Heddesheim - Kunstverein zeigt Bilder des Fotografen Walter Spagerer im Alten Rathaus / 100 Exemplare aus 50 Jahren „Jedes Bild ist eine Herausforderung“

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Dieter Kolb
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Der Kunstverein Heddesheim stellt derzeit im Alten Rathaus Fotografien von Walter Spagerer aus. © kolb

„In einer Zeit der Bilderflut durch Handys und Digitalfotos ist es dem Kunstverein wichtig, den Unterschied von Knipsen und Fotografie zu zeigen“, sagte Bernd Gerstner, der Vorsitzende des Kunstvereins Heddesheim, bei der Eröffnung der aktuellen Ausstellung.

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100 Bilder aus 50 Jahren sind im Alten Rathaus zu sehen, die der gebürtige Mannheimer Walter Spagerer geschaffen hat. Gerstner erzählte eine Anekdote, die mit Lächeln vom Publikum aufgenommen wurde, aber auch zum Nachdenken anregt. „Ihre Bilder gefallen mir, sie haben bestimmt eine gute Kamera“, sagte ein Koch. Der Fotograf erwiderte: „Ihr Essen war vorzüglich, sie benutzen bestimmt gute Töpfe“. Was Gerstner damit zum Ausdruck bringen wollte: „Das Wichtige und entscheidende steht hinter der Linse“.

Besessener Perfektionist

Als Kennerin der Materie sprach Jo Goertz über die Arbeiten ihres Kollegen Spagerer. „Walter Spagerer ist ein von der Fotografie Besessener und ein Perfektionist“, so Goertz. Und sie kann es beurteilen, war sie doch gerade mit Spagerer in den französischen Alpen. „Die Ausbeute unsere Arbeiten ist total unterschiedlich“. Spagerer sehe die Bilder als abbildendes Medium, für ihn seien die Bilder eine Botschaft. „Jedes Bild ist für ihn auch eine Herausforderung“, so die Fotografin, die 28 Jahre für eine Boulevardzeitung gearbeitet hat. Sie porträtierte Politiker aller Parteien, wie Johannes Rau, Willy Brandt, Helmut Kohl oder Angela Merkel. „Fotografie, Kunst und Musik, das ist der Kulturmix in seinem Kopf, aus dem Spagerer seine Ideen schöpft“, so Goertz.

Die dargestellten Objekte sind wahrlich vielfältig. So sind Scannerbilder, Scanogramme und Scanografien zu sehen. Er spielt mit verschiedenen Lichtquellen und ihrer Mischung. Er arbeitet Strukturen, Intensivierungen und Farbmischungen heraus, erreicht dadurch eine besondere Bildwirkung. In seinem Buch: „Ohne Kamera. Fotografieren mit dem Scanner“, zeigte er diese Kunstform. Die Serie „Wald“ umfasst tausende Fotos. Seit 35 Jahren hat er ein Stück in der Größe von einem Quadratkilometer mit der Kamera im Käfertaler Wald festgehalten. „Immer die gleichen Wege – immer die Kamera dabei“, so Spagerer. Der Künstler möchte dokumentieren und die visuelle Vielfalt schon in einem kleinen Landschaftsausschnitt zeigen. Für ihn ist der Wald eine Projektionsfläche, die sowohl Idylle, als Romantik und Mystik darstellt.

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Zu dem Ausstellungsraum im Alten Rathaus sagte Spagerer: „Es war nicht einfach die 100 Bilder auf die vorhanden zwei Ebenen zu verteilen. Die schrägen Wände und die starken Holzbalken waren eine Herausforderung“. Er stellte fest: „Ich denke, es ist für die Betrachter eine angenehme Atmosphäre entstanden“. Dies bestätigte Professor Sigmar Willnauer, der an der Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd lehrt. „Es passt wirklich“, sagte er und fügte hinzu: „Der Ausstellungsort ist eine Perle. Es ist sehr gut, dass die Kunst in Heddesheim so leidenschaftlich vertreten wird“. Willnauer hält es für wichtig, dass Kunst auch in kleineren Gemeinden gezeigt werde.

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