Nahverkehr - Planungen für Modernisierung in Bergheim reifen / Online-Bürgerbeteiligung am 18. Februar vorgesehen Betriebshof mit Grünfläche

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Michaela Roßner
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Der RNV-Betriebshof soll am alten Standort in der Bergheimer Straße umgebaut werden. Unser Bild zeigt das Gelände im Juli 2020. © Philipp Rothe

Heidelberg. Eine 25 mal 150 Meter große neue Grünfläche an der Emil-Maier-Straße soll den Stadtteil Bergheim aufwerten, wenn der RNV-Betriebshof einmal modernisiert ist: Stadt und Nahverkehrsunternehmen haben die Planung für den frühestens 2025 beginnenden Umbau ausgearbeitet. Oberbürgermeister Eckart Würzner und Erster Bürgermeister Jürgen Odszuck haben den Stand der Dinge am Montag in einem Pressegespräch vorgestellt. Am 18. Februar soll das Thema in einer Online-Bürgerveranstaltung besprochen und Anfang März in den Gremien des Gemeinderats diskutiert werden.

Großprojekt am aktuellen Standort

Der RNV-Betriebshof in der Bergheimer Straße leidet seit längerem unter Sanierungsstau.

Eigentlich war der Umzug des Betriebshofs auf die Große Ochsenkopfwiese im Stadtteil Wieblingen schon eine vom Gemeinderat beschlossene Sache (Dezember 2018).

Im Juli 2019 stimmten 19 020 Heidelberger in einem Bürgerentscheid gegen den Betriebshof auf dem Ochsenkopf. Das Quorum wurde nicht erreicht. 3000 Stimmen fehlten.

Am 17. Oktober 2019 entschied sich der Gemeinderat dann aber mit 25 zu 24 Stimmen gegen den Standort Ochsenkopf und hebelte den eigenen Beschluss aus.

Der Neubau des Betriebshofs am aktuellen Standort soll rund 65 Millionen Euro kosten. Hinzu kommen für ein Bahnen-Zweitdepot etwa zwölf Millionen (Rohrbach Süd) oder 15 Millionen Euro (Berufsschule)

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Als Abstellfläche von Straßenbahnen während der Bauzeit – und danach nachts – sind zwei mögliche Flächen im Gespräch: In Rohrbach-Süd ist ein als „Park & Ride“-Parkplatz im Bebauungsplan ausgewiesenes Areal denkbar, in Wieblingen ein Grundstück zwischen OEG- und Bahngleisen, in der Nähe des Ochsenkopfs (Straßenbahnhaltestelle „Berufsschule“).

Kein Eingriff in Landwirtschaft

Die in Rohrbach bereits stark kritisierte Variante, die auch landwirtschaftliche Flächen einbezogen hätte, werde nicht mehr verfolgt; Gehölze müssten nun nicht mehr entfernt werden: „Wir haben verstanden, dass die landwirtschaftlichen Flächen und Ränder den Rohrbachern sehr am Herzen liegen“, betonte Odszuck. Die nicht überdachte Bahn-Abstellfläche könnte auf einem Teil des bereits im Bebauungsplan als „Park & Ride“-Fläche ausgewiesenen Platzes gebaut werden. „Die Wieblinger Alternative ist vielleicht ökologisch ein bisschen wertvoller und Rohrbach-Süd liegt zentraler im ÖPNV-Netz – vor allem, was die Versorgung des Heidelberger Südens angeht“, gibt Würzner eine Einschätzung ab. „Aber das soll der Gemeinderat entscheiden.“

Die zusätzlichen Gleise in Rohrbach-Süd in der Nähe des bestehenden Trafogebäudes zu verlegen, soll rund 12,5 Millionen Euro kosten. Die Wieblinger Variante wird mit 15 Millionen Euro veranschlagt. Für die Busse mit alternativen Antrieben soll zusätzlich neben dem Baumarkt im Wieblinger Weg eine neue Abstellfläche entstehen.

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In Bergheim wird das Areal des Dezernats 16 aus den Planungen herausgenommen werden. Trotzdem sei es möglich, die neue Grünfläche und den vom Gemeinderat geforderten Wohnungsbau für finanziell schwächer gestellte Mieter in die Pläne zu integrieren, erklärt Odszuck: „Die vorgeschlagene Variante hat städtebaulich viele Qualitäten.“

Der Umbau des Betriebshofs könne frühestens 2025 starten. Die aktuelle Planung sieht Platz für 30 Busse und 32 Straßenbahnen vor, wobei 23 Bahnen schon die zukunftsfähige Länge von 42 Metern haben dürfen. Ein- und ausfahren werden die Bahnen zukünftig vermutlich über die Karl-Metz-Straße, eine zusätzliche Zufahrtsmöglichkeit soll es über die Alte Eppelheimer Straße Richtung Czernyring geben. Im Bereich der Emil-Maier-Straße soll die Grünfläche, die ähnlich groß werden könnte wie der Werderplatz in Neuenheim, für „Aufenthaltsqualität“ sorgen – eventuell auch im Zusammenhang mit dem Dezernat 16 beziehungsweise mit der Bebauung, die dort entstehen könnte. Das werde aber „völlig abgekoppelt“ von den Planungen des Betriebshofs diskutiert, betont Odszuck.

Ausschüsse ab März

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Am 18. Februar um 18 Uhr sollen die aktuellen Pläne in in einer Online-Bürgerversammlung per „Zoom“ vorgestellt und diskutiert werden. Im März beginnt der politsche Gremiendurchlauf. Den Anfang macht am Donnerstag, 4. März, der Bezirksbeirat Rohrbach. Am 16. und 17. März folgen die Bezirksbeiräte Bergheim und Wieblingen. Der Stadtentwicklungs- und Bauausschuss (23. März) sowie der Haupt- und Finanzausschuss (14. April) sind Etappen, bevor der Gemeinderat voraussichtlich am 6. Mai den Neubau des Betriebshofs beschließen soll.

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Danach folgt ein Planfeststellungsverfahren, bei dem es ebenfalls eine Bürgerbeteiligung gibt. Diese Phase wird nach Einschätzung der Verwaltung rund drei Jahre in Anspruch nehmen. Frühestens 2025 könnte dann Baubeginn sein – wenn bis dahin die zusätzlichen Abstellflächen für Busse und Bahnen in den anderen Stadtteilen vorbereitet sind. Ist der neue Betriebshof am Netz, dienen diese Flächen mittelfristig dem Ausbau des ÖPNV – etwa nach Patrick-Henry-Village.

Redaktion Redakteurin Redaktion Metropolregion/Heidelberg