Heddesheim - Hilfsinitiative vermittelt Senioren Fahrer für Impftermine / Roy Bachem begleitet eine 81-Jährige zu ihrem zweiten Piks „Das hat wunderbar geklappt“

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Anja Görlitz
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Abfahrt in der Heddesheimer Westendstraße: Roy Bachem hilft seiner Mitfahrerin beim Einsteigen, dann geht es zum Impftermin. © Marcus Schwetasch

Roy Bachem und seine Beifahrerin sind bereits ein eingespieltes Team. Schon einmal hat der 53-Jährige die 81-jährige Heddesheimerin ins Impfzentrum auf dem Mannheimer Maimarkt gefahren, frühmorgens gegen 8 Uhr. Am Donnerstag stand der zweite Impftermin an. „Ich habe überlegt, diesmal mit der Straßenbahn zu fahren, weil der Termin erst um kurz nach 10 Uhr ist“, erzählt die Seniorin, die ihren Namen nicht in den Medien lesen möchte, am Telefon: „Aber Herr Bachem hat gleich gesagt, dass er mich auf jeden Fall wieder fährt.“

Ilvesheimer will helfen

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Zusammengefunden haben die beiden über die Hilfsinitiative Heddesheim. „Ich habe im Mannheimer Morgen den Aufruf gelesen, dass dort Fahrer gesucht werden“, berichtet Bachem. „Ich dachte mir: Das machst du.“ Er wohnt in Ilvesheim, hat aber auch viele private Bezüge nach Heddesheim und fährt auf dem Weg in sein Leutershausener Büro fast täglich durch den Ort, wie er erzählt. Weil er selbstständig ist und einen Online-Shop für Alufelgen und Autoreifen betreibt, könne er sich die Zeit einteilen und auch mal morgens oder nachmittags zwei, drei Stunden für den guten Zweck freischaufeln. Neben der 81-Jährigen, die am Donnerstag auf seinem Beifahrersitz Platz nimmt, hat Bachem auch schon die eigene Schwiegermutter sowie eine zweite, von der Hilfsinitiative vermittelte, Seniorin zum Impfen begleitet. Für künftige Fahrten stehe er gern zur Verfügung. „Das ist kein Problem“, versichert er: „Mir macht das Spaß.“

Und seine Fahrgäste sind dankbar für den Einsatz. Die eigenen vier Kinder seien „in der ganzen Bundesrepublik verstreut“, erzählt die Dame, die in dem Ilvesheimer einen Helfer gefunden hat. Immerhin habe eine der Töchter, als sie zu Besuch war, den Impftermin für die Mutter vereinbaren können. „Da hatte ich Glück“, freut sich die 81-Jährige. Als sie dann nicht wusste, wie sie nach Mannheim kommen würde, fragte sie zunächst bei ihrer Krankenversicherung nach Übernahme der Taxikosten. Die Kasse lehnte ab. Bei einem Anruf auf dem Rathaus erhielt die Seniorin dann den Tipp, es bei der Hilfsinitiative zu versuchen. „Das hat wunderbar geklappt“, lobt sie deren Organisatoren, Mario Münzer und Nico Schilhabel. Auch ihren ersten Piks in Mannheim habe sie gut vertragen. „Ich bekam etwas Muskelkater an der Stelle, aber das war am nächsten Tag wieder weg.“

Mario Münzer von der Hilfsinitiative freut sich, dass sich auf einen entsprechenden Aufruf im „MM“ sechs Helfer gemeldet haben, die Impffahrten übernehmen können – einer davon war Roy Bachem. Er, aber auch die anderen Helfer fahren die Seniorinnen und Senioren bei Bedarf nicht nur zum Impftermin und zurück, sondern begleiten sie auch gern vor Ort, erklärt Münzer.

30 Cent pro Kilometer

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Die Hilfesuchenden beteiligen sich an den Kosten mit 30 Cent pro Kilometer. Der Einzelfahrschein für die Straßenbahn wäre da kaum günstiger, die Ansteckungsgefahr aber vermutlich höher, sagt Münzer. Senioren, die eine Mitfahrmöglichkeit benötigen, können sich unter Telefon 06203/673 18 69 bei der Hilfsinitiative melden. Auch weitere Helfer sind dort willkommen. Wer Schwierigkeiten bei der Vereinbarung des Impftermins hat, erhält unter der Nummer ebenfalls Unterstützung: „Nico Schilhabel arbeitet selbst bei der Impfhotline und kennt sich bestens aus“, sagt Münzer.

Redaktion Redakteurin Neckar-Bergstraße