Edingen-Neckarhausen - Privater Investor verlängert Anmeldefrist in Neckarhausen / Erste Anschlüsse könnten im Herbst fertig sein Für Glasfaser fehlen noch 200 Haushalte

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Hans-Jürgen Emmerich
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Schnelles Internet und Glasfaser bis ins Haus, das ist in der Gemeinde Edingen-Neckarhausen das Ziel. Das Unternehmen Deutsche Glasfaser will mit dem Bau des Netzes im Ortsteil Neckarhausen noch in diesem Jahr beginnen. Voraussetzung ist, dass mindestens 40 Prozent der Haushalte bereits im Vorfeld verbindlich einen Vertrag für 24 Monate abschließen.

Seit Oktober wirbt die Deutsche Glasfaser um Kunden für schnelles Internet, jetzt wurde die Frist bis 13. Februar verlängert. © Hans-Jürgen Emmerich
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Bislang ist diese Quote nicht erreicht. Der Projektleiter Jürgen Weck zeigt sich aber zuversichtlich, dass dies gelingen wird. Weil Corona die persönlichen Kontakte gerade einschränkt, wurde die Frist noch einmal verlängert. Bis zum 13. Februar haben die Einwohner jetzt Zeit, ihren Anschluss zu bestellen. Wenn noch 200 Anmeldungen kommen, könnten die ersten Anschlüsse im Herbst zur Verfügung stehen.

Spätestens seit Corona wissen viele, wie wichtig schnelles Internet heutzutage ist. Unterricht zuhause oder Arbeiten im Homeoffice erfordert eine hohe Übertragungsrate. Anbieter wie die Telekom erreichen das inzwischen mit einer Technik, die die letzten Meter zwischen Glasfaserkabel und Anschlussdose überbrückt. Dabei rasen die Daten im Glasfaserkabel mit Lichtgeschwindigkeit bis zum Verteiler, werden danach aber über bestehende Kupferkabel weitergeleitet. Das ist so ähnlich, wie wenn man große Wassermengen durch einen Trichter in eine Flasche füllt.

Im herkömmlichen Kupfernetz sind häufig Bandbreiten von unter 10 MBit/s vorhanden, bestenfalls geht es bis 16 MBit/s. Die Mischlösungen erlauben bis zu 50 MBit/s, zum Teil sogar bis zu 100 MBit/s und mehr. Mit Glasfaser sind Bandbreiten von mindestens 300 MBit/s garantiert. Zum Vergleich: Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert, dass mindestens 30 MBit/s flächendeckend als Rechtsanspruch gesetzlich verankert werden sollen.

Recht auf schnelles Internet

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Mit rechtlichen Fragen zur Breitbandversorgung befasst sich seit Jahren Thomas Fetzer, Inhaber des Lehrstuhls für Öffentliches Recht, Regulierungsrecht und Steuerrecht an der Uni Mannheim. Die Novelle des Telekommunikationsgesetzes, das voraussichtlich im Frühjahr vom Bundestag verabschiedet werde, sehe zwar ein Recht auf schnelles Internet vor. Dieses sei aber deutlich langsamer als Glasfaser. Zwar werde kein genauer Wert genannt, aber die Umschreibung laufe auf etwa 20 MBit/s hinaus. Glasfaser wäre ungefähr 50 Mal schneller.

Fetzer, der selbst in Neckarhausen lebt, glaubt nicht, dass in seinem Ort jemand von dem geplanten Rechtsanspruch auf schnelles Internet profitieren würde. Die Bandbreite sei hier schon jetzt deutlich höher: „Von digitaler Wüste sind wir hier ein ganzes Stück entfernt.“ Probleme sieht er in naher Zukunft, wenn die Anforderungen an das Netz noch höher werden. „Spätestens in fünf Jahren sind die heute verfügbaren Bandbreiten zu niedrig“, fürchtet der Neckarhäuser.

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Ein entscheidender Vorteil von Glasfaser ist laut Fetzer, dass es kaum eine Laufzeitverzögerung gibt. „Heute kann es sein, dass beim Fußballspiel in der Nachbarschaft schon über das Tor gejubelt wird, während es im gestreamten Spiel noch gar nicht gefallen ist“, nennt er ein Beispiel. Auf lange Sicht sei das wie beim Strom. Künftig werde man nicht mehr dort hinziehen, wo es kein schnelles Internet per Glasfaser gebe. Die aktuelle Situation erinnere ihn ein wenig an seine Jugend. Damals hätten viele auf das angebotene Kabelnetz der Telekom verzichtet, weil sie davon ausgingen, dass es früher oder später sowieso kommen werde. Das sei dann aber mangels Nachfrage nicht passiert.

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Für die Deutsche Glasfaser ist Neckarhausen ein Pilotprojekt in Baden-Württemberg. Für die Gemeinde entstehen durch den Ausbau keine Kosten. Kunden, die sich bis zum Stichtag verpflichten, erhalten den Anschluss kostenlos und zahlen nur die monatlichen Beträge. Der Vertrag kostet bei einer garantierten Geschwindigkeit von 400 Mbit/s (einschließlich Telefonflat) in den ersten zwölf Monaten 24,99 Euro, danach 49,99 Euro pro Monat, die Laufzeit liegt bei 24 Monaten.

Info: www.deutsche-glasfaser.de/neckarhausen

Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.