Porträt - Extremsportler Norman Bücher macht auf seiner Laufstrecke in Heidelberg Station / Er sammelt Stimmen von Jugendlichen „Bin als Fragender unterwegs“

Von 
Hendrik Heft
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Extremsportler Norman Bücher (rechts) stellt jungen Besuchern in einem Bürogebäude in Rohrbach Süd sein Programm „7 Continents“ vor, bevor er einen Tag später auf die nächste Etappe Richtung Berlin geht. © Rothe

Heidelberg. In Sportschuhen, kurzer Hose und T-Shirt stand Norman Bücher vor seinen Zuhörern und wirkte dabei nicht, als hätte er gerade einen Lauf von gut 50 Kilometern hinter sich. Aus Ettlingen kam der 40-jährige Extremsportler in die Kurpfalz, um mit Kindern und jungen Erwachsenen darüber zu sprechen, was für sie Angst, Glück oder Natur bedeuten oder was sie verändern würden, wenn sie der Bürgermeister ihres Heimatortes wären.

Tour durch sieben Kontinente

  • Der 40-jährige Ausdauerläufer, Vortragsredner und Buchautor Norman Bücher will mit seinem Projekt „7 Continents“ die Wünsche, Ängste und Zukunftshoffnungen junger Menschen sammeln.
  • Dazu fragt er, was ihnen zu Begriffen wie Glück, Natur einfällt.
  • Auch ihre Träume interessieren ihn – oder was sie als Bürgermeister ihres Heimatortes verändern würden.
  • In sechs Jahren will er durch 70 Länder auf sieben Kontinenten laufen. Zum Auftakt geht es von Straßburg quer durch Deutschland nach Berlin, ehe die Europaetappe 2019 nach Istanbul führt.
  • Am Ende sollen es eine Million Stimmen sein, die Bücher der Vollversammlung der Vereinten Nationen in New York präsentieren will.
  • Ein vierköpfiges Technikteam filmt die Vorträge und veröffentlicht alle Antworten im Internet.
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Er wollte damit Stimmen für sein Langzeitprojekt „7 Continents“ sammeln, das ihn in sechs Jahren durch 70 Länder auf allen Erdteilen führen soll und mit dem er die Gedanken junger Menschen öffentlich bekannt machen will.

Im Sommer nach Istanbul

Nach dem Start in Straßburg ging es über Baden-Baden am dritten Tag nach Heidelberg. Noch im Oktober ist die Ankunft in Berlin geplant, ehe die Europaetappe im Sommer nächsten Jahres nach Istanbul führen soll. Erst dann folgt die genauere Planung der Asienetappe im Jahr 2020. Alle Stimmen – die Zielmarke liegt bei einer Million – sollen auf der Projektseite im Internet veröffentlicht und im Jahr 2024 der Vollversammlung der Vereinten Nationen übergeben werden. Ein vierköpfiges Technikteam begleitet den Ausdauersportler, filmt die Veranstaltungen und fährt auf E-Bikes neben ihm her. Das Laufen sei für ihn nur ein Medium. „Ich bin als Fragender unterwegs“, beschrieb Norman Bücher. „Es geht nicht um höher, schneller, weiter, sondern um die Begegnung mit unterschiedlichen Menschen“ erläuterte er seine Intention. „Wir können von Kindern viel lernen“, war er sich sicher und stellte während seines gut einstündigen Vortrags die Frage, warum immer nur Erwachsene die maßgeblichen Entscheidungen träfen.

Vor zehn Jahren gab der gelernte Betriebswirt seinen Beruf auf und hält seitdem Vorträge über Motivation, mentale Stärke und Grenzerfahrungen unter anderem für Firmen und Jugendeinrichtungen. Dabei greift er auf Erfahrungen aus diversen Extremläufen zurück, von denen er einnehmend und begleitet von kurzen Filmen auf grundsätzliche Fragen überleitet.

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Während einer einwöchigen Durchquerung der Wüste Kalahari in Südafrika habe er vor drei Jahren zum Beispiel einen auf den ersten Blick unsportlichen, übergewichtigen jungen Mann aus Singapur getroffen, der sich teils als Letzter und auf allen Vieren über die Ziellinie schleppte. Auf Büchers Frage, warum er sich das antue, habe dieser geantwortet, dass sein Arbeitgeber zehn Euro für jeden gelaufenen Kilometer an ein Waisenhaus spenden wolle. „Wir brauchen ein Motiv, um etwas verändern zu können“, zog Norman Bücher für sich den Schluss, etwas Ähnliches zu starten. So steht für ihn am Ende jedes Abschnitts das Gespräch mit jungen Menschen, dieses Mal in den Räumen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Gerhard Meyer. Er kennt Norman Bücher seit acht Jahren und sitzt im Vorstand des örtlichen Lions Club, der das Projekt als einer von vielen Förderern und Sponsoren unterstützt.

Zitate im Internet

Die etwa 20 Jungen und Mädchen, die teils mit ihren Eltern zum Firmensitz am südlichen Stadtrand gekommen waren, fragte Norman Bücher, was sie mit den Worten Natur und Glück verbinden. „Es ist egal, wie viel euch einfällt“, ermunterte er seine Zuhörer, die Jüngsten von ihnen waren gerade sieben Jahre alt, ihre Gedanken in ein kleines Heft zu schreiben, aus dem sie vorlesen und das sie am Ende in einen Sammelkasten werfen konnten. Noch stehen keine hundert Äußerungen auf der Internetseite, doch dürfte sich das schon in dieser Woche, in der Norman Bücher über Würzburg nach Weimar laufen will, ändern.