Neckarhausen - 510 000 Euro fließen in das Gebäude in der Porschestraße / Heizung und Beleuchtung erneuert Turnverein saniert Halle, Kultur soll Kasse aufbessern

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Hans-Jürgen Emmerich
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Wegen Corona auf Abstand: Die Vorstandsmitglieder (v.l.) Hans Nicht, Horst Gropp und Wolfgang Schmidt erläutern in der Halle ihres Turnvereins Neckarhausen die laufende Sanierung. Die Schwenktore der Geräteräume im Hintergrund sind bereits erneuert, die Deckenbeleuchtung ebenfalls. © Hans-Jürgen Emmerich

Vor der Halle des Turnvereins Neckarhausen (TVN) steht das Fahrzeug eines Installateurbetriebs, drinnen warten Vorstand Hans Nicht und zwei Kollegen auf den „MM“-Reporter zum vereinbarten Pressegespräch über die Sanierung der Turnhalle. An getrennten Tischen und mit dem gebührenden Abstand von mindestens zwei Metern. Corona lässt grüßen.

Turnverein Neckarhausen

Die vereinseigene Halle des Turnvereins Neckarhausen (TVN) in der Porschestraße wurde 1967 fertiggestellt.

Die Sanierung kostet insgesamt rund 510 00 Euro, der Eigenanteil des Vereins liegt bei rund einem Drittel.

In der jüngsten Vergangenheit wurde die Erdgas-Heizung erneuert (38 000 Euro). Als Nächstes steht die Sanierung von Umkleide und Duschen für die Damen (36 000 Euro) an, die Herren sind für 2021 geplant.

Der TVN hat derzeit rund 700 Mitglieder.

Pläne zum Bau einer Gymnastikhalle in der Nachbarschaft der alten Halle wurden wieder verworfen. Kosten von 1,2 Millionen Euro wären nicht finanzierbar gewesen. hje

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Eigentlich wollte Nicht die Mitglieder seines Vereins im März bei der Jahreshauptversammlung über den Stand der Dinge informieren, doch mit der Pandemie kam die Absage. Mit rund 510 000 Euro sind die Kosten der Sanierung veranschlagt. „Der nächste Schritt wären Duschen und Umkleiden für die Damen gewesen“, berichtet Nicht. Im Folgejahr standen die Herren auf dem Plan.

„Momentan ist das allerdings schwierig“, erläutert der Vorstand des Traditionsvereins. „Unsere Jahresbilanz weist ein Minus von 19 000 Euro auf“, erklärt er. Gleichzeitig stünden Einnahmen von 29 000 Euro aus – Zuschüsse, die zugesagt sind, aber noch nicht ausgezahlt wurden. Beim Badischen Sportbund dauere das normalerweise ein bis eineinhalb Jahre, weiß Hans Nicht. Auch Gespräche mit der eigenen Bank über einen Kredit von 40 000 Euro hätten bislang noch kein Ergebnis gebracht: „Solange wir das Geld nicht haben, können wir mit den Arbeiten nicht anfangen.“

Marode Wasserrohre

Dass gleichwohl die Installateure gerade arbeiten, liegt an einem Wasserrohrbruch. Das duldet keinen Aufschub. „An diesem Gebäude kommt überall mehr oder weniger Wasser heraus“, schildert TVN-Vorstand Nicht den Zustand. Jetzt würden die alten Rohre komplett ausgetauscht.

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Apropos alt. In der jüngsten Vergangenheit wurde ein großer, 20 000 Liter fassender Tank aus dem Keller entfernt. Ein Relikt aus jener Zeit, als die Halle aus den Sechzigern noch mit Mineralöl beheizt wurde. Das ist lange her, aber der Tank war eben noch da. „Das hat uns inklusive TÜV auch rund 5000 Euro gekostet“, berichtet Nicht. An der Notwendigkeit des Ausbaus zweifelt er indes keineswegs, auch mit Rücksicht auf die Umwelt: „Das war mir einfach zu gefährlich.“ Ob der Raum künftig für andere Zwecke genutzt werden kann, ist allerdings fraglich. Denn der Tank lagerte auf großen Betonfundamenten: „Ich weiß nicht, ob man die so einfach herausnehmen kann.“

Die Heizung läuft schon seit Jahren mit Erdgas. „Das ist die sauberste Energie“, betont Nicht. Gerade erst gab es eine ganz neue Anlage für 38 000 Euro. Die Beleuchtung in der Halle wurde bereits auf energiesparende LED-Technik umgerüstet. „Die Fensterfront bereitet uns noch Sorgen“, erklärt der TVN-Vorstand weiter und deutet auf die riesigen Glasbauelemente entlang der Porschestraße: „Das ist eine richtige Kältebrücke.“ Pressewart Wolfgang Schmidt erinnert sich: „Da haben wir schon vor Jahren die Fugen erneuern lassen.“ Gut denkbar, dass sie jetzt ganz verschwindet und durch Oberlichter ersetzt wird. Aber das ist noch Zukunftsmusik.

Neue Schwenktore

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Gegenüber der Fensterfront fallen die neuen Schwenktore an den Geräteräumen auf. Dahinter gelangt man zu der Bar, die früher bei Veranstaltungen stark frequentiert war. Doch die Zeit der großen Partys und Fasnachtssitzungen ist vorbei. Der Rhein-Neckar-Kreis erlaubt nur noch Veranstaltungen mit maximal 199 Besuchern in der Halle, die eigentlich nur für Sport gedacht ist. Außerdem musste eine dritte Fluchttür als Rettungsweg eingebaut werden.

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Vier ausverkaufte Sitzungen der Kummetstolle, die jetzt an anderer Stelle stattfinden, reißen natürlich ein Riesenloch in die Kasse. „Deshalb planen wir jetzt ein neues Kulturprogramm“, erklärt Nicht. In Kooperation mit einer kleinen Künstleragentur soll es im Herbst losgehen. Im kleinen Rahmen mit 100 bis 120 Besuchern. Eine heiter-literarische Weinprobe mit Peter Nassauer, wie man sie aus Schriesheim kennt, stand für November auf dem Plan. Ob sie trotz Corona stattfinden kann, steht derzeit in den Sternen.

„Eine Mordsbelastung“

„Auf jeden Fall ist das mit dem Kultur- und Heimatbund abgestimmt“, betont Horst Gropp, im Vorstand für die Mitgliederverwaltung zuständig. Man wolle nicht anderen Konkurrenz machen, sondern vielmehr das kulturelle Leben in der Gemeinde etwas bereichern. Auch die Kinderflohmärkte sollten wegfallende Einnahmen kompensieren. Doch Flohmärkte, ein Seniorennachmittag und das Spielfest im Sommer, all das fällt in diesem Jahr der Pandemie zum Opfer. Der Herbstball vermutlich auch. Und dabei könnte der TVN jeden Euro dringend gebrauchen. Rund 200 000 Euro muss der Verein für die Sanierung selbst aufbringen. Hans Nicht: „Das ist schon eine Mordsbelastung.“

Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.