Betriebshof-Diskussion - Kundgebung in Rohrbach-Süd fordert „Hände weg von Rohrbachs Feldern“ Boden zu schade als Parkplatz

Von 
Michaela Roßner
Lesedauer: 
Rund 120 Teilnehmer sind am Dienstagabend zur Kundgebung gegen die Straßenbahn-Abstellpläne in Rohrbach-Süd gekommen. © Philipp Rothe

Heidelberg. „Hände weg von Rohrbachs Feldern“: Darin sind sich die rund 120 Teilnehmer einer Kundgebung am Dienstagabend in Rohrbach-Süd offenbar einig. „RNV mach’ Dich vom Acker“ steht auf einem Plakat. Es geht um die Pläne von Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr, im Süden Abstellplatz für 20 Straßenbahnen sowie 70 Pkw-Parkplätze zu schaffen – nicht nur während des Umbaus des RNV-Betriebshofs in Bergheim, sondern als eine dauerhafte Lösung.

Digitale Bürgerinformation

Stadt und Rhein-Neckar-Verkehr wollen die Neubaupläne für den Betriebshof in einer digitalen Informationsveranstaltung am Donnerstag, 18. Februar um 18 Uhr vorstellen.

Die Infoveranstaltung wird via „Zoom“-Meeting organisiert. Die Meeting-ID lautet 953 0591 0201, der Kenncode 866029. Unter Telefon 0049 697 104 99 22 kann man sich ebenfalls einwählen.

Auf der Internetseite www.heidelberg.de/betriebshof findet man die Zugangsinfos ebenfalls.

Die Diskussion in den Gremien beginnt am Donnerstag, 4. März, im Bezirksbeirat Rohrbach. miro

AdUnit urban-intext1

6000 Quadratmeter Fläche würde beides zusammen beanspruchen, hat Karin Weidenheimer (CDU), Vorsitzende des Stadtteilvereins Rohrbach, ausgerechnet. „Diese überarbeiteten Pläne sind ja noch schlechter als die vorherigen“, urteilt sie mit Blick auf eine Protestveranstaltung an der gleichen Stelle im Oktober 2020 und die nun vorgelegten neuen Pläne von Oberbürgermeister Eckart Würzner und dem Ersten Bürgermeister Jürgen Odszuck.

Die beiden hatten in einem Pressegespräch am 8. Februar daran erinnert, dass es an der Haltstelle „Rohrbach-Süd“ einen Bebauungsplan für einen „Park & Ride“-Parkplatz gebe, der Platz für 400 Autos vorsehe. Und dass dies zum Teil nun umgenutzt werden könnte für die Straßenbahnen.

„Der Bebauungsplan stammt aus dem Jahr 1976, seither ist einige Zeit vergangen“, verweist Weidenheimer darauf, „dass sich das Bewusstsein für Umweltschutz in den vergangenen Jahrzehnten stark entwickelt hat“: „Solch einen Platz würde man heute nicht mehr auf solch kostbarem Boden planen.“

AdUnit urban-intext2

Nicht in Parkhäusern oder Tiefgaragen, sondern nebeneinander stehend sollten 70 Autos hier auf ihre Besitzer warten – insgesamt müsste man dafür 1500 bis 2000 Quadratmeter Fläche veranschlagen. Dazu die Bahnen: Sieben Gleiskörper mit Oberleitungen für 145 Meter lange Straßenbahnen, plus Zaun und vermutlich Witterungsschutz: 3500 Quadratmeter Fläche seien dafür sicher notwendig.

Gehölze und Biotop

„Ich sehe nicht, wie hier 6000 Quadratmeter für Bahnen und Pkw erschlossen werden könnten, ohne Biotopfläche, Ackerboden oder Gehölzflächen zu zerstören“, kritisiert auch Stadträtin Larissa Winter-Horn (Die Heidelberger) und blickt über die Grundstücke neben der bestehenden Haltestelle.

AdUnit urban-intext3

Weidenheimer befürchtet außerdem, dass – wenn die 70 Parkplätze für ÖPNV-Einsteiger voll sind – die Autos auf den Asphaltwegen und Ackerrändern geparkt werden. Solche Probleme kenne man „zur Genüge aus anderen Stadtteilen“. Und auch das Lärmproblem müsse berücksichtigt werden: Wenn zehn bis 15 Bahnen morgens zwischen 5 und halb sechs Uhr in Betrieb genommen würden, rollten sie überwiegend leer etwa sechs Kilometer bis zum Römerkreis. „Anwohner der Strecke sind schon genug mit dem Quietschen und Knarzen geplagt“, sagt die Vorsitzende.

AdUnit urban-intext4

Bezirksbeirätin Karin Weber (Bunte Liste) betont, dass am Standort Bergheim ausreichend Flächen vorhanden seien – besonders, wenn ein Ratsbeschluss umgesetzt würde, wonach auch die Einbeziehung der Flächen bis zum Czernyring geprüft würde. Darauf verweist auch Stadtrat Michael Pfeiffer (GAL). Seine Kollegen Frank Wetzel (Grüne) und Björn Leuzinger (Die Partei) formulierten ebenfalls ihre Ablehnung, Rohrbacher Böden für einen Straßenbahn-Abstellplatz zu opfern.

Die zusätzlichen Gleise in Rohrbach-Süd in der Nähe des bestehenden Trafogebäudes zu verlegen, soll laut Stadt und RNV rund 12,5 Millionen Euro kosten. Die Wieblinger Variante (Haltestelle „Berufsschule“) wird mit 15 Millionen Euro veranschlagt. Im Oktober 2019 hat der Gemeinderat mit einer Stimme Mehrheit beschlossen, dass der neue Betriebshof genau dort gebaut werden soll, wo sich heute der alte befindet: im Stadtteil Bergheim.

Ursprünglich sollte der Betriebshof nach Wieblingen umziehen, auf die Wiese am Großen Ochsenkopf. Gegen diesen Ratsbeschluss vom Dezember 2018 richtete sich im Juli 2019 ein Bürgerentscheid. Für das Quorum fehlten zwar 3000 Stimmen, aber der Gemeinderat beugte sich dem Willen von mehr als 19 000 Bürgern und votierte nun für einen Verbleib des Betriebshofs am alten Standort. Der Umbau des Betriebshofs, der rund 65 Millionen Euro kosten soll, kann wohl frühestens 2025 starten. Für die Busse mit alternativen Antrieben soll neben dem Baumarkt im Wieblinger Weg eine neue Abstellfläche entstehen.

Mehr zum Thema

Nahverkehr Lob für dezentrales Bahn-Parken

Veröffentlicht
Von
Miro
Mehr erfahren

Nahverkehr Betriebshof mit Grünfläche

Veröffentlicht
Von
Michaela Roßner
Mehr erfahren

Bergheim Betriebshof-Planung ohne das Areal vom Dezernat 16

Veröffentlicht
Von
Michaela Roßner
Mehr erfahren

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg