Brauchtum - Einstündiges Video ab Donnerstag, 11. Februar, um 11.11 Uhr im Internet freigeschaltet Fasnacht als Film-Premiere

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Michaela Roßner
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„Perkeo“ Thomas Barth (r.) mit HKK-Vorsitzendem Wolfgang Heindl (l.) auf einem Prunkwagen 2019: In diesem Jahr ist alles anders. © Philipp Rothe

Heidelberg. Keine Prunksitzungen, kein Rathaussturm, kein Ball und kein Fasnachtsumzug: Wenn am „Schmutzigen“ Donnerstag“ eigentlich die heiße Phase des Karnevals beginnt, müssen die Fasnachter auf Abstand bleiben. Wenigstens ein kleines „Gutsel“ hält das Heidelberger Karneval Komitees (HKK) bereit: Um 11.11 Uhr geht am 11. Februar ein rund einstündiges Video online, das die sechs Fasnachtsvereine mit dem Dachverband organisiert haben.

Online-Sitzung

Wegen der Corona-Pandemie sind alle Veranstaltungen des Heidelberger Karneval Komitees (HKK) in der Kampagne 2020/21 abgesagt.

Zum Ausgleich gibt es am „Schmutzigen Donnerstag“, 11. Februar 2021, um 11.11 Uhr eine Online-Sitzung aller Heidelberger Fasnachtsvereine.

Der digitale Sitzungssaal öffnet sich auf der Internetseite des Heidelberger Karneval Komitees: www.hkk1952.de.

Das Heidelberger Karneval Komitee ist 1952 unter dem Vorsitz von Werner J. Braun gegründet und im November 2005 im Vereinsregister eingetragen worden.

Sechs Brauchtumsvereine gehören aktuell dem HKK fest an. miro

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Von Büttenrede bis Tanzmariechen sei in dem Video alles dabei, verspricht HKK-Vorsitzender Wolfgang Heindl. Zwei Tage sei am vorvergangenen Wochenende in der Bürgerbegegnungsstätte Ziegelhausen-Peterstal gedreht worden – mit straffem Zeit- und Hygieneplan: „Es durften sich ja nicht mehrere Personen treffen.“ Nun werde das Material professionell geschnitten.

Seit Januar laufen Vorbereitungen

„Wir hatten zwei Wochen Vorlauf für die Produktion“, beschreibt Schriftführer Joe Schwarz die Herausforderung. Kurz vor Weihnachten hatte der Heidelberger Gemeinderat 25 000 Euro für die pandemiegeplagten Karnevalisten freigegeben. Im Januar begannen die Vorbereitungen für das Video. „Die finanzielle Unterstützung hat uns die Möglichkeit gegeben, die Heidelberger Fasnacht ordentlich zu präsentieren“, ist Schwarz stolz auf das Ergebnis. Großen Respekt hat er davor, was die rund zwei Dutzend Akteure an Programm „aus dem Hut“ gezaubert haben. Denn normalerweise bereiten sich Garden und Funkenmariechen das ganze Jahr auf die fünfte Jahreszeit vor. Um das Finale, den großen Auftritt, werden sie in diesem Jahr gebracht – der Film soll ein kleiner Ausgleich dafür sein.

Auch wenn Heidelberg nicht unbedingt als Faschingshochburg bekannt ist, hat das närrische Brauchtum doch lange Tradition: 1848 hat die „Narrhalla Karnevalsgesellschaft“ den ersten Umzug organisiert. Und traditionell ist der Dienstag vor Aschermittwoch in der Unistadt der „Karnevals-Feiertag“. Der Umzug, der sich im Stadtteil Bergheim formiert und durch die Hauptstraße bis zum Rathaus in der Altstadt schlängelt, zieht jedes Jahr bis zu 100 000 Zuschauer aus der ganzen Region an. Bei strömendem Regen und sich anbahnender Pandemie kamen am 25. Februar 2020 immerhin noch 50 000 Gäste, um den Motivwagen und Fußgruppen zujubelten. Im Oktober wurde die Großveranstaltung abgesagt; die Kampagne selbst war bereits im Frühjahr abgeblasen worden.

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Rund 1000 Aktive gibt es in den Heidelberger Fasnachtsvereinen, schätzt Heindl. Ob Tanztraining, Getränkeausschank und Verpflegung auf den Veranstaltungen, Auf- und Abbau oder Fahrdienste: Das Brauchtum lebt vom Ehrenamt, weiß der HKK-Vorsitzende. Auch das soll die Online-Fasnacht leisten: Die Mitglieder bei der Stange halten. „Wir Fasnachter sind positive Menschen“, schiebt er hinterher, „wir sind sehr zuversichtlich, dass es im nächsten Jahr wieder Fasnacht gibt und haben schon mit den Vorbereitungen begonnen.“

Nicht „Ahoi“, nicht „Helau“ und auch nicht „Alaaf“ lautet übrigens der Schlachtruf der Heidelberger Fastnacht – sondern „Hajo“. Pfiffigerweise ist er vor dem Hintergrund der Gefährdung durch das Coronavirus in diesem Jahr in „die Heidelberger Hajo-Regeln“ ergänzt worden: „Hände waschen, Alltagsmasken tragen, Jederzeit Abstand halten und Ordentlich lüften“ werden die vier Buchstaben mit Hygieneregeln unterfüttert bei einer von der Stadt organisierten Plakat-Aktion. In einem einzigen Heidelberger Stadtteil übrigens wird nicht „Hajo“, sondern – wie in Mannheim – „Ahoi“ gerufen: in Ziegelhausen. „Ein Kurpfälzer Schlachtruf“, erklärt Heindl.

Gefühlt mehr Stress

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„Perkeo“ Thomas Barth, der in der gleichnamigen Karnevalsgesellschaft seit 22 Jahren in die Rolle des kleinwüchsigen kurpfälzischen Hofnarren schlüpft, hat gleich sieben Auftritte in der Online-Fasnacht des HKK: Er führt mit einer Geschichte durchs Programm. Seine Videos hat er aber nicht nicht in Ziegelhausen produziert, sie wurden aus dem eigenen Studio dazugeschnitten.

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Barth berichtet in diesem besonderen Jahr sogar von gefühlt gar „mehr Stress“ als normal: Er absolviert zusätzlich Dreharbeiten und Proben für die Fernseh-Fasnacht von RNF und SWR. Dreharbeiten seien anstrengender als Auftritte, „weil keine Rückmeldung vom Publikum kommt“. Und was macht Barth am nun traurigen Fasnachtsdienstag? „Ich laufe von der Bergheimer in die Hauptstraße“, setzt er zu einem Scherz an, „nein. Ich werde arbeiten. Wir haben im Betrieb viel zu tun“, wird er sofort wieder ernst.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg