er spontan eine Einladung an den Neckar aus.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg