Neckar-Bergstraße - Nachbarschaftsverband beschließt Flächennutzungsplan mit großer Mehrheit / Edingen-Neckarhausen stimmt wegen Mittelgewann dagegen Der Rahmen fürs Wachstum steht

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Anja Görlitz
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Das Edinger Mittelgewann: Der neue Flächennutzungsplan sieht hier 7,5 Hektar potenzielle Wohnbaufläche vor. Der Gemeinderat wollte nur 4,2 Hektar. © Zinke

Die Verbandsversammlung des Nachbarschaftsverbands Heidelberg-Mannheim hat am Montag den neuen Flächennutzungsplan (FNP) beschlossen. Dieser legt fest, wo die 18 Mitgliedskommunen noch Wachstumsmöglichkeiten für Gewerbe und Wohnen haben. Der Beschluss fiel mit drei Gegenstimmen. Zwei davon kamen von den beiden Vertretern aus Edingen-Neckarhausen, Bürgermeister Simon Michler und Gemeinderat Helmut Koch (UBL-FDP/FWV). Sie stimmten gegen den FNP, weil dieser nicht den Mehrheitsbeschluss ihres Gemeinderats berücksichtigt. Dieser wollte die Entwicklungsfläche im Mittelgewann auf 4,2 Hektar reduzieren.

Langwierige Planung

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Insgesamt enthält der Flächennutzungsplan rund 490 Hektar potenzielle Flächen für eine Wohnbebauung und etwa 440 Hektar für eine gewerbliche Entwicklung. Diese wurden in einem mehrjährigen Planungsverfahren festgelegt, an dem sowohl Bürger als auch Behörden beteiligt worden waren. Insbesondere in Edingen-Neckarhausen gab es dabei Diskussionen, vor allem über die Größe der Wohnbaufläche im Edinger Mittelgewann. Im alten Flächennutzungsplan war das Areal mit knapp elf Hektar enthalten – jetzt sind es noch 7,5 Hektar. Das entspricht einem Beschluss des (alten) Gemeinderats von 2018. Allerdings wollte der neu gewählte Rat mehrheitlich eine Reduzierung auf 4,2 Hektar erreichen. Eine entsprechende Stellungnahme der Gemeinde blieb jedoch unberücksichtigt.

Wie der Verbandsvorsitzende, bis Montag der Ketscher Bürgermeister Jürgen Kappenstein, und der Chef der Planungsgruppe, Martin Müller, ausführten, hat das verschiedene Gründe. Einer davon sei, dass eine Änderung das langwierige Verfahren weiter verzögert hätte. Eine neuerliche Beteiligungsrunde wäre notwendig geworden, sagte Kappenstein. „Es bleibt aber der Gemeinde überlassen, ob sie das Gebiet entwickelt oder nicht“, betonte er weiter. Moniert hatte der Verband zudem, dass die Gemeinde Edingen-Neckarhausen ihren neuen Vorschlag nicht fachlich begründet habe. Nicht zuletzt sei das Mittelgewann im Hinblick auf die städtebaulichen Kriterien für eine Wohnbebauung besser geeignet als andere Bauflächen in Edingen-Neckarhausen.

Wie Müller ausführte, seien im neuen Plan gerade für die Doppelgemeinde etliche Flächen herausgenommen worden – mit der Folge einer deutlichen ökologischen Aufwertung (Freiraumschutz). Zum Mittelgewann erinnerte er an die Ergebnisse der frühzeitigen Bürgerbeteiligung im Jahr 2018: Dabei hätten sich die Einwohner sehr differenziert geäußert. Je etwa zur Hälfte hätten sie sich für beziehungsweise gegen das Mittelgewann als Wohnbaufläche ausgesprochen.

Michler will Areal nicht antasten

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Bürgermeister Simon Michler und Gemeinderat Helmut Koch stimmten gleichwohl gegen den Beschlussvorschlag des Nachbarschaftsverbands. „Diesen Auftrag habe ich vom Gemeinderat bekommen“, hatte Michler bereits im Vorfeld der Sitzung angekündigt. „Einen Bebauungsplan fürs Mittelgewann wird es in den nächsten Jahren definitiv nicht geben“, unterstrich er am Montag erneut. Er hoffe deshalb, dass sich das Thema nun beruhige, auch wenn formal 7,5 Hektar im FNP stehenbleiben.

Die Nabu-Gruppe Edingen-Neckarhausen erwägt unterdessen, Rechtsmittel gegen den FNP einzulegen. Diese Möglichkeit stehe Umweltverbänden durchaus offen, sagte Nabu-Vorstand Thomas Hoffmann, zugleich Gemeinderat der Offenen Grünen Liste (OGL), am Rande der Verbandsversammlung. Auch die OGL, die Fraktion der Linken sowie Enzio Ermarth von der Bürgerinitiative Mittelgewann hatten der Versammlung in den vergangenen Tagen ihre Bedenken mitgeteilt.

Schriesheim ohne Gewerbefläche

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Im Gegensatz zu Edingen-Neckarhausen hatte die Fortschreibung des Flächennutzungsplans in Ilvesheim, Heddesheim, Schriesheim und Ladenburg für wenige bis gar keine Diskussionen gesorgt. Gegenüber dem alten Plan waren die Veränderungen allerdings geringer oder unstrittig. Nahezu gleich geblieben ist etwa das Wachstumspotenzial in Heddesheim. Für Ladenburg wurden Wohnbauflächen reduziert, dennoch stehen hier noch knapp 37 Hektar zur Verfügung.

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Ilvesheim hat lagebedingt vergleichsweise wenig Entwicklungsmöglichkeiten, in Schriesheim verhält es sich ähnlich. Beide Kommunen haben im neuen Plan gleichwohl mehr potenzielle Wohnbaufläche als zuvor. Gänzlich entfallen muss allerdings in Schriesheim eine angedachte Fläche für Gewerbe. Eine dort vorgesehene Tankstellennutzung am Autobahnzubringer konnte nicht mit dem Wasserschutz in Einklang gebracht werden. Gewerbliche Bauflächen hat die Weinstadt somit keine.

Redaktion Redakteurin Neckar-Bergstraße