Edingen: Mitglieder tragen den TVE durch die Corona-Krise

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Hans-Jürgen Emmerich
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Mindestens eine Schwimmnudel Abstand: Die TV-Vorstände Uli Herold, Janine Tödling, Jochen Heil. © Hans-Jürgen Emmerich

Der traditionelle Ball zu Beginn des neuen Jahres und die närrische Turnstunde konnten Anfang 2020 noch stattfinden, danach war für den Turnverein Edingen (TVE) buchstäblich Schluss mit lustig. Das Coronavirus legte die Aktivitäten des Vereins erst einmal auf Eis. „Wir sind wie in eine Schockstarre gefallen“, erinnert sich Janine Tödling, eine von drei Vorsitzenden und für Sport und Organisation zuständig. Vor allem Letztere ist in diesen Zeiten sehr gefragt.

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Die Schockstarre hielt nicht lange an. Vielmehr kümmerten sich die Ehrenamtlichen an der Vereinsspitze nun um Hygienekonzepte und Wegepläne, überlegten sich digitale Alternativen zu den bestehenden Angeboten und dachten über Arbeitseinsätze an der vereinseigenen Halle während der Zwangspause nach. Statt Sitzungen im Haus gab und gibt es noch immer Videokonferenzen, zum Pressegespräch lud der TVE jetzt mit großem Abstand in den Spiegelsaal ein.

Schwimmnudel als Maßstab

Dass eben dieser Saal für die Tanzgruppen nur noch sehr eingeschränkt nutzbar war, zeigen die bunten Klebekreuze auf dem Boden, die den gebotenen Abstand markieren. „Das Konzept war sehr komplex“, erklärt Tödling. In jede erste Übungsstunde nach den neuen Regeln kam einer der drei Vorstände, um diese Regeln zu erklären und die Übungsleiter zu unterstützen. Beliebtes Utensil: Eine Schwimmnudel. Die 1,56 Meter lange Stange aus Schaumstoff machte klar, wie viel Abstand einzuhalten ist. „Die größte Herausforderung für uns war es, den Überblick nicht zu verlieren“, bilanziert Janine Tödling angesichts ständig wechselnder Bestimmungen rund um die Bewältigung der Pandemie.

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Großes Problem für den Verein mit mehr als 1900 Mitgliedern und vielen Familien: Angebote für Klein- und Vorschulkinder sind oft nicht möglich, weil die Hilfestellung körperlichen Kontakt erfordert, der wiederum ausdrücklich verboten ist. Einige sportliche Angebote konnten ins Freie verlegt werden. Dabei zeigt sich der TVE dankbar, dass auch das Sport- und Freizeitzentrum dafür zur Verfügung stand.

Bescheidener Monatsbeitrag

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Einem kurzen Lichtblick im Sommer folgte der zweite Lockdown. Traditionelle Veranstaltungen wie die Kerwe oder der Nikolausabend fielen aus. Für den TVE weniger aus finanziellen Gründen ein Problem als vielmehr wegen der Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Denn die bringen dem Verein immer wieder neue Mitglieder und damit Unterstützer. Der für den Einzelnen bescheidene Beitrag von 4,50 Euro im Monat (Aktive zahlen 3,50 Euro mehr) bildet letztlich das Fundament für die Finanzen. Die Treue der Mitglieder sorgt dafür, dass dem Verein nicht die Puste ausgeht. Als Dankeschön verteilten Freiwillige Grußkarten mit Batterien („Energypack“) aus Schokolade an alle Haushalte. „Das hat für viel Gesprächsstoff gesorgt“, freut sich Vorstand Jochen Heil (Sport und Infrastruktur).

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Was wegen der Kontaktverbote nicht real möglich war, wurde vielfach ins Virtuelle übertragen. So gab es Übungseinheiten per Videoclip und sogar einen virtuellen Sommerlauf. „Das war auch ein bisschen als Zeichen gedacht, um die Menschen zum Sport zu animieren“, erklärt Vorstand Ulrich Herold, für Sport und Finanzen zuständig. Ob sich der Verein in der Krise Finanzhilfen von der Gemeinde erhofft? Herold winkt ab. Corona treffe schließlich alle. Doch Janine Tödlich hat zumindest den Wunsch, „dass nicht an Förderung der Vereine gespart wird“.

Mitmachstrecke am Neckar

Corona hin oder her: In Kürze soll es eine Mitmachstrecke entlang des Neckars geben, in Kooperation mit dem Turnverein Neckarhausen. Die auf laminierten Plakaten beschriebenen Übungen könne jeder schaffen. „Das ist auch etwas für Homeoffice-Gestresste“, glaubt Herold. Das Motto: „Mach mit - bleib fit.“

Fit bleiben trotz Corona, das will auch der TVE. Was er dazu braucht, ist nicht nur Ausdauer, sondern auch weiterhin eine große Familie und möglichst immer wieder neue Mitglieder. „Wir verstehen uns als Heimat für alle, und die soll sich jeder leisten können“, macht Herold klar, dass an der Beitragsschraube nicht gedreht werden soll. Gespart wird an anderer Stelle. So hat der Verein eine neue, umweltfreundlichere Heizung für mindestens 40 000 Euro erst einmal zurückgestellt.

Alles zum Verein: www.turnverein-edingen.de

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Redaktion Aus Leidenschaft Lokalredakteur seit 1990, beim Mannheimer Morgen seit 2000.