Pandemie - Stadt muss Maßgaben vom Land einhalten / Einzelhändler trotzen der Situation mit pfiffigen Ideen Keine Lockerung in Sicht

Von 
Michaela Roßner
Lesedauer: 
Die Heidelberger Hauptstraße ist trotz Lockdown recht belebt: Dieses Bild entstand am Sonntagnachmittag. © Philipp Rothe

Heidelberg. Fünf Neuinfektionen, 107 aktive Fälle und eine Sieben-Tage-Inzidenz von 45,2 am Dienstag: Seit einigen Tagen entwickelt sich die Pandemie in Heidelberg positiv. Am Freitag lag der Inzidenz-Wert zum ersten Mal wieder unter 50. Der tägliche Bericht des Kreisgesundheitsamtes weckt Hoffnung auf Lockerungen der strengen Auflagen. Doch mindestens bis Mitte Februar wird es noch keine wesentlichen Öffnungen geben. Der Grund: Der Ball liegt beim Land.

Pandemie Keine Lockerungen in Sicht

Veröffentlicht
Von
Philipp Rothe
Bilder in Galerie
13
Mehr erfahren
AdUnit urban-intext1

Ob Maskenpflicht in der Hauptstraße und auf vielbesuchten Plätzen, die Ausgangssperre ab 20 Uhr oder die Wiedereröffnung der Einzelhandelsgeschäfte: „Bei den angesprochenen Punkten gibt es überall Landesvorgaben und keinen kommunalen Handlungsspielraum“, bestätigt Stadtsprecher Timm Herre.

Recyclinghöfe geöffnet

Möglichkeiten gebe es hingegen bei städtischen Einrichtungen – „und den nutzen wir auch“, betont der Sprecher. So seien die Recyclinghöfe wieder mehr geöffnet: Kirchheim (Oftersheimer Weg) und Wieblingen (Mittelgewannweg 2a) lassen drei beziehungsweise fünf Pkw gleichzeitig einfahren – aber nur mit einer Person im Wagen. Anlieferungen von auswärts werden nicht angenommen. Die meisten anderen städtischen Einrichtungen, wie das Theater, das Kurpfälzische Museum oder die Stadtbücherei, bleiben mindestens bis 14. Februar geschlossen. Wobei die Bibliothek Bücher nach Vorbestellung zum Abholen bereitlegt.

Überblick: Coronavirus - so viele Fälle sind in der Metropolregion Rhein-Neckar bekannt
Dossier Corona: Hintergründe, Infografiken, Berichte zur Entwicklung der Pandemie in Mannheim, Heidelberg, Ludwigshafen und der Metropolregion
Nichts verpassen: Verschärfter Lockdown, Impfungen, milliardenschwere Wirtschaftshilfen – alle Entwicklungen zum Coronavirus: Jetzt 30 Tage gratis E-Paper und Morgenweb lesen

AdUnit urban-intext2

Und was ist mit Kitas und Kindergärten? Bei einem Pressetermin Ende Januar hatte sich Stadtchef Eckart Würzner prinzipiell positiv zur baldigen Öffnung gestellt – wenn die Infektionszahlen das erlauben. Allerdings formulierte er da bereits Vorbehalte mit Blick auf die Coronavirus-Mutanten. Und die sind nun überall in der Metropolregion aufgetaucht.

Trotz weitgehend geschlossener Geschäfte macht die Innenstadt zumindest tagsüber einen belebten Eindruck. Die Optiker haben zu tun. Hinter den Schaufenstern der Bekleidungsfilialen hängen Wintermäntel. Vor einem Feinkostladen steht eine Frau in weißer Schürze und macht einen ratlosen Eindruck. Aus einer mit Papier verklebten Eisdiele kommen Bohr- und Klopfgeräusche. Möglicherweise wird der Lockdown zum Aufmöbeln genutzt. An jeder dritten Tür etwa hängt ein Computerausdruck mit einer Telefonnummer und dem Verweis auf die Möglichkeit, Waren zu bestellen und geliefert zu bekommen. Aber wird das genutzt? Noch nicht einmal die Imbisse scheinen viel Kundschaft zu haben.

AdUnit urban-intext3

Coronavirus in Mannheim - Grafiken zu Fällen, Verlauf und 7-Tage-Inzidenz

AdUnit urban-intext4

Die Passanten tragen durchweg Mund-Nasen-Schutz. Die verschärfte Maskenpflicht – im ÖPNV oder der Deutschen Bahn etwa müssen FFP2 oder medizinische Masken getragen werden – ist erst am 25. Januar bundesweit verschärft worden. Bürger mit geringem Einkommen erhalten in Heidelberg nun ein Startpaket mit 20 medizinischen Masken umsonst. „Ich begrüße die verschärfte Maskenpflicht, da sie einen wichtigen Beitrag zur Eindämmung der Coronavirus-Pandemie leisten soll. Es kann aber nicht sein, dass Menschen, die Sozialhilfe beziehen oder nur ein geringes Einkommen haben, nun auf ihren Einkauf oder den Arztbesuch verzichten müssen, weil sie sich die Masken nicht leisten können“, begründet Würzner die Initiative. Heidelberg-Pass-Besitzer können sich die Schutzausrüstung in den Bürgerämtern abholen. 3800 Heidelberg-Pässe für Erwachsene und 2800 für Kinder sind im Jahr 2020 ausgestellt worden.

Pflegeheime fast durchgeimpft

52 Menschen sind seit Beginn der Pandemie in Heidelberg im Zusammenhang mit einer Covid-19-Infektion gestorben. Etwa die Hälfte der Toten gab es in Pflegeeinrichtungen. Bis Ende der Woche sollen nun alle Heidelberger Senioren- und Pflegeheime Besuch von einem mobilen Impfteam gehabt haben, teilt die Stadt am Wochenanfang mit. In elf Heimen in Heidelberg sind bereits 1400 Personen geimpft worden.

Die mobilen Impfteams werden aus dem von der Stadt betriebenen Kreisimpfzentrum im Pfaffengrunder Gesellschaftshaus gesteuert. Die Impfbereitschaft bei den Bewohnern liege bei rund 90 Prozent. Beim Personal seien es dagegen oft deutlich weniger Menschen, die die Immunisierung spritzen lassen möchten, heißt es von der Stadt.

Mehr zum Thema

Corona Sinkende Zahlen ein anhaltender Trend

Veröffentlicht
Von
Steffen Mack
Mehr erfahren

Einzelhandel „Wir brauchen konkrete Daten“

Veröffentlicht
Von
Christian Schall
Mehr erfahren

Kommentar Geschäfte in der Pandemie: Klarheit für den Handel

Veröffentlicht
Von
Christian Schall
Mehr erfahren

Aktuelle Zahlen Coronavirus aktuell: Fallzahlen auf der Metropolregion Rhein-Neckar und dem Main-Tauber-Kreis

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Link Karte und Grafiken - so viele Fälle sind in der Region bekannt

Mehr erfahren

Service Täglicher Themen-Newsletter "Coronavirus"

Veröffentlicht
Mehr erfahren

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg

Thema : Coronavirus

  • Pandemie Gärtnereien, Gartenmärkte und Blumenläden dürfen ab 1. März öffnen

    Baden-Württemberg will ab nächsten Monat einige Geschäfte wieder öffnen. Ministerpräsident Winfried Kretschmann kann sich auch vorstellen, dass sich wieder zwei Haushalte privat treffen dürfen.

    Mehr erfahren
  • Baden-Württemberg Erzieher und Lehrerinnen können sich ab sofort impfen lassen

    Es sollte für Kita-Beschäftigte und Lehrer eine frohe Botschaft sein: Baden-Württemberg macht für sie eine Impfung gegen das Coronavirus ab sofort möglich - früher als gedacht. Doch dann ruckelt es am Anfang - mal wieder.

    Mehr erfahren
  • Corona-Maßnahmen im Überblick Die neuen Bund-Länder-Beschlüsse vom 10. Februar

    Bund und Länder sehen in deutlich gesunkenen Ansteckungsraten viel erreicht im Kampf gegen Corona - aber noch keinen Anlass für Entwarnung. Denn neue Mutanten breiten sich aus. Die neuen Beschlüsse im Detail.

    Mehr erfahren