Neckarhausen/Ladenburg - Bürgermeister geben Fährbetrieb frei / Förderverein will wachsen Überfahrt erstmals unter kommunaler Flagge

Von 
Peter Jaschke
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Das Band zur Eröffnung durchtrennten (v. l.) Thea-Patricia Arras, Bürgermeister Stefan Schmutz (Ladenburg), Reinhard Barta, Bürgermeister Simon Michler (Edingen-Neckarhausen), Martina Kreuzer, Florian König und Jochen Krauß. © Peter Jaschke

Seit Mittwochvormittag ist die Fähre Neckarhausen wieder im Einsatz. Nachdem sie auf der Werft in Neckarsteinach turnusgemäß überholt worden war (wir berichteten), gab es am heimischen Ufer noch einen neuen Anstrich für die Fahrbahn und Probeläufe für den Motor. Nach der offiziell „ersten Überfahrt unter kommunaler Flagge“, wie Bürgermeister Simon Michler die feierliche Premiere vor insgesamt rund 20 Teilnehmern und Zuschauern nannte, wurde der Betrieb in Regie der Doppelgemeinde auch öffentlich freigegeben.

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„Vieles muss sich noch einspielen, umso mehr sind wir froh um die Unterstützung des Fördervereins“, sagte Michler. Jochen Krauß, ein früherer Fährmann und Vize-Chef der Förderer, habe als Technischer Koordinator im Vorfeld „alles super gemanagt“. Und auch dank der hauptamtlichen Fährleute erstrahle die Fähre „trotz Corona in neuem Glanz“, auch wenn neue Sitzbänke noch zu installieren seien. Leider sei ein großes Fährfest, das nach dem ebenso abgesagten Sommertagszug geplant war, aufgrund der Viruskrise nicht möglich gewesen. Erfreulich dagegen, dass vom Land ein Zuschuss zu erwarten sei und die Stadt Ladenburg helfen wolle, falls in der Kasse ein Minus entstehen sollte. An den Preisen für die Überfahrten ändere sich vorerst nichts.

Dass auch das historische Fährhäuschen oberhalb des Anlegers erneuert werde, sei nur noch eine Frage der Zeit, so Michler: 35 000 Euro habe der Gemeinderat dafür bewilligt. Im Herbst wolle man ein Konzept vorlegen. Die baurechtliche Prüfung laufe. Michlers Ladenburger Kollege Stefan Schmutz, der zunächst auf der anderen Neckarseite abgeholt wurde, zeigte sich „froh, bei der Jungfernfahrt dabei zu sein“. Er betonte die lange Tradition dieser „mobilen Brücke“ zwischen Römerstadt und Neckarhausen. Dass die seit 1483 bestehende Verbindung auch in Zukunft gemeinsames Kulturgut bleiben solle, drückt ein neues Schild an der Führerkabine aus.

„Schön, dass die Fähre unter kommunaler Flagge wieder da ist“, sagte Fördererchef Florian König (E-Mail: info@faehre-neckarhausen.eu). Er hoffe, bald das 100. Mitglied im Fährverein begrüßen zu dürfen. „Ich wünsche dem Betrieb eine positive Bilanz und freue mich deshalb über die Spende der Netze BW in Höhe von 1860 Euro“, sagte König vor der Scheckübergabe durch EnBW-Kommunalberater Andreas Stampfer.

Stammkundin ist erster Fahrgast

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Die erste, die ihr Auto zur Feier des Tages kostenfrei auf die Fähre lenkte, war Elisabeth Stamm-Koch. „Als Stammkundin bin ich stolz darauf“, sagte die Neubotzheimerin auf dem Weg zum Einkaufen. Circa dreimal wöchentlich benutze sie die Fähre und bringe dem Team an Bord gerne mal Kuchen mit. „Das stimmt“, freute sich Fährfrau Martina Kreuzer aus der vormals privaten Betreibergemeinschaft. Sie bildet neben Reinhard Barta nun das kommunale Vollzeitduo. Ihren bisherigen Job hat sie aufgegeben. „Ich freue mich, dass die Gemeinde das übernommen hat und bin stolz, dass mein Mann Thorsten und meine Töchter Ann-Kathrin und Isabelle in Teilzeit zum Team gehören“, erklärt Kreuzer. Außerdem sei noch Michael Gassmann stundenweise im Einsatz.

Freier Autor Peter Jaschke ist von Haus aus Diplom-Geograf (Universität Mannheim) und Landschaftsgärtner. Er ist Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband, freier Mitarbeiter seit 1997 und macht überwiegend regionale Berichterstattung, nimmt aber auch Sport- und Kultur-Termine wahr. Er ist einer der Ko-Autoren der Stadtchronik "Aus 1900 Jahren Stadtgeschichte" und schreibt u.a. für ein Fachmagazin.