Gemeinderat - In geheimer Wahl Tandem Daniel Adler (32) und Jimmy Kneipp (32) gekürt Nachtbürgermeister gewählt

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Michaela Roßner
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Jimmy Kneipp und Daniel Adler (v.l.) sind nun die ersten Nachtbürgermeister Heidelbergs. Sie agieren als Tandem. © Philipp Rothe

Heidelberg. Daniel Adler und Jimmy Kneipp heißen die beiden ersten Nachtbürgermeister Heidelbergs. Das hat der Heidelberger Gemeinderat am Mittwochabend in geheimer Wahl mit einer Mehrheit von 25 Stimmen entschieden. Die beiden wollen als Tandem agieren und setzten sich nach Vorauswahl einer Findungskommission gegen das zweite Tandem Hannes Diether und Florian Schweikert durch, das 15 Stimmen des Gemeinderats bekam.

Nachtbürgermeister

Das erste Heidelberger Nachtbürgermeister-Team wird bei der städtischen Tochter Heidelberg Marketing GmbH angestellt.

Die Stelle ist zunächst auf ein Jahr befristet.

Die Aufgaben des Tandems: Entwicklung eines Nachtkulturkonzepts und die Vermittlung im Spannungsfeld Anwohnende, Gewerbetreibende, Nachtkulturschaffende und Feiernde.

Zwei Teams waren von einer Findungskommission dem Gemeinderat für die Sitzung am Mittwoch vorgeschlagen worden: Daniel Adler und Jimmy Kneipp sowie Hannes Diether und Herrn Florian Schweikert. Beide wollten als Tandems agieren.

15 Bewerbungen waren in dieser zweiten Bewerbungsrunde eingegangen – darunter zwei Frauen. Eine erste Runde war aus formalen Gründen abgebrochen worden. miro

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Daniel Adler und Jimmy Sebastian Kneipp sind beide 32 Jahre alt. Sie arbeiten als Unternehmensberater beziehungsweise Gastronom und leben schon lange in der Stadt. „Wir bringen beide ein unglaublich breites Feld an Kompetenzen mit“, sagte Kneipp in der jeweils zehnminütigen Vorstellung. Die Parteienvertreter tagten in der Neuen Universität, während wenige Zuschauer und einige Pressevertreter im neuen Sitzungssaal des Rathauses per Videoübertragung die Wahl verfolgten.

Kampagne für Kneipengänger

„Mich treibt das Gemeinwohl an“, verwies der Rohrbacher Gastronom, der mit dem berühmten Pfarrer Sebastian Kneipp verwandt ist, auf die Initiative ,Fandango hilft‘. Rund 300 Mal seien etwa Risikopatienten beim Einkauf unterstützt worden. Seine Vorstellung für die Altstadt: Mit einer kreativen Kampagne „emotionale, witzige Botschaften“ verbreiten, um gegenseitiges Verständnis von Kneipengängern und Anwohnern zu erzeugen.

„Für Kneipengänger muss es cool werden, sich als Gast an die Spielregeln zu halten, weil man so seinem Lieblingswirt hilft“, sagte Kneipp. Adler, der sich zum ersten Mal als Nachtbürgermeister beworben hat, leitet zwei Internetportale und hat zwei Stadtmagazine gegründet. Vor zwei Jahren schob er eine Petition gegen Verlängerung der Sperrzeiten an.

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Auch er hat viele Ideen, wie das Nachleben nach der überstandenen Pandemie wiederbelebt werden könnte: Etwa mit Pop-up-Clubs, die vorübergehend in leerstehenden Immobilien eingerichtet werden könnten. Auch bei der Stadtentwicklung würde er sich einbringen, damit frühzeitig das Club- und Nachtleben mit eingeplant werden kann. „Wir möchten als Schnittstelle dienen, die effizient handelt“, sagte Adler. „Komplett parteiunabhängig“ möchte dieses Team sein und endlich alte Spannungsfelder wie die Lärmdiskussion lösen.

„Wir müssen erst einmal wieder auf eine Gesprächsebene kommen“, war sich Adler bewusst, dass das nicht einfach wird. „Wir sollten die Zeit nutzen, bis das neue Lärmgutachten da ist“, warb Kneipp für das frühzeitige Erarbeiten von Konzepten.

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Auch das zweite Tandem hatte schon sehr konkrete Ideen ausgearbeitet, die die Club- und Kneipenszene in ihrer Vielfalt gestärkt, aber auch Anwohnern geholfen werden kann: Hannes Diether (36) und Florian Schweikert (32) leben seit 2007 beziehungsweise 2011 in der Stadt. Während Diether unter anderem den Coworking Space „Fensterplatz“ betreibt, arbeitet Schweikert in der Organisation des Metropolink-Festivals.

Kommunikation auf Bierdeckel

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Diether stellte die von dem Tandem konzipierte „Was geht Heidelberg“-Kampagne auf Bierdeckeln mit Wegbeschreibungen zu Taxiständen und Bushaltestellen vor. Ziel sei, Akteure zu vernetzen und ohne erhobenen Zeigefinger zu informieren. Gedacht war ferner an einheitliche T-Shirts in der Altstadt, die auch die Security-Mitarbeiter tragen – das Logo „Was geht Heidelberg“ auf dem Rücken.

„Den Gästen muss klarwerden: „Wenn sie sich in einer Kneipe daneben benehmen, haben sie auch in den anderen Kneipen keine Chance mehr“, sagte Schweikert. Er warb für Online-Sprechstunden in der Pandemiezeit, die die Clubszene wieder stark machen soll. Heidelbergerinnen wünschten sich mehr Clubleben und Livemusikspielstätten, möchte Diether eine Verknüpfung mit der Künstlerszene. Die „tiefen Gräben“ in der Altstadt wollte das Tandem durch Zugehen auf die Altstadtbewohner beseitigen. „Wir möchten das Vertrauen zurückgewinnen“, sagte Diether.

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Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg