Kinderpornografie nimmt zu

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miro
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Rund 45 700 neue Verfahren: Die Heidelberger Staatsanwaltschaft hat im vergangenen Jahr eine Rekordzahl an Ermittlungen aufgenommen. In den vergangenen 20 Jahren habe es nur einmal mehr neue Verfahren gegeben (2018), bilanziert der Behördenleiter, der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Herrgen, im Gespräch mit dieser Redaktion.

Gestiegen sind unter anderem Fälle von Kinderpornografie: 3000 Ermittlungen mehr als im Jahr davor haben die Anklagebehörde 2022 beschäftigt. Den Anstieg dieser Kriminalitätsform führen die Ermittler vor allem darauf zurück, dass das Verbreiten solcher Bilder und Videos technisch durch Internet und Handydienste deutlich erleichtert wird. Die Staatsanwaltschaft Heidelberg ist zuständig für Heidelberg sowie weite Teile des Rhein-Neckar-Kreises – insgesamt für 479 000 Bewohner. Mit rechnerisch rund 30 Stellen kümmern sich Staatsanwältinnen und ihre Kollegen um Kapitalverbrechen, Todesermittlungen und Anzeigen genauso wie zum Teil um Ordnungswidrigkeiten – wenn nämlich die Beschuldigten gegen Entscheidungen vorgehen.

Dezernat für Hasskriminalität

Neu ist, mit einer halben Personalstelle ausgestattet, das Dezernat für Hasskriminalität. Ob Beleidigung oder üble Nachrede – in diesem Bereich geht es vor allem um schädigende Einträge in sozialen Netzwerken. Allerdings sei das Aufkommen an solchen Verfahren bislang noch deutlich unter den Erwartungen geblieben, bilanziert Herrgen. Das liege vor allem daran, dass die Anbieter solcher Seiten trotz der gesetzlichen Möglichkeit wider Erwarten seltener solche Verstöße von sich aus melden.

2562 Stunden haben die Anklagevertreter im vergangenen Jahr in Hauptverhandlungen im Gerichtssaal verbracht. Weitere 427 Stunden kamen von Referendaren hinzu – die allerdings ausschließlich vor Einzelrichtern am Amtsgericht. Mit ihrer Arbeit sorgt die Justiz auch dafür, dass gemeinnützige Projekte vor allem im Bereich der Kriminalprävention mit Geld ausgestattet werden: So sind im vergangenen Jahr Geldauflagen von insgesamt 449 870 Euro erteilt worden. miro