Politik - Pläne für Ankunftszentrum auf Eppelheimer Gemarkung sorgen für Kritik / Bürgermeisterin Rebmann bedauert Veröffentlichung „Es ist ungünstig gelaufen“

Von 
Miray Caliskan
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Bietet sich nördlich von Patrick-Henry-Village eine Alternative zu den „Wolfsgärten“ an: Gegenüber der Wild-Werke, jenseits der A 5, besitzt Eppelheim ein Areal. © bjz

Eppelheim/Heidelberg. In der Eppelheimer Kommunalpolitik herrscht Unruhe. Bürgermeisterin Patricia Rebmanns Vorschlag, ein neues Ankunftszentrum für geflüchtete Menschen auf einer Fläche östlich der Autobahn 5 erbauen zu lassen (wir berichteten), stößt auf Kritik – seitens der Stadträte und der Bevölkerung. „Ich finde es unglücklich, dass wir nicht vorab informiert wurden“, sagt Grünen-Chefin Christa Balling-Gündling. Das Areal auf der Gemarkung von Eppelheim gehöre zu den „besten Böden“ der Stadt und sei eine wichtige „Frischluftschneise“. Der Standort verfüge über keine Infrastruktur – vor allem gebe es keinen Anschluss an den öffentlichen Personennahverkehr. „Wie sollen die Menschen nach Heidelberg kommen, muss ein Busverkehr nach Eppelheim eingerichtet werden?“ All die Fürs und Widers müssten nun diskutiert werden – voraussichtlich in einer Sitzung Mitte September.

Flüchtlinge in Heidelberg

  • Aktuell bringt das Land rund 1000 Flüchtlinge in der ehemaligen US-Siedlung Patrick Henry Village in Heidelberg unter. Das Ankunftszentrum soll verlegt werden, weil hier ein neuer Stadtteil entstehen soll.
  • Der Gemeinderat hatte im Februar das Alternativgelände „Wolfsgärten“ tendenziell abgelehnt.
  • Der von Rebmann vorgeschlagene Standort wird nun vom Innenministerium geprüft. Die Fläche gehört zu Eppelheim, ist aber durch die A 5 vom Stadtgebiet abgetrennt. (miro/mica)
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Ähnlich sieht es Bernd Binsch von der Eppelheimer Liste. „Von Rebmann sind zu wenige Infos geflossen.“ Auch er hält den Standort für fragwürdig und bezweifelt, dass das Projekt im Gemeinderat eine Mehrheit erzielt. Sollte es doch so kommen, sollen Bürger per Entscheid mitbestimmen, wünscht sich der Fraktionsvorsitzende.

Die SPD sieht es gelassener. „Die Landesregierung war und ist auf der Suche nach einem Standort für ein Ankunftszentrum. Dieser neue Ideenansatz muss nun reichlich diskutiert werden“, sagt Alexander Pfisterer. Das könne Wochen, Monate, gar Jahre dauern, so der stellvertretende SPD-Fraktionsvorsitzende. Dem Kernthema „Wohnungsmarkt“ stehe er allerdings sehr positiv gegenüber. „Ich finde es klasse, dass das Patrick Henry Village für den Wohnungsbau genutzt werden soll.“ Der neue Stadtteil soll Raum für bis zu 15 000 Menschen schaffen. „Die Gebäude sind in einem guten Zustand und ein wertvolles Volksgut.“

Unausgereifter Plan

Dass Innenministerium zieht zwar die Pläne für das neue Ankunftszentrum in Betracht, wohl allerdings, ohne mit Patricia Rebmann offiziell darüber gesprochen zu haben. Laut CDU-Stadtrat Volker Wiegand habe sich das Ministerium bei der Bürgermeisterin entschuldigt – für die Veröffentlichung eines Plans, der noch vollkommen unausgereift sei. Die CDU habe die Äußerungen zwar zur Kenntnis genommen, will sich aber nicht positionieren. „Über ungelegte Eier kann ich noch keine Aussagen treffen“, so Wiegand. Patricia Rebmann distanziert sich indes von den aktuellen Stellungnahmen. „Das Ganze ist ungünstig gelaufen“, sagt sie. „Die Informationen hätten nicht in der Öffentlichkeit landen dürfen. Und jetzt geht es nur noch den Gemeinderat etwas an.“

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Und wie steht die Bevölkerung zu diesem umstrittenen Thema? Eine Seniorengruppe, die in einem Café in der Nähe des Eppelheimer Wasserturms sitzt, kritisiert Rebmanns Verhalten. „Der Gemeinderat ist dafür da, damit mit ihm gesprochen wird“, sagt eine Frau, die nicht namentlich genannt werden möchte. Ein anderer Passant befürchtet sogar, dass die Kriminalität durch die Flüchtlingsankunft in Eppelheim wachsen werde. Eine ältere Bewohnerin sieht es anders: „Ich finde, Frau Rebmann hat damit Mut bewiesen. Eppelheim nimmt mit dem Vorschlag eine Vorbildrolle ein.“

Von dem Zentrum wäre vor allem der Pfaffengrund, ein Stadtteil im Westen von Heidelberg, betroffen. Und dessen Stadtteilsvereinsvorsitzender Heinz Schmitt findet Rebmanns Vorstoß „ganz schön unverschämt“. Für ihn gehe es nicht darum, dass die Menschen eine geeignete Unterkunft brauchen – dass sei einfach Tatsache. „Ich wehre mich dagegen, dass diese auf unserer Seite von der A 5 entstehen soll.“ Eine wichtige Grünfläche würde dadurch verloren gehen. „Die Pläne für das Stadion wurden damals auch abgelehnt. Und jetzt ist alles wieder möglich?“ Das mache für ihn keinen Sinn. Er appelliere an die Politiker, vorhandene Gebäude zu überprüfen – oder sich für eine geeignetere Stelle zu entscheiden. Denn Platz gebe es genug – nur nicht im Pfaffengrund.

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