Wirtschaft - Heidelberger Uni-Institut koordiniert europaweiten Wettbewerb und möchte soziale Unternehmen unterstützen „Grüner Mehrwert“ gefragt

Von 
Michaela Roßner
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Nachhaltigkeit spielt bei sozialen Unternehmen eine große Rolle. © istock

Heidelberg. Gesucht werden jetzt Zebras. Keine echten Tiere – aber sehr lebendige Ideen. Auf Einhörner hingegen sollte man als Firmengründer nicht mehr aus sein; die eine geniale Idee, die ein Milliardenimperium verspricht, tritt für junge Ökonomen in den Hintergrund.

Interdisziplinäre Forschungsstelle

  • Gorgi Krlevhat an der Universität Oxford (Kellogg College) promoviert und arbeitet am Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen (CSI) der Universität Heidelberg.
  • Seine Forschung bezieht sich auf Innovationen, Entrepreneurship und Finanzen, die einen sozialen oder ökologischen Mehrwert für die Gesellschaft schaffen.
  • Das von ihm herausgegebene Buch „Social Innovation – Comparative Perspectives“ wurde von der Academy of Management, der weltweit größten Vereinigung in der Managementforschung, ausgezeichnet. Eines der Projekte, die er am CSI leitet, ist „Finance4SocialChange“.
  • Das Centrum für Soziale Investitionen und Innovationen (CSI) arbeitet als Forschungsstelle des Max-Weber-Instituts für Soziologie an der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität Heidelberg.
  • Es versteht sich als interdisziplinäres und praxisorientiertes Forschungs-, Bildungs- und Informationszentrum.
  • Der Link zum Pitch-Wettbewerb für soziale Unternehmensgründungen: https://air-mooc.teachable.com.
  • Einen Überblick gibt das Video auf Youtube
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Ein Heidelberger Uni-Institut arbeitet an einem europaweiten Wettbewerb, um speziell soziale Unternehmen in ihrer Startphase zu unterstützen. „Finance 4 Social Change (übersetzt etwa: Finanzierung des sozialen Wandels)“ heißt das Projekt. Es geht um Nachhaltigkeit und Fairness sowie letztlich um ein anderes Wertesystem. „Zebras“ richten ihren Geschäftsplan viel stärker auf das Gemeinwohl und die Umwelt aus, erklärt Projektleiter Gorgi Krlev am Centre for Social Investment (CSI), einem Institut der Heidelberger Universität. Der promovierte BWLer erforscht das Themenfeld Innovationen, Entrepreneurship und Finanzen, die einen sozialen oder grünen Mehrwert mitbringen.

Zebras sind eben Herdentiere. Das seltene und Reichtum versprechende Einhorn hingegen gilt als kaum zu greifendes Luxusgeschöpf. Von ihm zu träumen, gehörte lange zur Hauptmotivation der „Garagengründer“ nach dem Vorbild von Bill Gates. Bis Ende des Jahres läuft der europaweite Wettbewerb, bei dem junge soziale Unternehmen unter anderem 10 000 Euro gewinnen können, aber auch vom Netzwerk und Wissen der internationalen Partner profitieren. Wie könnten solche Unternehmensideen mit Mehrwert speziell während der Corona-Pandemie aussehen? Eine Corona-Tracing-App nennt der Wissenschaftler als Beispiel, ein Mini-Handyprogramm, das die Benutzer warnt, wenn Infizierte in seiner Nähe waren. „Oder Lernplattformen, die den Unterricht daheim besser organisieren“, ergänzt der Projektleiter.

Krlev koordiniert dabei nicht nur Baden-Württemberg und Bayern, sondern „sein“ Gebiet reicht bis zum Schwarzen Meer. All das läuft unter dem Begriff „Donauregion“ in dem Projekt. Sein Institut, das CSI, ist mit Stiftungsgeldern als Zentralinstitut vor zehn Jahren gegründet worden und gilt heute als eines der größten interdisziplinären Zentren auf dem Non-Profit-Gebiet.

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Mit der Wirtschaftsförderung Mannheims ist auch ein kommunaler Partner nahestehend. Soziologen und Volkswirtschaftler analysieren gemeinsam mit Historikern das ökonomische Geschehen. Zwischen 15 und 20 Mitarbeiter hat das CSI, das im Altklinikum in Bergheim seine Adresse besitzt – aber wegen der Sanierung gerade in der Voßstraße ausgegliedert ist. Seit drei Jahren besitzt es eine selbstständige Institutsform. Zweimal im Jahr organisiert das CSI eine Vortragsreihe mit dem Titel „Heidelberger Stiftungsgespräche“. Ursprünglich stünde nun auch alles im Zeichen der Vorbereitung auf den „European Social Economy Summit“: Den Kongress am 26./27. November 2020 im Mannheimer Rosengarten hätten bis zu 1500 internationalen Teilnehmende besucht. Wegen der Corona-Pandemie ist er nun auf Mai 2021 verschoben worden.

Mülleinsparung wird bewertet

Als Plattform verstehen sich die Wissenschaftler, die Forschung wird ohne finanzielles Profitinteresse betrieben. Seit mehr als zehn Jahren bietet es einen eigenen Studiengang zum „Master of Nonprofit Management and Governance“ an. Gut zwei Millionen Euro stehen für die europaweite Initiative „Finance 4 Social Change“ bereit. „14 Partner in elf Ländern arbeiten drei Jahre daran“, erklärt Krlev.

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Ein Expertenteam wird prüfen, welche Projektkandidaten am Ende gefördert werden. „Die Wettbewerber müssen glaubhaft machen, dass ihre Geschäftsidee einen Mehrwert für alle hat.“ Wie viel Müll wird beispielsweise eingespart durch die Neuerung? Auch diese Frage wird die Jury auf ihrem Bewertungsbogen haben. In vier regionalen Wettbewerben soll die Auswahl getroffen werden. „Wir wollen Unternehmensgründungen mit sozialem Hintergrund aus ihrer Nische heraushelfen und in verschiedenen Bereichen in Netzwerken unterstützen“, fasst Krlev zusammen.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg