Justiz - 39-Jähriger aus Oftersheim muss sich wegen versuchten Mordes verantworten / Hintergrund sollen Drogengeschäfte sein Fleischhammer und Messer als Tatwaffen

Von 
Miro
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Heidelberg. An jenem Mittwochmittag im September 2020 steht lange ein Polizeihubschrauber über dem Heidelberger Süden in der Luft. Gefahndet wird nach einem Mann, der im Stadtteil Rohrbach einen anderen in dessen Wohnung schwer verletzt haben soll. Gut eine Woche später wird der mutmaßliche Täter festgenommen. Seit Montag muss er sich nun vor dem Heidelberger Landgericht verantworten – unter anderem wegen versuchten Mordes und schwerer Körperverletzung. Hintergrund des Überfalls sollen Drogengeschäfte sein.

Die Gewalttat ereignete sich im Stadtteil Rohrbach. © Philipp Rothe
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„Ich bin gerade vom Einkaufen zurückgekommen und habe das Auto ausgeladen. Direkt vor meinem Küchenfenster hielt ein Taxi“, erinnert sich eine Nachbarin, die als Zeugin vor der Schwurgerichtskammer aussagt. „Ein dunkel gekleideter Mann mit einer ins Gesicht gezogener Kapuze stieg aus und lief mit sehr schnellem Schritt ins Haus gegenüber.“ Sein Gesicht habe sie nicht sehen können. „Dann hörte ich Schreie im Garten des Hauses gegenüber.“ Als die Frau hinläuft, sieht sie den Nachbarn. Er liegt auf der Wiese und schreit um Hilfe. „Ihm lief viel Blut vom Kopf über den Hals und hatte auch Blut an den Händen“, hat die junge Frau noch genau die verstörenden Bilder vor Augen.

Oberstaatsanwalt Florian Pistor geht davon aus, dass es der einschlägig wegen Drogendelikten und Körperverletzungen vorbestrafte Angeklagte war, der mit einem Fleischhammer aus Metall und einem Klappmesser bewaffnet am Tatort im beschaulichen „Kühlen Grund“ auftauchte. Mit einem Hammerschlag auf den Hinterkopf und mehreren Stichen in Hals und Kinn habe er seinen Kontrahenten verletzt. Die Wunden seien inzwischen gut verheilt, und er spüre keine Folgen der Tat mehr, berichtet das Opfer einsilbig, das ebenfalls mit Fußfesseln und in Begleitung von Justizangestellten den Gerichtssaal betritt. Mit einem Fingergriff in die Augen des Angreifers soll er sich befreit haben.

„Der Geschädigte ist noch vor dem Angeklagten in Untersuchungshaft gekommen“, verweist der Vorsitzende Richter Jochen Herkle darauf, dass bei der Durchsuchung der Souterrainwohnung zwei Pistolen, 2,3 Kilogramm Marihuana und 25 000 Euro in bar gefunden wurde. Vor einem Monat ist der Hartz-4-Empfänger wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz verurteilt worden. Der Verteidiger hat die Entscheidung angefochten; sie ist noch nicht rechtskräftig.

Angeklagter und Opfer schweigen

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Es sieht alles nach einem Indizienprozess aus, der das Gericht noch mindestens zwei Verhandlungstage beschäftigen wird. Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen. In der ersten Vernehmung bei der Polizei soll er formuliert haben „Ganz so war es nicht – mehr möchte ich dazu aber nicht sagen.“ Und das mutmaßliche Opfer möchte offenbar ebenfalls nichts zur Wahrheitsfindung beitragen – möglicherweise, um sich nicht selbst zu belasten.

Als der schwarz gekleidete Mann an jenem Mittwochmittag Richtung Rohrbach Mitte rennt, soll er vorher noch die beiden Tatwaffen und einen Geldschein eingesteckt haben, in der linken Hand hält er einen Klarsichtbeutel mit weißem Pulverinhalt. „Es sah aus wie Mehl“, beschreibt eine Zeugin.