Corona - Der 82-jährige Karl Busch hat schon beide Impfungen bekommen / Sein Stiefsohn, ein „MM“-Reporter, hat ihn begleitet Der erlösende zweite Piks

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Steffen Mack
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Karl Busch zeigt vor dem Impfzentrum im Patrick Henry Village die neuen Einträge in seinem Impfpass. © Steffen Mack

Heidelberg. Karl Busch kennt den Weg. „Da vorn musst du rechts, dann hinter der Brücke wieder rechts.“ Er war vor drei Wochen schon im Patrick Henry Village. Nun ist der 82-Jährige bestens gelaunt und kann kaum erwarten, was der zweite Termin für ihn bedeutet: 95-prozentige Immunität, höchstmöglicher Schutz vor Corona.

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Vor dem großen Parkplatz des Impfzentrums werfen zwei Security-Mitarbeiter einen Blick auf die Terminbestätigung, dann kann man direkt vor die Halle fahren. Das ging so schnell, dass wir jetzt 20 Minuten zu früh dran sind. Den Vorschlag, kurz im Auto zu warten, lehnt der 82-Jährige ab: „Komm, wir gehen einfach rein.“ Am Eingangsschalter kontrollieren freundlichen Bundeswehrsoldaten Karl Buschs Papiere. Vor Aufregung fällt ihm der Ausweis aus der Hand. Bevor man sich bücken kann, hat er ihn schon aufgehoben.

Termine hat seine Frau gemacht

Der frühere Sport- und Techniklehrer ist in jeder Hinsicht noch sehr fit. In normalen Zeiten spielt er drei bis vier Mal die Woche Tennis und fährt den Königstuhl mit dem Mountainbike rauf und runter. Zu diesem Impftermin bräuchte er eigentlich auch keine Begleitung, den ersten hat er problemlos allein geschafft (bei schönem Wetter wäre er wohl sogar vom Boxberg hergeradelt). Da wusste er allerdings noch nicht, dass jeder Impfling eine Begleitperson mitbringen darf. So hat er nun seinen Stiefsohn dabei. Das bringt den praktischen Nebeneffekt, als „Mannheimer Morgen“-Reporter mal ein Impfzentrum bei laufendem Betrieb von innen zu sehen. Unter Verweis auf Persönlichkeitsrechte und Datenschutz wird das Journalisten sonst in der Regel verwehrt.

In der ersten Kabine nehmen sich ein Soldat und eine zivile Mitarbeiterin die Papiere richtig vor. Sie sind sehr nett, wie alle hier an diesem Nachmittag. Den Anamnese-Bogen zur Einwilligung muss Karl Busch indes erneut ausfüllen. Hätte er das gewusst, hätte er den wie vor drei Wochen ausgedruckt mitgebracht.

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Das hatte seine Frau unter www.impfen-bw.de für ihn erledigt. Die 74-Jährige ist gern und viel im Internet. Aus familiär bedingter Neugier wollte sie am zweiten Weihnachtsfeiertag sehen, wie sich die Corona-Zahlen in Mannheim entwickeln. Da fand sie auf der Homepage der Stadt den Hinweis, dass schon Termine in den Impfzentren über die Hotline 116 117 gebucht werden könnten. Sie rief gleich an, stellte auf Lautsprecher und legte das Telefon aus der Hand, bis sich nach etwa 20-minütigem Warten ein Mitarbeiter meldete. Zwei Tage später bekam Karl Busch seine erste Impfung.

„Ohne meine Frau hätte ich nie einen Termin bekommen“, sagt er. Die Bestätigung per Mail, die Internet-Anmeldung – das ist nicht seine Welt. „Aber zum Glück habe ich ja so eine junge Frau geheiratet“, lacht er. Karl Busch weiß von vielen über 80-Jährigen, die sich verzweifelt um einen Termin bemühen. Das tut ihm auch sehr leid. Grundsätzlich findet er es jedoch sinnvoll, dass Baden-Württemberg beide Impfungen auf einen Schlag macht: „Alles andere wäre Quatsch, das wirkt ja erst nach dem zweiten Mal richtig.“

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Über die Immunisierung wird im Warteraum auf der Großleinwand informiert. „Willst du das sehen?“, fragt der 82-Jährige. Man hört die Hoffnung auf ein Nein heraus. Hat er den Film beim ersten Mal angeschaut? „Nicht ganz“, räumt er ein. Aber seine Frau habe ihn vorab bestens informiert. Also weiter.

Impfpass aus dem Jahr 1977

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Als Nächstes gibt es ein Vorgespräch mit zwei jungen Impfärzten, die sich namentlich vorstellen. Das tut dann auch die Ärztin eine Kabine weiter, bevor sie die Spritze vorbereitet. Blitzartig hat der 82-Jährige seinen linken Arm freigemacht. „Haben Sie die erste Impfung gut vertragen, Herr Busch?“ Er bejaht. Nur die Einstichstelle habe am Tag danach etwas geschmerzt. „Das ist normal, das war bei meiner Impfung auch so“, sagt die Medizinerin, geschätzt um die 30. Darf man den großen Moment für die Familie vielleicht fotografieren? „Leider ist das hier drin verboten“, bedauert die Frau, „dabei wäre das doch eine gute Werbung.“ Dann kommt der Piks, genau eine Viertelstunde nach Betreten der Halle.

Danach soll Karl Busch weitere 15 Minuten zur Kontrolle bleiben. Versonnen blättert er im Impfpass. Der ist auch noch prima in Schuss, obwohl der erste Eintrag (gegen Diphtherie) schon 1977 gemacht wurde. Damals war Corona in Deutschland noch nicht mal ein Bier und eine derartige Pandemie wohl unvorstellbar.

Einmal wieder an den Gardasee

„So, die Viertelstunde ist um. Wir können gehen“, sagt Karl Busch. Es sind erst neun Minuten vergangen. Also wird er sicherheitshalber noch etwas ins Gespräch verwickelt. Was bedeutet es für ihn, wenn er nach sieben bis zehn Tage gegen das Virus immun ist? „Erstmal gar nichts“, sagt er. Richtig aufatmen werde er erst, wenn auch seine Frau geimpft sei. Selbst danach wollten sie wie bisher alle Vorsichtsmaßnahmen einhalten. Aber endlich wieder mehr Nähe zu Kindern und Enkeln, das wäre schon ein Riesengewinn – übrigens für beide Seiten. Auch auf das Tennisspielen freut sich der 82-Jährige, sobald es die Lage erlaubt, schon sehr. Und für den Spätsommer hat er eine große Hoffnung: „Dieses Jahr mal wieder an den Gardasee fahren zu können, das wäre toll.“

Nun ist die Viertelstunde rum. Vorbei an eigentlich für den Heidelberger Weihnachtsmarkt vorgesehenen Bilderwänden geht es raus. Draußen lässt sich der 82-Jährige mit seinem Impfausweis fotografieren. Wäre er nicht schon so glücklich, hätte man ihn jetzt an einen Gutschein zum Geburtstag erinnert: Soccer-Golf mit Enkeln und Stiefsohn. Selbst in diesem bärenstarken Feld kann er mit seiner Fußball-Technik vermutlich gut mithalten. Und wenn nicht, ist das völlig egal. Es wird auf alle Fälle wunderschön!

Redaktion Steffen Mack schreibt als Reporter über Mannheimer Themen