Heddesheim/Weinheim - Nachruf auf langjährigen Heddesheimer Fred Knorre: Rastloser Kellner mit großem Herz

Von 
Carsten Propp
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Im Schlosspark-Restaurant war Fred Knorre in den 1990er-Jahren für viele Weinheimer der Inbegriff des Oberkellners, der jeden Gast wie einen König bediente. Sein adrettes Erscheinungsbild, das spontan an einen englischen Butler erinnerte, sein Berliner Dialekt und sein trockener Humor machten ihn aber auch auf zahllosen Ausbildungsmessen zu einem Botschafter der Gastronomie. Vielen jungen Menschen vermittelte er die Faszination eines Berufes, „mit dem man die Welt erobern kann“, wie er gerne sagte. Am 3. Dezember ist Fred Knorre, der lange in Heddesheim wohnte und die letzten Monate im Weinheimer Bodelschwingh-Heim lebte, im Alter von 85 Jahren verstorben.

Fred Knorre, wie ihn die Gäste im Schlosspark-Restaurant kannten. © WN
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Ob als Kellnerlehrling zu Beginn der 1950er-Jahre in Berlin, als Steward auf Auswanderer- und Kreuzfahrtschiffen, in noblen Restaurants am Bodensee oder später in seiner eigenen Berliner Eckkneipe – Fred Knorre ist sich stets treu geblieben. Es war „ein Leben für die Gastronomie“, das er selbst immer als Abenteuer bezeichnete. Dabei hatte er die Gabe, andere Menschen mit seinem unerschütterlichen Optimismus anzustecken. Die Anekdoten aus dieser Zeit erzählte er immer wieder voller Begeisterung, und seine unnachahmliche Art sorgte dafür, dass man auch immer wieder gerne zuhörte. Dass er 1962 an Bord des Kreuzfahrtschiffes „Nieuw Amsterdam“ im Hafen von New York den ehemaligen US-Präsidenten Dwight D. Eisenhower bedienen durfte, gehörte zum Beispiel zu den Höhepunkten seiner Jahre als „Seefahrer“.

1962 lernte er in einem Tanzlokal die Liebe seines Lebens kennen: Loni. 1964 heirateten die beiden und zogen 1979 nach Heddesheim, um näher bei der Familie ihres Sohnes Jürgen zu sein. Im Alter von 52 Jahren legte Fred Knorre die Restaurantmeisterprüfung ab und trat schließlich 1991 seine Stelle im Weinheimer Schlosspark-Restaurant an, wo er bis zur Verabschiedung in den Ruhestand im März 1998 blieb. Fortan gab er Weinseminare bei der Volkshochschule in Heddesheim, leitete an Bergsträßer Schulen Crashkurse für gutes Benehmen („Knorres kleiner Knigge“) und vertrat den Hotel- und Gaststättenverband auf zahlreichen Messen. Selbst eine schwere Augenkrankheit, die ihn nahezu erblinden ließ, änderte nichts an seiner positiven Lebenseinstellung. Voller Elan engagierte er sich für den Badischen Blinden- und Sehbehindertenverein und freute sich „wie Bolle“, wenn er Episoden aus seiner 2004 als Taschenbuch erschienenen Biographie zum Besten geben oder seine leckeren „Erdbeeren spezial“ (mit Zucker, Zitronensaft, Orangenlikör, Anisschnaps und Vanilleeis) zubereiten durfte – wie zuletzt im Juni 2019 im Café „Wohnzimmer“ in der Weinheimer Weststadt.

Als kurz darauf seine Frau Loni starb, wurde es zwar ruhiger um den rastlosen Kellner mit dem großen Herzen. Aber trotz gesundheitlicher Probleme blieb er bis zuletzt der Mann, der einen Satz von Heinz Rühmann zu seinem Lebensmotto erkoren hatte: „Lächeln ist das Kleingeld des Glücks.“