Justiz - Frau wegen versuchten Totschlags vor Gericht / 13-jähriger Sohn des Opfers soll Angeklagte gestoppt haben Prozess um Attacke bei Trinkgelage

Von 
Christoph Rehm
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Heidelberg. Die Stimmung war gut an diesem warmen Spätsommertag im Heidelberger Süden. In einer Wohnung im Stadtteil Rohrbach feierte im vergangenen August eine Partygesellschaft ausgelassen in den Abend hinein. Es wurde getanzt, gelacht und Alkohol getrunken. Offenbar jede Menge Alkohol: Bier, Wodka und Wein. Plötzlich jedoch kippte die Stimmung – und das feuchtfröhliche Beisammensein nahm ein blutiges Ende. Deshalb muss sich die 35-jährige Carmen S. (Name geändert) seit Dienstag wegen versuchten Totschlags vor der Schwurgerichtskammer des Heidelberger Landgerichts verantworten.

Ins Treppenhaus verfolgt

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Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft soll die gelernte Altenpflegerin mit einer Bekannten in Streit geraten sein und diese ins Treppenhaus verfolgt haben. Dort habe sie eine Bierflasche am Geländer zerschmettert und das Opfer mit dem abgebrochenen Flaschenhals attackiert. Laut Aussage des Opfers habe sich ein Nachbar zwischen die Frauen gestellt und sei dabei von Carmen S. an der Hand verletzt worden. Daraufhin war es laut Anklage zu einem Handgemenge gekommen. Die beiden Frauen hätten auf dem Boden gerungen und aufeinander eingeschlagen.

Das private Trinkgelage soll ein blutiges Ende genommen haben. © dpa

Schließlich habe die Angeklagte zu einer Glasscherbe gegriffen. Mit den Worten „Ich töte dich!“ – so die Staatsanwaltschaft – soll sie ihrer Bekannten einen zehn Zentimeter langen und fünf Millimeter tiefen Schnitt nahe der Halsschlagader versetzt haben. Gestoppt worden sei sie erst durch den Sohn des Opfers, so die Anklage. Der damals 13-Jährige sei im Haus gewesen, weil er seiner Mutter ein Asthma-Spray vorbeibringen wollte.

„Als ich gesehen habe, dass meine Mutter am Hals blutet, habe ich eine Glasflasche genommen und sie Carmen über den Kopf geschlagen“, berichtet der Jugendliche, der vor Gericht immer wieder mit den Tränen kämpft. Carmen S. habe anschließend von ihrem Opfer abgelassen, dabei sichtlich geschockt gewirkt und immer wieder „Sorry, sorry“ gesagt, so der Schüler.

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Er selbst habe anschließend die Wunde seiner Mutter mit einem Pullover versorgt und um Hilfe gerufen. Das Opfer wurde anschließend in der Notaufnahme einer Klinik ärztlich versorgt. Lebensgefahr habe jedoch laut Staatsanwaltschaft nicht bestanden.

Die Angeklagte bestritt vor Gericht den Vorwurf des versuchten Totschlags. Laut ihrer Aussage sei es in dem Handgemenge zu einer versehentlichen Verletzung des Opfers durch den eigenen Sohn gekommen. Weshalb die beiden Frauen überhaupt stritten, blieb zunächst unklar. Ein Zeuge berichtet von einer Eifersuchtsszene.

Große Narbe am Hals

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Das Opfer klagt nun über Langzeitschäden: „Ich kann nachts nicht mehr richtig schlafen und habe Essstörungen“, berichtet die 36-Jährige im Zeugenstand. Tatsächlich sind die Folgen des Angriffs auch äußerlich zu erkennen: An ihrem Hals ist eine große Narbe zu sehen, die sie im Alltag meist durch einen Schal bedecke, wie sie erläutert.

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Für den Prozess wurden zunächst vier Verhandlungstage angesetzt, in denen insgesamt 14 Zeugen vernommen werden sollen. Eine Urteilsverkündung wird für Mitte der kommenden Woche erwartet. Bei einem Schuldspruch drohen der Angeklagten bis zu 15 Jahre Haft.