Kunst - Museum Prinzhorn erhält Nachlass von Lohse-Wächtler Bedeutende Übernahme

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Heidelberg. Das auf die Kunst psychisch Kranker spezialisierte Museum Sammlung Prinzhorn in Heidelberg nennt es in einer Mitteilung von Montag eine Sensation und einen Meilenstein. Gemeint ist der Umstand, dass der renommierten Sammlung über 200 Zeichnungen, Aquarelle und Druckgrafiken der Künstlerin Elfriede Lohse-Wächtler (1899-1940) überlassen wurden. Hinzu komme das ebenfalls nach Heidelberg übergebene Lohse-Wächtler-Archiv mit privaten Dokumenten.

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Das Museum werde damit zu einer wichtigen Forschungsstation der zwischen Neuer Sachlichkeit und Expressionismus zu verortenden Malerin. Die Übernahme des Nachlasses ist nach Angaben des Museums zur Hälfte durch eine Spende der Schaller-Nikolich Stiftung ermöglicht worden; die andere Hälfte erhält die Sammlung Prinzhorn zunächst als Leihgabe. Im kommenden oder übernächsten Jahr plant das Museum eine Ausstellung mit diesen Bildern.

Porträts von Mitpatienten

Die Avantgardekünstlerin hatte Kontakt zu Otto Dix und Conrad Felixmüller in Dresden. 1929 erlitt sie einen Nervenzusammenbruch, 1932 wurde bei ihr eine Schizophrenie diagnostiziert, die ihrer künstlerischen Tätigkeit aber keinen Abbruch tat. Hafenansichten zählen so gut zu ihrem Werk wie etwa auch ähnlich von Dix bekannte Bilder aus dem Prostituierten- und ärmlichen Arbeitermilieu. Anfangs arbeitete sie nach Art des Jugendstils, später porträtierte sie vor allem Mitpatienten. Im Zuge des Euthanasieprogramms der nationalsozialistischen Herrscher wurde sie 1940 ermordet.