Justiz - Am Todestag des reichen Witwers fährt Bekannte mit seinem Porsche weg / Ein Jahr Haft zur Bewährung plus Geldstrafe Diebstahl statt Geschenk

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Michaela Roßner
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(Symbolbild) © dpa

Heidelberg. Der vermögende Witwer ist erst ein paar Stunden tot, da soll eine 46 Jahre jüngere Bekannte mit seinem Porsche davongefahren sein. Als ihre Wohnung ein paar Tage später von der Polizei durchsucht wird, finden die Ermittler zudem eine rund 15 000 Euro teure Uhr, die auf dem Krankenbett-Nachttisch vermisst wird. Wegen Diebstahls und Unterschlagung ist die ehemals Vertraute am Dienstag vom Heidelberger Amtsgericht zu einer Haftstrafe von einem Jahr sowie 3000 Euro Geldstrafe verurteilt worden. Die Strafe ist drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig . Der Sportwagen und die Luxusuhr gehören nun den Erben.

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Adrett gekleidet und frisiert sitzt die 46-Jährige neben ihrer Verteidigerin auf der Anklagebank. Ausführlich erzählt sie, wie sie den pensionierten Mediziner gut ein Vierteljahr vor dessen Tod bei einer Veranstaltung im Golfclub kennenlernt und eine „gute Freundin“ wird. „Er hat überlegt, Pelzmäntel seiner Frau zu verkaufen und mich gebeten, sie mir anzusehen“, beschreibt die Modeexpertin die sich zunächst geschäftlich anbahnende Beziehung, die sich nach und nach vertieft: „Wir waren mehrmals essen und wollten zusammen in den Urlaub fahren.“

Luxuswagen stinkt nach Hund

Als sich der Gesundheitszustand des Heidelbergers stetig verschlechtert und er mehrere Klinikaufenthalte absolviert, habe sie sich intensiv um ihm gekümmert. Damit sie ihn gut besuchen könne, habe er ihr einen Wagen zur Verfügung gestellt. Doch diesen Luxuswagen – ebenfalls ein Porsche – habe sie ihm wenig später wieder vor die Tür gestellt. „Er stank ganz fürchterlich nach seinem alten Hund.“ „Er hat uns mehrfach erzählt, dass er sehr wütend über sie war, weil sie unbedingt den anderen Sportwagen haben wollte“, berichtet eine Verwandte im Zeugenstand. „Doch das war das Heiligtum seiner verstorbenen Frau gewesen. Den hätte er niemals hergegeben.“

Die Angeklagte behauptet das Gegenteil. Wenige Tage vor seinem Tod habe der krebskranke Senior ihr den Flitzer geschenkt. „Damit Ruhe ist“, soll er gesagt haben.

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Genauso wie er ihr einige Wochen zuvor 13 000 Schweizer Franken schenkte. Ein zinsloses Darlehen in Höhe von 35 000 Euro habe er ihr ebenfalls gerne bewilligt – den Vertrag dazu überreicht sie den Erben freilich erst nach seinem Tod. „Sie hat ihm sehr gutgetan“, sagt eine Familienangehörige dennoch freundlich. „Er war vernarrt in sie“, fügt sie hinzu.

Bereits das Darlehensgeschäft sieht Richterin Walburga Englert-Biedert „mit einem Geschmäckle versehen“. Angeklagt ist die bislang nicht vorbestrafte 46-Jährige indes wegen Diebstahl in zwei Fällen. In Bezug auf das Auto mildert das Gericht den Vorwurf auf Unterschlagung. Dass sie hingegen Uhr und Wagen geschenkt bekommen habe, seien „Schutzbehauptungen“, betont die Richterin.

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„Den Verstorbenen können wir leider nicht mehr fragen“, betont Staatsanwalt Jonathan Waldschmidt, der ein Jahr und sechs Monate Haft sowie 6000 Euro Strafe fordert. Niemand anderes als sie habe am Todestag, als die Angehörigen am Haus des Witwers ankamen, den Ordner mit den Fahrzeugpapieren aufgeblättert und den Fahrzeugbrief für den Sportwagen herausgenommen.

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Nur weil dieses Auto so mit den Erinnerungen an die verstorbene Frau verbunden gewesen sei, habe man den als Geschenk dargestellten Diebstahl beweisen können: Mehrfach habe der Senior unter Zeugen noch kurz vor seinem Tod beteuert, dass niemals eine andere Frau das Auto fahren dürfe.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg