Porträt - Schülerin Amrei Mihan über Nachhaltigkeit, wissenschaftliche Seminare und den Wunsch, auf einem Bio-Bauernhof auszuhelfen „Das muss man machen wollen“

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Die 17-jährige Amrei Mihan war Teil der WWF-Forschungsgruppe „Mobilität“ und hat an einer nachhaltigen Batterie gearbeitet. © Arnold Morascher/WWF

Heidelberg. Eigentlich könnte sie viel erzählen - über die vielen Entdeckungen, die sie gemacht hat. Oder über das Wissen aus den unterschiedlichsten Bereichen, was sie sich über Jahre angeeignet hat. Stattdessen ist sie ruhig, zurückhaltend. Schaut bei jeder Frage auf, beantworte sie kurz und lächelt leicht.

WWF-Akademie „2°Campus“

  • Die WWF-Schülerakademie findet in diesem Jahr zum neunten Mal statt
  • Schüler zwischen 15 und 19 Jahren forschen zum Thema Klimaschutz. Das Ziel: Die globale Erwärmung auf maximal 2 Grad Celsius (siehe Name) zu begrenzen und bis zum Jahr 2050 95 Prozent weniger Treibhausgase zu erzeugen.
  • Zum Netzwerk des Campus zählen drei Partnerhochschulen, Hauptsponsor ist das Unternehmen Heinz-Glas.
  • Der Campus ist aufgeteilt in drei Blöcke (April, Juli und Oktober). Renommierte Wissenschaftler und Referenten unterstützen die Schüler bei den Forschungsprojekten.
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Amrei Mihan ist 17 Jahre alt. Eine junge Schülerin mit vielen Talenten - aber das wäre untertrieben. Erst vergangene Woche nahm sie an der Schülerakademie von WWF, eine Organisation für Natur- und Artenschutz, teil und forschte mit fünf weiteren Schülern an einer Lithium-Ionen-Batterie. In einem Forschungszentrum in Münster gewann sie mit Hilfe von zwei Mentoren Silizium aus Glas und Sand. Sie prüfte, ob diese aus nachhaltigen Quellen geschaffene Batterie funktioniert. Und in Zukunft auch zum Antrieb von E-Autos eingesetzt werden kann.

Nachhaltigkeit ist ihr Ding. Amrei, geboren und aufgewachsen in Heidelberg, besucht das Hölderlin Gymnasium. Ihre Leistungskurse: Gemeinschaftskunde und Physik. Über das Schuljahr hinweg setzte sie sich, „immer dann, wenn sie konnte“, bei den Fridays-for-Future-Demonstrationen für das Klima ein. „Ich war begeistert, wie viele junge Menschen sich für die Umwelt stark machen. Sogar Grundschüler“, sagt die 17-Jährige und nippt an einer Tasse Kaffee. Aus der Gesellschaft komme viel in diese Richtung, findet sie. „Aber in der Politik wird viel zu wenig darauf eingegangen.“ Das müsse sich ändern. Das erste Mal habe sie sich in der sechsten Klasse für eine außerschulische Veranstaltung angemeldet. Auf Empfehlung ihres Deutschlehrers besuchte sie ein Seminar der Jugendakademie Mannheim. Seither habe sie sehr oft an Workshops teilgenommen und sich Vorträge angehört. Allein in diesem Jahr: Die Zukunftsakademie der Baden-Württemberg Stiftung, wo sie über das Thema „Afrika - vom Entwicklungsstaat zum Global Player“ diskutierte oder die Heidelberger Life-Science Lab, eine Einrichtung des Deutschen Krebsforschungszentrums. Dort arbeitete sie in den Arbeitsgemeinschaften Mathematik sowie Politik und Recht. Am diesjährigen Bundeswettbewerb Mathematik hat sie ebenfalls teilgenommen.

Stress sieht man der Rohrbacherin aber nicht an. „Das muss man machen wollen, sonst wird es schnell anstrengend.“ Diese Woche wird Amrei, die sorbische Vorfahren hat, wohl viel über komplizierte digitale Systeme erfahren. 14 Tage lang ist sie Teil eines Kurses, der von der Deutschen SchülerAkademie organisiert wird und in Mecklenburg-Vorpommern stattfindet. Unter anderem wird es um die virtuelle Währung Bitcoin und um Blockchain-Technologie gehen. Vereinfacht gesagt eine auf vielen Rechnern verteilte Datenbank, die digitale Transaktionen sicher dokumentiert.„Ich habe von der Akademie Skripte zugeschickt bekommen und werde dann auch einen Vortrag über ein Unternehmen halten, das Blockchain verwendet.“ Klingt kompliziert? Für Amrei kein Problem. Über Nachrichten erfährt sie von solchen Themen und wird extrem von ihren Lehrern und Eltern unterstützt. Neben der Wissenschaft, für die sie sich begeistert, geht sie einmal in der Woche Unterwasser-Rugby spielen und nimmt Gesangsunterricht. Früher trat sie im Heidelberger Kinder- und Jugendchor auf. „Aber jetzt singe ich nur noch aus Spaß.“

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In den Sommerferien werde sie zwar nicht verreisen, aber ihre ältere Schwester in Freiburg besuchen. Und obwohl die Einserschülerin schon viel erlebt hat, ist sie gar nicht so sicher, was sie als Studienfach wählen möchte. „Auf jeden Fall in den Forschungsbereich. Vielleicht Mathe, aber das ist sehr abstrakt. Oder Physik, da bin ich mir aber auch nicht sicher. Ich werde es einfach auf mich zukommen lassen.“

Kommendes Schuljahr steht erst einmal das Abitur an. Und dann? „Pause. Ich würde am liebsten durch ganz Europa reisen und wwoofen, also mir ein Land aussuchen und freiwillig auf Bio-Bauernhöfen arbeiten.“ Da schimmert sie wieder durch - die große Umweltbegeisterung, die in der schüchternen Jugendlichen steckt.